Kneipensterben

Stammkunden ärgern sich über die Ebay-Kneipe „Zur Theke“

Die Kneipe „Zur Theke“  an der Friedrich-Karl-Str. 25 in Alt-Oberhausen

Die Kneipe „Zur Theke“ an der Friedrich-Karl-Str. 25 in Alt-Oberhausen

Foto: Bögeholz

Oberhausen.   Die Oberhausener Traditionskneipe „Zur Theke“ wird nun doch – entgegen der ersten Darstellung des Eigentümers – verschwinden. Für eine Sportsbar.

Nachdem Besitzer Helmut Paus über eine aufsehenerregende Suche einen neuen Pächter für die Traditionskneipe „Zur Theke“ gefunden hat, ist entgegen seiner ersten Darstellung uns gegenüber nun offenbar doch nicht alles gut. Es gibt Streitigkeiten mit dem seit langen Jahren dort ansässigen Dartverein „EDC Zur Theke“. Und auch die Renovierungsmaßnahmen des neuen Wirts stoßen nicht nur auf Zustimmung.

Auf der Internetplattform „Ebay Kleinanzeigen“ hatte Helmut Paus seine Kneipe samt der urigen Einrichtung angeboten. Da der Besitzer angeblich sehr an seinem kleinen Stück Ruhrgebietskultur hängt, sollten die neuen Betreiber so viel wie möglich davon erhalten – so zumindest sein Plan. Auch die dort ansässigen Dart- und Knobelvereine hofften, ihren Vereinstreffpunkt behalten zu können.

Mehr frischer Wind als den Stammgästen lieb ist

Doch die neuen Betreiber bringen offenbar mehr frischen Wind in die alte Taverne, als den Stammgästen lieb ist. Direkt nach der Schlüsselübergabe Anfang des Monats begannen sie mit umfassenden Renovierungsarbeiten. „Die haben schon Tage vorher mit den Füßen gescharrt, wann wir da raus sind“, sagt Axel Berger verärgert. Er ist Mitglied des Dartvereins und kommt seit 1991 regelmäßig in das Lokal. Den Modernisierungsplänen steht er kritisch gegenüber.

Dass die neuen Betreiber andere Pläne mit dem Laden haben, als ursprünglich vereinbart war, erfuhr auch Helmut Paus nach eigenen Angaben erst bei der Übergabe. Nach der Renovierung soll seine Traditionskneipe „Zur Theke“ eine Sportsbar werden. Paus sieht das gelassen. Die Vereinsmitglieder hingegen reagierten auf die Nachricht so verärgert, dass es zum Streit mit dem neuen Wirt kam.

Weiterhin eine „ganz normale Kneipe“

Dabei sollte ihre Dartscheibe eigentlich hängenbleiben, wie der Besitzer versichert. „Da muss ich den Betreiber ganz klar in Schutz nehmen“, sagt er. Eine Renovierung sei ohnehin notwendig gewesen. „Es ist weiterhin eine ganz normale Kneipe“, betont Paus. Einigen Mitgliedern des Dartvereins reichte diese Zusage jedoch nicht aus. „Die wollen daraus eine Teestube machen“, fürchtet Axel Berger und spielt damit auf die türkischen Wurzeln des neuen Betreibers an.

Die Chancen für eine Einigung stehen laut Paus schlecht. Die Trennung vom Dartverein ist deshalb für ihn die beste Lösung. Das bedeutet aber nicht nur, dass die regelmäßigen Dart-Abende in der Kneipe ausbleiben werden. Dem Dartverein droht nun sogar das komplette Aus. Ohne eigenen Veranstaltungsort können die Teams nicht mehr an Turnieren teilnehmen. Noch bis Ende August haben die Mitglieder Zeit, eine Bleibe zu finden. Dann endet die Anmeldefrist für die kommende Saison.

Besitzer fürchtet um guten Start

Helmut Paus fürchtet unterdessen um den guten Start für den neuen Besitzer, der sich selbst nicht zu dem Konflikt äußern möchte. „Auch wenn dort bald Fußball übertragen wird, wird weiter Bier ausgeschenkt wie in jeder anderen Kneipe auch“, unterstreicht Paus.

>>> Jede dritte Kneipe geschlossen

Früher gab es sie an jeder Ecke, heute sind sie immer seltener: Deutschlandweit hat seit 2001 jede vierte Kneipe geschlossen, in NRW sogar jede dritte.

Das Rauchverbotwird immer wieder als Grund für das Kneipensterben angegeben. Aber auch viele Vereine, die sich traditionell in den Lokalen getroffen haben, haben sich aufgelöst oder betreiben mittlerweile ein eigenes Vereinsheim für ihre Mitglieder.

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