Theater

Raumfahrt-Abenteuer in der spacigen Zukunftshalle

Ganz schön spacig: Die Haltestelle „Neue Mitte“ sieht nicht nur aus wie ein interstellarer Flugkörper-Terminal, hier sind auch die Vier von „Fit & Struppi“ in ihren todschicken Kolibri-Raumanzügen zwischengelandet.

Ganz schön spacig: Die Haltestelle „Neue Mitte“ sieht nicht nur aus wie ein interstellarer Flugkörper-Terminal, hier sind auch die Vier von „Fit & Struppi“ in ihren todschicken Kolibri-Raumanzügen zwischengelandet.

Foto: Isabel Machado Rios

Oberhausen.   Mit „Fit & Struppi“ bespielt das Theater bis Ende Oktober „The Mirai“. Autor und Regisseur Nicola Bremer setzt auf abgedrehtes Gedanken-Training.

Wer einen Flash in höherer Geometrie erleben möchte, der möge sich den Wikipedia-Artikel zum Stichwort „Oloid“ zumuten: Für mathematische Laien sind die Formel-Cluster und psychedelisch kolorierten 3-D-Simulationen wohl so verständlich wie Klingonisch. Und damit wären wir schon auf der Raumstation namens „The Mirai“, nur einen kleinen Spaziergang entfernt vom Weltraumbahnhof namens „Neue Mitte“.

Inmitten der rund 35 000 Quadratmeter großen Halle ruht ein übermannshohes Oloid. Der Begriff bezeichnet jenen geometrischen Körper, der 1929 vom Bildhauer und Maschinenbauer Paul Schatz zusammen mit dem umstülpbaren Würfel entdeckt wurde: Laienhaft gesagt, sind’s zwei in­einander geschobene Scheiben.

Premiere am 14. September

Mit diesem Oloid und in der galaktischen Leere dieser „Mirai“- Halle lässt sich wunderbar Theater spielen. Schon die Theatertechniker, erzählt Nicola Bremer, hatten ungeahnten Spaß an der Konstruktion der holzbeschichteten Stahlscheiben, die sich in Bewegung setzen, sobald man sie – nur mit Sicherheitsschuhen – betritt.

Der 29-jährige Autor und Regisseur von „Fit & Struppi“ verspricht für eine Stunde ein Abenteuer – wenn auch nicht so, wie Hergés „Tim & Struppi“ sie erlebt haben.

Am Freitag, 14. September, um 19.30 Uhr steigt die Premiere im zukünftig weltgrößten Fitnessclub. Aber keine Sorge: Anders als es das Spielzeit-Buch andeutet, müssen die Zuschauer nicht mitturnen. Bequeme Schuhe ja – Sportdress nein. Das Theater hat als Sitzgelegenheiten für unterwegs sogar transportable Hocker von der Ludwiggalerie ausgeliehen. Zudem gibt’s Kopfhörer. Anders wären die vier Akteure – Ayana Goldstein, Banafshe Hourmazdi, Lise Wolle und Klaus Zwick – in der elf Meter hohen Halle nicht zu verstehen.

Geistes- statt Bizeps-Training

„Worüber reden die Leute in Oberhausen?“ Die Frage war für den in Italien aufgewachsenen Schweizer der Ausgangspunkt seines Oberhausen-Abenteuers. Jeweils 60 Theatergäste werden das Privileg haben, mit „Fit & Struppi“ die Zukunftshalle zu erleben – ehe sie sich völlig verändert.

Und als Abenteurer des Geistes verpasst Nicola Bremer der galaktischen Muckibude in spe „ein Gedanken-Training“, wie er sagt. „Denken kommt vor dem Tun.“ Seine Gedanken und Assoziationen verteilt der Bühnenautor und Regisseur auf die vier Schauspieler in ihren Designer-schicken Raumanzügen. „Bei mir gibt es nie klassische Figuren.“

Allerdings wacht Struppi, der Plüschterrier, am Probentisch im Vorraum – und trägt ebenfalls Raumfahrerhelm. Für Udo Lindenberg wäre es wohl eine „Galaxo-Gang“, die auf dem Oloid in Kolibri-geschmückten Raumanzügen in ein abgedrehtes Abenteuer treidelt.

>>> 14 Vorstellungen bis zum Start des Umbaus

Bis Ende Oktober gibt das Theater 14 Vorstellungen von „Tim & Struppi“ für jeweils maximal 60 Zuschauer in der größeren der künftigen „Mirai“-Hallen. Im November soll der Umbau zum Fitness-Tempel starten.

Die Premiere ist ausverkauft. Weitere Vorstellungen im September folgen am Sonntag, 16., Mittwoch, 19., Donnerstag, 20., Mittwoch, 26., Donnerstag, 27., und Samstag, 29., um 19.30 Uhr. Karten kosten 18 Euro und 5 Euro, 0208 - 8578 184.

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