Theater-Premiere

Theater Oberhausen wagt Kosaken-Ritt durchs Vereinsleben

Gruppenbilder gehören zum Vereinsleben: hier bei den Kosaken-Kampfsportlern in Saporishja.

Gruppenbilder gehören zum Vereinsleben: hier bei den Kosaken-Kampfsportlern in Saporishja.

Foto: Theater oberhausen

Oberhausen.  „Der Verein – Hobby als Widerstand“ heißt die letzte Theater-Premiere der Spielzeit. Nur 25 Gäste können die Uraufführung im „Oberhaus“ erleben.

Es soll ja noch Menschen geben, die sich ganz gerne schick machen fürs Theater und bei Premieren auch das Lustwandeln und Leute-Gucken im Foyer zu genießen wissen. Für sie dürfte der letzte Premierenabend dieser zweiten Spielzeit in der Intendanz von Florian Fiedler dann doch etwas enttäuschend sein: Am Donnerstag, 13. Juni, geht’s um 20 Uhr noch nicht einmal zum Will-Quadflieg-Platz, sondern ins abgerockte Hochhaus an der Friedrich-Karl-Straße.

„Unterhaus“ heißen dort die umgenutzten Ladenlokale im Parterre, seit sich der Kitev e.V. des „Oberhauses“ angenommen – und ihm den Slogan „Vielfalt ist unsere Heimat“ aufs Dach gesetzt hat. „Das ist jetzt unser Vereinsheim“, sagt Dramaturgin Elena von Liebenstein. Schließlich heißt die letzte Inszenierung 2018/19 „Der Verein“ – untertitelt „Hobby als Widerstand“. Wie ist das zu verstehen? „Als Tun um des Tuns willen“, sagt Demian Wohler. Der Hausausstatter des Theaters zeigt hier seine erste Regiearbeit – obwohl er betont: Auf einer Probebühne bis ins Detail Einsätze festzulegen, „das würde mir nicht liegen“. Schließlich geht’s um Vereinsarbeit – und da sollen alle mitmachen.

„Wir haben unser Hobby zum Beruf gemacht“

Ein Appell im Programmbuch zur Spielzeit hatte nicht gefruchtet, also erkundete man selbst die reiche Vereinslandschaft und führte viele Interviews. Ausgerechnet der Taubenverband hatte die Theaterleute versetzt, doch Cheerleader waren ebenso dabei wie Töpfer und Hobby-Musiker. Schauspieler sagen ja eher, „wir haben unser Hobby zum Beruf gemacht“, erzählt Demian Wohler, „und jetzt haben wir kein Hobby mehr“.

Die Recherche führte für sechs Tage sogar bis in die ukrainische Partnerstadt Saporishja. „Wir hatten sehr schöne Begegnungen“, sagt Elena von Liebenstein. Und das Vereinsleben dort? Demian Wohler hat sich eher die staatlich organisierte und gepflegte Talentförderung eingeprägt: „Auf sehr hohem Niveau“ betreibe man dort Bestenauslese – ob sportlich oder künstlerisch. Bei einem Kosaken-Kampfsport-Verein hat sich die Theater-Crew umgesehen – und Vorschläge für einen „Oberhausen-Platz“ in Saporishja mitgenommen.

„Unser Vereinszweck ist der Verein selber“

Am „Sapo“-Platz in Oberhausen wird der „Vereins“-Abend genau so ablaufen – wie ein Vereinsabend. „Einzelne Darbietungen wechseln mit Gesprächsrunden“, so der Regisseur. „Und an ein paar Stellen wird’s hoffentlich sehr emotional“.

Die Vereinsgründung der Theater-Crew heißt übrigens „Der Verein“, erklärt Demian Wohler. „Unser Vereinszweck ist der Verein selber, quasi die Quintessenz des Vereins.“ Wer hier wohlfeile Satire vermutet, hat allerdings nicht miterlebt, wie liebevoll die Bühnenpraktiker ihrer Vereinsmeierei nachgehen.

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