Quartier 1

Studenten-WG-Zimmer für 550 Euro – So sehen sie aus

Die großen Wohnungen verfügen über eine große Küche mit Sitzecke und Kochinsel.

Die großen Wohnungen verfügen über eine große Küche mit Sitzecke und Kochinsel.

Foto: Kerstin Bögeholz / FUNKE FotoServices

Oberhausen.  In der historischen Post in Oberhausen gibt es neue Wohnungen mit Studenten-WGs. Ein Zimmer kostet 550 Euro warm. Was bekommt man für den Preis?

So manch ein Oberhausener hat sich erstaunt die Augen gerieben: Ein WG-Zimmer für 550 Euro Warmmiete im Monat? 500 Euro für ein 23 Quadratmeter großes Einzel-Appartement? Ein solches Angebot gibt es in Oberhausen bislang nicht: Im denkmalgeschützten Postgebäude gegenüber dem Hauptbahnhof entwickelt der Investor Manfred Schreder ein neues Wohn- und Büroquartier. Was können Mieter für den Preis erwarten? Wir haben uns umgesehen.

Wir betreten das Haus über den Eingang an der Poststraße, ausgestattet mit einer Video-Gegensprechanlage. Die Tür ist keine fünf Meter von der nächsten Bushaltestelle entfernt. Das Treppenhaus wirkt zunächst unscheinbar, doch in der ersten Etage sorgen die alten Holztüren mit Oberlicht für die ersten anerkennenden Blicke.

Smart TV in der Wohnküche

Im zweiten Stock öffnen sich dann die Türen einer rund 220 Quadratmeter großen Wohnung. Helle Naturstein-Fliesen sind im Flur verlegt. Rechts und links des Flurs liegen neben den fünf WG-Einzelzimmern auch zwei frisch sanierte Badezimmer mit luxuriös großer Dusche sowie eine große Wohnküche mit Kochinsel.

Manfred Schreder weiß die Blicke seiner Gäste zu interpretieren; der erste Eindruck mache schon was her, oder? Ja, das macht er in der Tat. Große Fenster sorgen für viel Licht. Alles Nötige ist da, vom Messerblock bis zur Kühl-Gefrierkombi in doppelter Ausführung. Sogar ein Fernsehgerät beziehungsweise Smart TV gibt es in der Sitzecke der Küche – dabei verfügen doch auch die Einzelzimmer über solche Geräte.

Miete vergleichsweise hoch

„Wir sind uns bewusst, dass die Miete vergleichsweise hoch ist“, sagt Manfred Schreder. „Wir meinen aber auch, dass wir viel zu bieten haben.“ Neben der gehobenen Ausstattung und der kompletten Einrichtung („Sie brauchen nur Bettwäsche und Handtücher und können einziehen“) sei die Lage ein großer Pluspunkt. Der Hauptbahnhof liegt auf der gegenüberliegenden Straßenseite.

In einer seiner WG-Zimmer wohne derzeit ein Restaurant-Leiter. „Er hat mir erzählt, das Wohnungsangebot im Internet sofort weggeklickt zu haben, weil der Preis ihn abgeschreckt hat“, erzählt Manfred Schreder. „Dann kam er doch zur Besichtigung und wollte sofort einziehen.“ Der Investor rechnet damit, dass er eine Anlaufzeit von rund einem Jahr benötige, „dann sollten wir mit der Vermietung aber auch ein ganzes Stückchen weiter sein.“ Und dann seien auch Folge-Investitionen möglich. Für das Dachgeschoss könne er sich beispielsweise größere Wohnungen mit Loggia vorstellen.

Zielgruppe: Auswärtige

Dass so manch ein Oberhausener das neue Wohnungsangebot am Bahnhof wegen der hohen Mieten kritisiert, ärgert Manfred Schreder, lässt ihn aber nicht am Erfolg zweifeln. „Meine Zielgruppe sind Auswärtige. Und bei denen habe ich die Erfahrung gemacht, dass sie Oberhausen überhaupt nicht so schlecht sehen wie manch ein Ur-Oberhausener das gerne tut.“ Auch er selbst wird nach Abschluss der Bauarbeiten sein Düsseldorfer Büro ins Oberhausener Postgebäude verlegen.

Vom Bürotrakt aus organisieren er und seine Mitarbeiter dann die Verwaltungsaufgaben, geben Reparaturen in Auftrag oder sorgen für Nachschub sollte mal ein Kochtopf fehlen. Künftig, wenn die Einzel-Appartements (mit Kochnische statt Wohnküche) vermehrt von Firmen für ihre Montage-Mitarbeiter genutzt werden, bietet das Team eventuell auch noch einen Wäschedienst an. „Wir planen einen 24-Stunden-Service“, wirbt Schreder.

Probebohrungen für den neuen Aufzug

Während die Wohnungen und Einzel-Appartements bezugsfertig und teilweise schon bewohnt sind, wird in einem weiteren Gebäudetrakt noch gewerkelt. Die Wände sind noch nicht verputzt, der Boden ist noch nicht verlegt. Es staubt, Baumaterial und Deckenreste liegen auf dem Boden. Für einen geplanten Aufzug sind die Probebohrungen gerade abgeschlossen. Geht alles glatt, sind die Räumlichkeiten bis Ende des Jahres fertiggestellt, so dass Vertreter von Stadt, Staatsanwaltschaft und Polizei hier einziehen können. Wie berichtet, wird das „Quartier 1“ künftig das Haus des Jugendrechts beheimaten.

Ebenfalls im Aufbau: weitere Büros für Start-ups, Kanzleien oder Büro-Gemeinschaften. Die Kalt-Mieten werden „um die zehn Euro pro Quadratmeter“ betragen, rechnet Schreder. Für ein geplantes Café, das im Erdgeschoss eingerichtet werden soll, habe sich indes schon ein Interessent gemeldet.

Post-Filiale bleibt erhalten

Rund 3,7 Millionen Euro hat Schreder bislang für die Sanierung der Immobilie ausgegeben – für den Umbau der Wohnungen vom ersten bis dritten Geschoss, die Sanierung der Fassade und den Austausch der Fenster. Für die Restaurierung des Erdgeschosses (die Filiale der Deutschen Post bleibt bestehen) und der Büroräume auf allen drei Etagen wird noch einmal die gleiche Summe fällig, die Gesamt-Investitionssumme beträgt am Ende also schätzungsweise 7,5 Millionen Euro.

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