Vereinsleben

Rätselraten um die Oberhausener Stadthalle

Die Luise-Albertz-Halle ist als gute Stube für viele engagierte Vereine und Initiativen ein wichtiger Ort zum Feiern – wie hier beim Altweiberball..

Die Luise-Albertz-Halle ist als gute Stube für viele engagierte Vereine und Initiativen ein wichtiger Ort zum Feiern – wie hier beim Altweiberball..

Foto: Gerd Wallhorn / FUNKE Foto Services

Oberhausen.  Ein überraschender Ratsbeschluss unter Ausschluss der Öffentlichkeit bringt für die Oberhausener Stadthalle gefährliche Unsicherheiten.

Das Schicksal der bei Vereinen äußerst beliebten Oberhausener Stadthalle steht in den Sternen: Niemand weiß so richtig, ob er die Säle Berlin, London oder Paris überhaupt noch fürs nächste Jahr buchen kann – denn die so wichtige gastronomische Versorgung für ausgelassene Feiern ist völlig unklar.

Überraschend hat der Rat mit Mehrheit im nicht-öffentlichen Teil seiner Sitzung entschieden, nun doch keinen Vertrag der Stadt mit dem US-Stadionbetreiber SMG Entertainment zu schließen. Dieser bewirtschaftet seit Jahrzehnten recht erfolgreich die Köpi-Arena – und daneben international 240 weitere Veranstaltungsstätten. Deshalb hatte sich der Rat noch im Februar 2019 zu einem historischen Schritt durchgerungen: Die Luise-Albertz-Traditionshalle sollte privatisiert werden und deren Betrieb komplett in die Hände der Vergnügungskonzern-Profis aus Pennsylvania übergehen. So hoffte man, dass der heutige städtische Betriebszuschuss von gut 1,1 Millionen Euro für die Stadthalle deutlich fällt. Die Befürworter dieses Projekts gewannen damals denkbar knapp mit 30 zu 28 Stimmen.

Jetzt kehrte sich das Verhältnis deutlich um, nur BOB (zwei Stimmen) und CDU (20 Stimmen) begeisterten sich noch für die Abgabe der Stadthalle. Und das stürzt nun alle Verantwortlichen in eine gewisse Verzweiflung der Desorganisation. Denn mit den Stimmen von SPD, Linken, FDP und „Offen für Bürger“ (OfB) gibt es nun erst einmal keinen, der aus einer Hand Hallenvermietung, Bier, Kaffee und üppiges Buffet anbietet.

Schweigen über den Beschluss

Die Ratspolitiker und Teile der Stadtspitze jedenfalls verabschiedeten sich schweigend über diesen für die engagierten Bürger so wichtigen Beschluss in die Sommerpause – und auch jetzt wollen die verbliebenen Kräfte nicht so richtig über den Vorfall reden. „Da weiß im Moment niemand, wie es weiter geht und deshalb ist es derzeit in dieser Sache sehr still“, meint einer der Politiker. Auch SMG Entertainment will trotz mehrfacher Anfrage nichts mehr sagen, dabei hatte sich Arena-Geschäftsführer Henrik Häcker im Februar so gefreut: „Die gute Stube der Stadt wird sich unter SMG bestens entwickeln.“

Zweifel beim Lesen des sehr ausführlichen Vertragswerks

Nun ja, das glaubten beim intensiven Lesen des detaillierten Vertragswerks zwischen Halleneigentümer Stadt und künftigen Betreiber SMG offenbar zu wenige Politiker. Nicht nur die Linken machten schon im Vorfeld der Entscheidung Stimmung gegen die SMG: „Der Vertrag zeigt in gravierender Art und Weise, wie Gewinne privatisiert, während die Verluste sozialisiert werden“, befand Fraktionschef Yusuf Karacelik. Nach dem Vertrag solle die Stadt die Verluste komplett tragen; bei Gewinnen müsse die Stadt aber 60 Prozent abgeben.

Auch die Prüfung der SPD-Fraktion fiel negativ aus. Die stellv. Fraktionschefin und Juristin Sonja Bongers entdeckte wohl zu viele juristische Fallstricke. „Das Risiko für die Stadt war uns viel zu groß – und gleichzeitig hätten wir den Einfluss auf den Hallenbetrieb komplett verloren“, argumentiert ein SPD-Ratsherr. Es habe die Gefahr bestanden, dass die Hallenmiete für die Vereine deutlich teurer geworden wäre. Zudem bestehe hoher Investitionsbedarf in das Gebäude, den vor allem die Stadt hätte stemmen müssen.

SMG Entertainment wollte selbst 200.000 Euro in die Halle investieren und die Säle neben den Konzerten eben auch lukrativ mit Kongressen sowie Jahreshauptversammlungen von Firmen und Messen bespielen.

Nach seinem Sommerurlaub will sich nun Oberbürgermeister Daniel Schranz dem Vernehmen nach um eine zügige Lösung bemühen. Man könnte den Vertrag mit SMG nachverhandeln, man könnte eine ganz neue Ausschreibung starten, man könnte einen eigenen hauptamtlichen Hallenmanager einsetzen. Dann bestünde wieder Hoffnung, dass die Oberhausener „Charly’s Kantinen“-Unternehmer Sam Terbeck und Sandy Gorny, derzeit Chefs der Hallengastronomie, doch noch weiter machen dürfen – über ihr Vertragsende Ende 2019 hinaus.

Bis dahin kann der ehrenamtliche Hallen-Geschäftsführer Detlef Sprenger mit seinen fünf Mitarbeitern den Vereinen und Initiativen nur sagen: „Die Halle wird von uns weiter geführt und wir können die Halle auch fürs nächste Jahr vermieten – zu den jetzigen Konditionen. Doch was mit der Gastronomie passiert, ist völlig unklar.“

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