Abschied in den Ruhestand

Schulleiterin hat einst angehende Bergleute unterrichtet

Zeugnisse unterschreiben: Das hat Gudrun Wermert-Heetderks, Leiterin des Käthe-Kollwitz-Berufskollegs, in diesen Tagen zum letzten Mal gemacht.

Zeugnisse unterschreiben: Das hat Gudrun Wermert-Heetderks, Leiterin des Käthe-Kollwitz-Berufskollegs, in diesen Tagen zum letzten Mal gemacht.

Foto: Nikolina Miscevic

Oberhausen.  Eigentlich wollte sie als Lehrerin am Gymnasium arbeiten. Doch Gudrun Wermert-Heetderks musste in der Berufsschule unterrichten. Ein Glücksfall.

Lehrerkonferenz, Elterngespräch, Zeugnisausgabe mit anschließendem Redebedarf von Schülern: Bis zu ihrem letzten Arbeitstag am Freitag hat Gudrun Wermert-Heetderks als Leiterin des Käthe-Kollwitz-Berufskollegs noch gut zu tun.

Von ihrem Kollegium wurde die 62-Jährige schon in der vergangenen Woche mit einer großen Party verabschiedet. „Ich muss in den Ferien wohl noch ein paar Mal kommen, um mein Büro aufzuräumen“, sagt die Oberhausenerin, die seit 17 Jahren, davon fünf Jahre als Stellvertreterin, das Kolleg für Berufe aus den Breichen Ernährung & Hauswirtschaft, Sozialwesen, Gesundheit, Körperpflege, Medientechnik und Sozialwesen geleitet hat und nun in den Ruhestand geht. Rund 1200 Schülerinnen und Schüler lernen an der Berufsfachschule: zum Beispiel künftige Erzieherinnen und Erzieher.

Deutsch und evangelische Religion

http://funke-cms.abendblatt.de:8080/webservice/thumbnail/article/210167109Der Weg an eine Berufsschule, heute Berufskolleg, war Gudrun Wermert-Heetderks nicht vorgezeichnet. Deutsch und evangelische Religion für das Lehramt in der Sekundarstufe I und II hat die aus dem Münsterland stammende Wahl-Oberhausenerin an der damaligen Gesamthochschule Duisburg, heute Universität Duisburg-Essen, studiert. „Ich habe gedacht, ich werde Gymnasiallehrerin“, erinnert sich Gudrun Wermert-Heetdeerks. Aber im Referendariat wurde sie einer Berufsschule zugewiesen, „ich wusste gar nicht, was das war“. An der Bergberufsschule in Recklinghausen hat sie als Referendarin damals angehende Bergleute im Fach Deutsch unterrichtet.

Erste Stelle im Technischen Berufskolleg

Als sie das System kennen gelernt hatte, „war klar, das ich da bleiben wollte“. Ihre erste Stelle trat Wermert-Heetderks dann an einem Technischen Berufskolleg in Essen-Mitte an, als überhaupt erst zweite Lehrerin in einem ansonsten männlichen Kollegium. Fortan unterrichtete sie Kfz-Mechaniker, Techniker, Schlosser. Die pädagogische und fachliche Bandbreite an einem Berufskolleg hat der Lehrerin gut gefallen. „Die Haltung der Schüler ist eine andere, besonders im dualen System, die wissen, worum es geht.“

Der Wechsel ans Käthe-Kollwitz-Berufskolleg in Oberhausen bescherte Gudrun Wermert-Heetderks dann noch einmal ein neue Welt, die deutlich weiblicher geprägt ist. Künftige Erzieherinnen, Frisörinnen oder Hauswirtschafterinnen sind ein anderes Schüler-Klientel. „Hier herrscht eine andere Pädagogik, weniger hierarchisch geprägt, das hat mich beflügelt.“ Dazu das „tolle Kollegium“ von damals rund 60 Lehrerinnen und Lehrern, heute sind es rund 80.

Ideen, wie eine Schule funktionieren könnte

„Ich wollte immer viel machen in Schule, wollte viel verändern“, sagt Wermert-Heetderks, die neben ihrer Arbeit in der Schule in der Lehrerfortbildung tätig war und auch heute noch Schulleiter coacht. Als aber ein Dezernent an sie herantrug, sich doch für eine Schulleiterstelle zu bewerben, „habe ich gedacht: Watt? Nee“. Um dann zu überlegen: „Du hast doch gute Ideen, wie eine Schule funktionieren könnte.“ Also bewarb sie sich dann auf die vakante Stelle der stellvertretenden Schulleitung am „Käthe“. „Mein Sohn war damals zwölf, das ließ sich gut vereinbaren.“ Zugewandt sei sie, so lobten die Redner bei den Abschiedsfeiern, ihr Führungsstil habe den Kollegen große Freiräume gelassen. Aber in der Bergberufsschule „habe ich auch gelernt, klare Ansagen zu machen“.

Schulamtsleiterin auf dem Marktplatz getroffen

Seit 1980 lebt Gudrun Wermert-Heetderks in Oberhausen, sie kennt die Stadt, die Menschen und ist gut vernetzt. Was für ihre Arbeit als Schulleiterin nützlich war. Schließlich ist es kein Nachteil, wenn man die Schulamtsleiterin auf dem Wochenmarkt trifft. „Eine Schule kann man nicht vom Schreibtisch aus leiten“, sagt Wermert-Heetderks. Das gute Schulklima, dass ihre Schule gepflegt und einladend wirke durch ein Raumkonzept, wertet die parteilose Schulleiterin als Erfolg. Dass es ihr gelungen ist, mit Beharrlichkeit die Entscheider in der Kommunalpolitik von einem neuen Anbau zu überzeugen, ist ebenfalls ein Erfolg. Im September sollen die Arbeiten starten, künftig wird dann die Dependence am Nierfeldweg überflüssig.

Der Übergang in den Ruhestand fällt Gudrun Wermert-Heetderks nicht ganz leicht, vorgenommen hat sie sich noch gar nichts. „Ich gucke mal, was kommt.“

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