Rauchverbot

Schluss mit der Nervennahrung - Raucher reagieren trotzig auf Verbot

Das verschärfte Nichtraucherschutzgesetz gilt seit Mitternacht - die Kneipengänger müssen nun auch beim Fußball auf ihre "Nervennahrung" verzichten.

Das verschärfte Nichtraucherschutzgesetz gilt seit Mitternacht - die Kneipengänger müssen nun auch beim Fußball auf ihre "Nervennahrung" verzichten.

Foto: Sebastian Konopka

Oberhausen.  Der letzte Rauch ist verzogen. Um Mitternacht ist das verschärfte Nichtraucherschutzgesetz in Kraft getreten. Zur Abschieds-Zigarette gesellt sich bei den Nachtschwärmern in Oberhausen auch jede Menge Trotz. Wie die Gäste den Dunst in den Kneipen verabschiedet haben.

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Rainer Ziebig ist immer noch fix und fertig. Die Schachtel mit „seinen Kippen“ hat er längst zu einem Knäuel zusammengedrückt. Plastikfetzen der Verpackung liegen im Aschenbecher. Gerade erst ist das Champions-League-Halbfinale zwischen Real Madrid und Borussia Dortmund zu Ende gegangen. Letztlich war das Ergebnis knapper als es den Gästen einer Innenstadtkneipe lieb war. Auch Ziebig wischt sich mit der Hand durch sein Gesicht: „Ich habe keine Ahnung, wie ich ein so spannendes Fußballspiel ab jetzt ohne Zigaretten als Nervennahrung aushalten soll.“

Der Glimm-Stängel auf den Einzug ins Finale ist gleichzeitig die Abschiedsvorstellung nach dem endgültigen „Aus“ für die Zigarette in den Kneipen. Das verschärfte Nichtraucherschutzgesetz ist um Mitternacht in Kraft getreten. Ausgerechnet beim „Tanz in den Mai“, wie viele finden, während einer Nacht, in der viele Kneipen ein Musikprogramm bieten und die Gäste um Mitternacht oft noch nicht nach Hause gehen.

Nur wenige Wirte räumen Aschenbecher ab

Jutta Rüther kann dem ausnahmslosen Rauchverzicht nicht viel abgewinnen. „Jeder soll doch selbst entscheiden können, wo er hingeht! Ich halte das für Bevormundung.“

Ihr Mann Horst sieht es anders. „Ich kann auf stickige Kneipen gut verzichten. Im Sommer können die Raucher gut vor der Tür qualmen, dort, wo es dann wirklich keinen stört.“ Viele Gastronomie-Betriebe haben bereits reagiert – wollen auch während der kalten Jahreszeit „Raucherecken“ mit „Heizpilzen“ einrichten.

In einer Eckkneipe gibt man sich trotzig. Kurz vor zwölf sind die Zigaretten hier jedenfalls nicht verschwunden. „Heute zählt nicht“, meint der Wirt. Obgleich streng genommen das Rauchverbot ohne Ausnahmen ab Mitternacht bereits gilt.

Vor der Theke gibt man sich kämpferisch: „Man müsste für die Belange der Eckkneipen in Düsseldorf protestieren!“ Und weiter: „Ich werde mir heute das Rauchen nicht verbieten lassen.“ Oder: „Was kommt als nächstes? Bierverbot, sodass die Leute in Kneipen nur noch Limo trinken dürfen?“ Wird die letzte "legale Zigarette" in der Kneipe mit besonderem Genuss geraucht? "Nein, nicht wirklich!"

"Dürfen wir bald nur noch Limo trinken?"

Einige Blicke richten sich skeptisch Richtung Tür. Doch Kontrollen der Stadt gibt es hier heute nicht. Das Ordnungsamt hatte angekündigt, künftig Hinweisen auf Verstöße nachzugehen und Stichproben zu machen. Einige wenige Wirte hatten in den Oberhausener Gastronomie-Betrieben nach Mitternacht vorsichtshalber gar keine Aschenbecher mehr ausgeteilt. Horst Rüther berichtet: „Das habe ich in einer Kneipe gesehen, halte ich aber für übertrieben. Da sollte man heute Nacht nicht zu pingelig sein, auch militante Nichtraucher nicht.“

Der musikalische Abschiedsgruß des Liedermachers Reinhard Mey ist nach Rüthers Meinung nun überholt. Er summt vor: „Gute Nacht, Freunde. Es wird Zeit für mich zu geh'n. Was ich noch zu sagen hätte, dauert eine Zigarette…“

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