Das Wahljahr 2017

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz fräst den Gasometer

SPD-Spitzenkandidat Martin Schulz besucht Azubi Leonardo (re. vorne) an seiner CNC-Fräse. Rechts neben ihm SPD-Landtagskandidatin Sonja Bongers, daneben Hausherr Jochen Kamps.

Foto: Kerstin Bögeholz

SPD-Spitzenkandidat Martin Schulz besucht Azubi Leonardo (re. vorne) an seiner CNC-Fräse. Rechts neben ihm SPD-Landtagskandidatin Sonja Bongers, daneben Hausherr Jochen Kamps. Foto: Kerstin Bögeholz

Oberhausen.   Hoher Besuch im Zentrum für Ausbildung und Qualifikation in Oberhausen: SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz ist gekommen und spricht mit Arbeitern.

Martin Schulz drückt auf den Knopf und setzt die CNC-Fräse in Gang. Azubi Leonardo hat dem Parteivorsitzenden und Kanzlerkandidaten der SPD gerade erklärt, wie er die Maschine programmiert hat, damit diese aus einem Rohling einen kleinen Gasometer formt. Der Spitzenpolitiker ist also einmal nur ausführendes Organ und als die Fräse fertig ist, darf er den Gasometer-Schlüsselanhänger als Andenken mitnehmen. Schulz lächelt freundlich, wünscht Leonardo „viel Erfolg“.

Ein wenig Rückenwind vor der Landtagswahl

Weiter geht es zur nächsten Station in den Werkstätten des Zentrums für Ausbildung und berufliche Qualifikation (Zaq) an der Essener Straße. Im Schlepptau der Mitarbeiter-Stab, Oberhausener SPD-Vertreter, Journalisten.

Der hohe Gast aus Berlin ist auf Wahlkampf-Tour, die ihn am Donnerstag auch nach Oberhausen führt. Die lokalen Genossen freut es, ein bisschen Rückenwind im Vorfeld der Landtagswahl am 14. Mai kann schließlich nicht schaden. Beim Abschied eine gute Stunde später wird Martin Schulz leise zu SPD-Landtagskandidatin Sonja Bongers sagen „Ich drücke Dir die Daumen. Das schaffen wir doch, oder?!“ Ein herzlicher Händedruck, in dessen Genuss an diesem Vormittag viele kommen. Bevor sich der Mann, der Kanzler werden will, aber wieder in die schwarze Limousine setzt und weiter nach Essen fährt, lässt er sich von Zaq-Hausherr Jochen Kamps erklären, was im Oberhausener Ausbildungszentrum passiert. Spricht unter Ausschluss der Medien mit seinen Parteikollegen und mit zwei Frauen, allein erziehenden Müttern, die hier in Teilzeit eine Ausbildung absolvieren können.

Keine gerade Arbeitsbiografie

Dies ist eines der Angebote des Zentrums für Ausbildung und Qualifikation, das außerdem Umschulungen durchführt, den Einsatz von 1-Euro-Jobbern organisiert, Flüchtlinge für eine Lehre fit macht (inklusive Sprachtraining) oder Achtklässlern bei der Berufsorientierung hilft. Martin Schulz, der ja selbst keine gerade Arbeitsbiografie aufweise, so sagt sein Sprecher, habe sich die Einrichtung bewusst ausgesucht. Botschaft: „Wir dürfen nicht nachlassen, Menschen eine zweite und dritte Chance auf dem Arbeitsmarkt zu geben“, sagt Martin Schulz. „Ich habe hier heute noch mal gelernt, dass unser Ansatz richtig ist, auf Qualifizierung und Weiterbildung zu setzen. Das ist wichtig für die Zukunft des Wirtschaftsstandortes Deutschland.“ Es müssten nicht nur die Voraussetzungen für solche Ausbildungsangebote wie im Zaq geschaffen werden, sondern die Information über diese Angebote auch breit gestreut werden. Die Mütter hätten ihm nämlich im Gespräch erzählt, berichtet Martin Schulz, dass sie sich selbst alle Infos zu dieser Ausbildungsmöglichkeit hätten beschaffen müssen.

Dass die SPD und ihr Spitzenkandidat Menschen ohne Arbeit künftig mehr fördern möchten, ist in einer Stadt wie Oberhausen mit rund 10 .000 Langzeitarbeitslosen in der Statistik eine gute Nachricht. Zaq-Chef Jochen Kamps oder Landtagsabgeordneter Stefan Zimkeit, ebenfalls im Vorstand von Zaq, haben ihrem prominenten Parteigenossen dazu ihre Wünsche mit auf den Weg gegeben. Dazu gehört die Forderung, dass Fördermaßnahmen, wie sie das Zentrum an der Essener Straße im Auftrag der Agentur für Arbeit anbietet, länger laufen sollten. Dass es für solche Einrichtungen eine verlässliche Finanzierung geben sollte, um perspektivisch besser planen zu können, auch mit dem eigenen Personal. Oder dass der Staat mehr und unbürokratischer sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze finanziert. Für Menschen, die auf dem ersten Arbeitsmarkt keine Chance haben. Die aber für gar nicht so viel mehr Geld als Hartz IV eine Gegenleistung erbringen könnten.

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