Klinikum-Insolvenz KKO

Stehen auch andere Oberhausener Krankenhäuser auf der Kippe?

Das Evangelische Krankenhaus in Oberhausen steht nach Aussage der Geschäftsführung wirtschaftlich auf gesunden Füßen.

Das Evangelische Krankenhaus in Oberhausen steht nach Aussage der Geschäftsführung wirtschaftlich auf gesunden Füßen.

Foto: Frank Oppitz / FUNKE Foto Services

Oberhausen.  Die Finanzmisere von drei Oberhausener Krankenhäusern des Katholischen Klinikums KKO löst Sorgen aus. Stehen auch andere Klinken auf der Kippe?

Mit Argusaugen verfolgen die Manager der anderen drei unabhängigen Oberhausener Krankenhäuser die Situation des Katholischen Klinikums Oberhausen (KKO). Denn offenbar brachten nicht nur eigene Fehlentscheidungen das KKO in die Finanzmisere, sondern auch die gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen. Da die neue Geschäftsführung des KKO derzeit überlegt, mindestens einen von ihren drei Klinik-Standorten (St. Clemens, St. Marien, St. Josef) zu schließen, fragen sich nicht wenige Oberhausener: Brechen womöglich noch weitere Traditionskrankenhäuser weg?

Nur ein paar Blocks entfernt

Das Evangelische Krankenhaus EKO an der Virchowstraße ist nur ein paar Blocks vom KKO-Hospital St. Josef entfernt und bietet Vollversorger-Leistungen für Alt-Oberhausen an – nicht nur dieser Fakt bringt das St.-Josef-Krankenhaus in Gefahr, sondern auch seine alte Bausubstanz, die nach Angaben von Fachleuten einen hohen Investitionsbedarf erfordert.

Doch betriebswirtschaftlich sind sehr viele Krankenhäuser in NRW unter Druck: Es gibt einen Trend zu mehr ambulanten Behandlungen, um teure stationäre Aufenthalte zu vermeiden; die Klinik-Dichte im Ruhrgebiet bedeutet starke Konkurrenz; das Land stellt seit Jahrzehnten viel zu wenige Gelder für Klinik-Umbauten, -Erweiterungen und -Renovierungen zur Verfügung, obwohl es dafür zuständig ist.

Zunehmende Kontrolldichte der Krankenkassen

Und zudem lassen die Krankenkassen über ihren Medizinischen Dienst seit einiger Zeit bis zu einem Drittel der Klinik-Rechnungen vier Jahre rückwirkend haargenau prüfen, ob in diesen Fällen wirklich eine teure Krankenhausbehandlung notwendig war. Dann werden die Rechnungen rückwirkend korrigiert – die Krankenhäuser müssen Millionen nachzahlen. Das kann Hospitälern mit dünner Finanzdecke schnell das Genick brechen.

Die Oberhausener Klinikmanager verschweigen diese negative Gesamtlage nicht - im Gegenteil. Dennoch sehen sie allesamt gute Chancen, im Verbund mit anderen Krankenhäusern den Strukturwandel im Krankenhauswesen zu überstehen.

Gute Chancen von Krankenhäusern vor allem in Verbünden

„Das Evangelische Krankenhaus Oberhausen ist unter dem Dach der Ategris in einem starken Verbund mit dem Evangelischen Krankenhaus in Mülheim und befindet sich in einer stabilen finanziellen Lage“, lässt sich eine Kliniksprecherin zitieren.

EKO-Geschäftsführer Martin Große-Kracht drückt dabei der katholischen Konkurrenz durchaus die Daumen: „Uns als EKO liegt die gute medizinische Versorgung der Bürger in Oberhausen sehr am Herzen. Das KKO hat dabei immer eine wichtige Rolle eingenommen. Wir hoffen, dass dies auch in Zukunft so bleiben wird.“ Ategris will in Zukunft mit weiteren großen Evangelischen Krankenhäusern zusammenarbeiten, um Kosten zu senken. Gedacht ist wohl an Duisburg und Essen.

Ein kleines familiäres Krankenhaus

Auch Rungfa Saligmann, Geschäftsführerin der Helios-St.-Elisabeth-Klinik an der Josefstraße in Alt-Oberhausen, verweist auf die Kraft einer Gruppe, nämlich auf die Synergien des Helios-Netzwerkes. „Natürlich stehen auch wir als lokales Krankenhaus vor zahlreichen Herausforderungen. Dazu gehören etwa die Gewinnung von Fachkräften, die enge Krankenhausdichte im Ruhrgebiet und der Trend zur Ambulantisierung von stationären Leistungen. Nichtsdestotrotz ist die Helios St. Elisabeth Klinik Oberhausen wirtschaftlich gut aufgestellt.“

Als eher kleines, familiäres Haus habe man schon vor Jahren die Chance ergriffen, sich zusätzlich zur Grundversorgung auf Schwerpunkt-Krankheiten zu spezialisieren: Hautkrankheiten, Lungenheilkunde, Fußchirurgie, der Chirurgie des Nervensystems sowie der Behandlung von krankhaft Übergewichtigen. „Damit wir auch in Zukunft auf wirtschaftlich gesunden Füßen stehen, investieren wir regelmäßig. Zudem nutzen wir das Helios-Netzwerk.“

Keine Probleme für das Johanniter-Krankenhaus

Für das Johanniter-Krankenhaus in Sterkrade, das von dem Duisburger Evangelischen Klinikum Niederrhein betrieben wird, besteht nach Auskunft der dortigen Geschäftsführung ebenso keine Gefahr. „Wir schließen keinen Standort, das Johanniter ist kein Problem, sondern ein wichtiger Bestandteil unseres Gesamtverbundes“, sagt Otto Eggeling, Vorsitzender der Geschäftsführung des Klinikums Niederrhein. Das Johanniter-Krankenhaus hat sich besonders auf psychiatrische Erkrankungen, die Lungenheilkunde und Urologie spezialisiert.

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