Landgericht

Rechtsmediziner können Rätsel um totes Baby nicht klären

Foto: Oliver Berg

Oberhausen.   Kurz nach der Geburt starb das Baby in einem Oberhausener Badezimmer. Die Mutter äußert sich nicht – und ist vor dem Landgericht angeklagt.

Eine 34-jährige Mutter soll am 10. August 2018 im Badezimmer ihrer Wohnung in Königshardt ein Kind zur Welt gebracht und es getötet haben, indem sie seine Atmung blockierte. Seit dem 16. Januar wird vor dem Landgericht wegen Totschlags gegen sie verhandelt. Jetzt trugen zwei Rechtsmediziner ihre Erkenntnisse zu den Umständen vor, unter denen das Kind gestorben sein könnte. Eindeutige Antworten für die Juristen gab es allerdings nicht.

Professor Thomas Bajanowski, Direktor des Instituts für Rechtsmedizin an der Universitätsklinik Essen, hat keinen Zweifel daran, dass Mutter und Kind zum Zeitpunkt der Geburt gesund waren. Hinweise auf Komplikationen bei der Geburt fand er keine, die erklären könnten, wieso an der Leiche Anzeichen eines Erstickungstodes festgestellt wurden. Für ihn bleibt nur die äußere Erstickung übrig.

Bajanowski hält die Darstellung der 34-Jährigen, die angab, sie sei unmittelbar nach der Sturzgeburt ohnmächtig geworden, für höchst unwahrscheinlich. „Aber der Tod des Kindes muss nicht durch aktives Handeln verursacht worden sein.“ Die Atmung des kleinen Jungen könne beispielsweise auch dadurch blockiert worden sein, dass er mit dem Gesicht in den Badezimmervorleger gefallen sei.

Komplikation bei der Geburt

Professor Michael Tsokos, Leiter der Rechtsmedizin an der Berliner Charité, hält eine Komplikation bei der Geburt dagegen durchaus für möglich: Die Spuren des Erstickungstodes seien auch durch eine Nabelschnurkompression erklärbar. „Durch das starke Zusammenpressen der Nabelschnur zwischen Körper des Kindes und Becken der Mutter kann eine akute Sauerstoffunterversorgung entstehen.“ Falls dann nicht sofort die Atemwege abgesaugt und Sauerstoff angelegt werde, sterbe das Kind.

Die Angeklagte hat sich bislang vor Gericht nicht geäußert. Sie hatte am Tattag erzählt, das Kind sei eine Totgeburt gewesen. Das geben die Notärztin, die die Leiche des Kindes mit einem Badezimmervorleger in einer Plastiktüte fand, und ein Vernehmungsbeamter der Polizei an. Gegenüber den Beiden hat die Mutter gesagt, sie habe erst sechs Wochen zuvor von der Schwangerschaft erfahren und sich geschämt. Lebenszeichen habe sie nie bemerkt. Ihrem Ehemann und ihrem Geliebten, einem 35-jährigen Duisburger, der der Vater des Kindes war, hatte sie die Schwangerschaft verheimlicht.

Für das Verfahren sind nun noch zwei weitere Verhandlungstage bis Anfang März geplant.

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