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Theater Oberhausen lässt Frauen grillen und Klötze stapeln

in „Männer, die denken“ (v.li.) Halina Martha Jäkel, Ronja Oppelt, Anna Polke (im Hintergrund), Lise Wolle, und Bianca Pulungan.

Foto: Isabel Machado Rios

in „Männer, die denken“ (v.li.) Halina Martha Jäkel, Ronja Oppelt, Anna Polke (im Hintergrund), Lise Wolle, und Bianca Pulungan. Foto: Isabel Machado Rios

OBERHAUSEN.   Performing Group zeigt als zweite Premiere „Männer, die denken“. Für eine Stunde gibt’s ein amüsantes bis plattes Spiel mit Gender-Klischees.

Neues aus dem Kindergarten . . . Vielleicht sollte man anders anfangen, denn als Ballett betrachtet, hat „Männer, die denken“ seine starken Momente. Die jüngste Premiere im Großen Haus des Theaters ist die zweite Oberhausener Produktion der „Performing Group“ in Zusammenarbeit mit dem Ensemble und mit Dramaturgin Meike Sasse.

„Was ist typisch männlich? Was typisch weiblich?“ fragt der Programmzettel. Die erste Antwort ist ein Kleidertausch. Clemens Dönicke legt Hose, Hemd und Jackett ab – und als ein seidiges Dessous zum Vorschein kommt, hebt das große Giggeln im Saal an. Dieses Premierenpublikum war augenscheinlich leichte Beute für eine Revue, die Gender-Klischees mal amüsant oder sogar tänzerisch hochklassig, mal platt am Zotenrand balancieren ließ.

Sofort abwerben für „Tarzan“

Auf hochhackigen Schuhen also und tüchtig schnaufend rollt Dönicke den Rollrasen aus, damit seine fünf Kolleginnen vom Ensemble – zunächst allesamt tres chic in dreiteiligen Anzügen – sich darauf in Macho-Posen werfen dürfen. Und man muss sagen: Das ist allerliebst choreographiert, wie kurz Rodins „Denker“ aufscheint inmitten des gockelhaften Gestackse.

Den schärfsten Kommentar liefert das Solo von Bianca Pulungan, dem tanzenden Gast der Performing Group: Mit dieser „Tarzan“-Choreographie müsste sie eigentlich stracks zum nahen Metronom-Theater abgeworben werden. In einem zweiten Solo-Auftritt bezwingt sie das nun wie ein Käfig anmutende Haus-Gestänge im Bühnenhintergrund.

Nicht nur „Männer, die denken“ sind ja lieber draußen – entweder auf dem Rasen oder beim Grillen. Das Ensemble wuchtet einen Elektrogrill in Ölfass-Optik auf die Bühne. Als bärtiger Grillmeister lässt Lise Wolle sich aus über arme Würstchen, fällt bei der phallischen Betrachtung des Grillgutes aber nicht ganz der Zote anheim.

Für ein hingebungsvoll geröhrtes „Feel like a Natural Woman“ von Carole King gab’s noch Szenenapplaus. Doch sobald die Techno-Beats donnern, gebärden die Fünf auf der Bühne sich wie Püppchen, seien es superhektische Schmink-Versuche oder jene Tanzposen, mit denen R’n’B-Stars ihre Videoclips pimpen. Bis in einen bodenakrobatischen Spagat reicht diese Choreographie weiblicher Verfügbarkeit.

Ein Eisbär auf der Schaukel

In einiger Rasanz wechseln also starke Bilder von kabarettistischer Qualität. Die Texte dazu? Eher unfreiwillige Comedy. Zum Schluss wiegt sich ein Eisbär – jener aus dem zuvor zitierten Lied von „Grauzone“ – träge auf der Schaukel, während Lise Wolle am Bühnenrand aus dem Kindergarten erzählt: Dass ihr zweijähriger Sohn für seine langen Haare gehänselt wird. Und Clemens Dönicke erzählt die „Utopie“ von einer Frau, die spätabends nach Hause geht, vor ihrer Haustür eine Gruppe von Männer passiert: „Es ist nichts dabei. Vor allem keine Angst.“

Bleibt die Spielzeit auf diesem Niveau, wird wohl erst das Schülertheaterfestival im Sommer einem ein bisschen zu denken geben.

>>> Nächste Vorstellungen am 17. und 18. November

Die nächsten Vorstellungen sind am Freitag, 17., und Samstag, 18. November, jeweils 19.30 Uhr.

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