Kulturausschuss

Theater sieht Aufwärtstrend mit „Sandmann“ und „Salome“

Ein zärtlicher Tango mit der Puppe Nathanael – und „sehr schöne Stimmung im Publikum“, wie Regisseur Florian Fiedler  erkannte. Szene mit (v.li.) Elisabeth Hoppe, Ayana Goldstein, Ronja Oppelt und Lise Wolle

Ein zärtlicher Tango mit der Puppe Nathanael – und „sehr schöne Stimmung im Publikum“, wie Regisseur Florian Fiedler erkannte. Szene mit (v.li.) Elisabeth Hoppe, Ayana Goldstein, Ronja Oppelt und Lise Wolle

Foto: Katrin Ribbe

oberhausen.   Theater-Zahlen beschäftigten den Kulturausschuss. Gebäude-Investitionen bleiben „im Budget“. CDU nennt Besucherquote „gar nicht erfreulich“.

„Jetzt muss es ziehen“, sagte Florian Fiedler. Wenn der Intendant des Theaters im Kulturausschuss gefragt ist, geht’s meistens um Geld – und um Besucherzahlen.

In finanzieller Hinsicht gab’s gute Nachrichten, zunächst vorgetragen von Verwaltungsdirektor Jürgen Hennemann. Denn bei den in vier Abschnitten zu verbauenden Investitionen in Gebäude und Technik „liegen wir im Budget“. Ein neues Stellwerk für die Beleuchtung ist installiert. Die umfangreiche Dach-Sanierung für 228.000 Euro zog sich in die Länge, „weil versehentlich falsche Rauchklappen eingebaut wurden“, wie Hennemann erklärte. Er dankte den beteiligten Baubehörden für „kurzfristige Termine und schnelle Entscheidungen“.

Geringste Theaterförderung in NRW

Ein sehr dosiertes Lob an Landes-Kulturministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen (parteilos) gab’s vom Kämmerer und Kulturdezernenten für den – inzwischen von beiden Seiten unterzeichneten – Theaterpakt. Bis 2022 steigt der Landeszuschuss fürs Theater Oberhausen um fast 200.000 Euro auf 1.304.000 Euro. Die Stadt erhöht im Gegenzug um 438.000 Euro auf 9.588.000 Euro bis zur Spielzeit 2022/23.

Vor allem weil die Stadt die Gehaltssteigerungen übernehme, so Apostolos Tsalastras, seien in den Jahren zuvor die Landesmittel „anteilig immer weiter zurückgegangen“. NRW sei nach wie vor das Bundesland mit der geringsten Theaterförderung.

„Ganz und gar nicht erfreulich“ nannte Karin Dubbert (CDU) andere Zahlen – nämlich die Besucherzahlen zum Auftakt der zweiten Spielzeit Florian Fiedlers. Die Gesamtauslastung bis Ende September lag bei 42,3 Prozent, im Großen Haus bei nur 36,4 Prozent.

Flore findet Entwicklung „noch nicht dramatisch“

Manfred Flore hätte seine Entgegnung fast gesungen: „Mr. Sandman, bring mir einen Traum.“ Gemeint war natürlich E. T. A. Hoffmanns „Der Sandmann“, Abiturthema an den Oberschulen und jüngste Inszenierung Florian Fiedlers. Er „finde die Entwicklung noch nicht dramatisch“, meinte der SPD-Kulturpolitiker.

Auch der Intendant freute sich beim „Sandmann“ über „die sehr schöne Stimmung im Publikum“. Fiedler verwies auch auf den Umstand, dass in der Woche vor Premieren das Große Haus nicht fürs Repertoire zur Verfügung steht. Und mit „Salome“ von Oscar Wilde, der Ende Januar anstehenden Inszenierung von Stef Lernous mit Liedern von Tom Liwa, erwarte er eine Resonanz wie seinerzeit auf Lernous „Lulu“.

Zwar sagte Fiedler, „wir müssen nicht immer nur über Zahlen reden“ – nannte dann aber doch zwei Finanzierungs-Coups: Die „Doppelpass“-Förderung finanziert in der Spielzeit 2019/20 eine komplette Co-Produktion mit dem Schauspielhaus Wien und der Theatergruppe Fux. Und auch die Gastgeber-Rolle für das Jugendtheater-Festival „Westwind“ im Juni 2019 ist mit einer erhöhten Förderung verbunden. „Andere Dinge“, so der Intendant, „stehen in Aussicht“.

>>> Entscheidung über Fördermittel verzögert

Noch ganz eilig, nämlich per Dringlichkeitsentscheid, hatte der Kulturausschuss im September den 3,4 Millionen Euro schweren Antrag für Fördermittel aus dem Bundesprogramm „Sanierung kommunaler Einrichtungen“ verabschiedet. Schließlich geht’s um Investitionen in Bühnen-Technik und Gebäude, die „zur Sicherstellung des Spielbetriebes dringend erforderlich“ sind, so die Verwaltungsvorlage.

Jetzt hat’s der Bund nicht mehr ganz so eilig, denn statt – wie angekündigt – im Herbst wird die Jury erst im Frühjahr 2019 über die Anträge entscheiden. Es hagelte aus anderen Kämmereien wohl Beschwerden wegen der kurzen Frist, noch dazu zur Ferienzeit, erklärte Apostolos Tsalastras dem Kulturausschuss. „Und wir stehen jetzt zwischen Baum und Borke“ – denn die Sanierung drängt.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben