Beratung für Behinderte

Tandem-Beratung sorgt für den doppelten Durchblick

Sie beraten immer im Tandem – die „Doppeldurchblicker“ (v.l.):  Kaan Tahtaci, Stefan Wöhner, Stephanie Franken, Leo Pyta-Greca und Andrea Auner 

Foto: Kerstin Bögeholz

Sie beraten immer im Tandem – die „Doppeldurchblicker“ (v.l.): Kaan Tahtaci, Stefan Wöhner, Stephanie Franken, Leo Pyta-Greca und Andrea Auner  Foto: Kerstin Bögeholz

Oberhausen.   Die „Aktion Mensch“ fördert ein Projekt der Lebenshilfe: Bei der Beratung für Behinderte gehört immer auch ein Mensch mit Handicap zum Team.

Ihr Tandem-Modell hat sich schon in der Wohnberatung für Menschen mit Behinderung bewährt: Jeweils ein Mitarbeiter mit Beeinträchtigung und einer ohne führen gemeinsam das Gespräch mit dem Ratsuchenden.

Das schafft nicht nur eine insgesamt lockerere Atmosphäre, es bringt in der Regel auch ein gutes Zusammenspiel von Fachkenntnissen und persönlichen Erfahrungen. Und weil es im Bereich der Wohnberatung so gut funktioniert hat, wird es deshalb jetzt auf Beratungen für Menschen mit Behinderungen in allen Lebensbereichen ausgedehnt: Unter dem Namen „Doppel-Durchblicker“ wird das Lebenshilfe-Projekt nun zwei Jahre lang mit 145 000 Euro von der Aktion Mensch finanziell gefördert. Beraten wird immer in Leichter Sprache.

„Mal sitzt der eine vorne, mal der andere“, umschreibt Andrea Auner von der Lebenshilfe-Beratungsstelle „Leben im Pott“ das Modell der „Beratung im Tandem“. „Auch Menschen mit Lernschwierigkeiten haben Kompetenzen und können andere beraten“, macht Projektleiterin Stephanie Franken deutlich.

Bei den „Doppeldurchblickern“ gehe es um die Ergänzung von Fähigkeiten, um die bestmögliche Beratung für behinderte Menschen hinzubekommen: „Der eine kennt vielleicht besser die Gesetzestexte, der andere kann dafür besser in Leichter Sprache kommunizieren.“ Und ihr Tandem-Partner Leo Pyta-Greca ergänzt: „Es ist schließlich wichtig, dass die Menschen, die wir beraten, das auch verstehen.“

Alles passiere auf Augenhöhe, niemand im Team sei wichtiger als der andere. „Es ist gut, wenn jemand dabei ist, der vielleicht ähnliche Erfahrungen schon selbst gemacht hat“, so Auner. Deshalb seien die Tandem-Partner mit Behinderung für das Beratungsprojekt auch ebenso wichtig und deshalb ebenso über den Haustarif angestellt wie ihre Kollegen ohne Handicap.

In welchen Angelegenheiten Menschen mit Behinderung oder auch ihre Angehörigen Hilfe suchen? „Querbeet. Sozusagen von der Wiege bis zur Bahre“, erzählt Stephanie Franken. Von Eltern, die ein Pflegekind mit Behinderung haben und Aufklärung über ihre Rechte und Ansprüche wünschen, über Studierwillige, die Fragen zu barrierefreien Unis haben, bis zu Senioren, die ihre Wohnung behindertengerecht umgestalten müssen.

Neben Informationen erhalten Ratsuchende behinderte Menschen auch ganz praktische Hilfestellung oder Begleitung – beim Stellen von Anträgen, beim Telefonieren mit Behörden oder anderen Einrichtungen.

<<<<<Sitz bei „Leben im Pott“<<<<<

Die „Doppel-Durchblicker“ haben ihren Sitz bei „Leben im Pott“ an der Marienburgstraße 14 im Knappenviertel.

Beratungszeiten sind montags, dienstags und donnerstags von 15 bis 18 Uhr, mittwochs von 10 bis 13 Uhr sowie an jedem 1. und 3. Samstag im Monat von 10 bis 13 Uhr. Wer möchte, kann auch einen Termin außerhalb dieser Zeiten ausmachen – unter: 0208-99 52 81 11.

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