Rassismus-Debatte

Theater: Streit um angeblichen Rassismus reisst tiefe Gräben

Das Oberhausener Theater am Will-Quadflieg-Platz.

Das Oberhausener Theater am Will-Quadflieg-Platz.

Foto: Lohmann

Oberhausen.   Die Debatte um angeblichen Rassismus am Theater Oberhausen geht weiter. Mitarbeiter haben das Vertrauen in Intendant Florian Fiedler verloren.

Das Oberhausener Theater kommt in der aktuellen Rassismus-Debatte nicht zur Ruhe. Scheibchenweise kommen weitere Details ans Licht, die das Ausmaß des Streits zwischen Verwaltung und künstlerischer Leitung erahnen lassen – und die belegen, wie groß der Graben auch zu den Angestellten mittlerweile geworden ist. Der Auslöser der öffentlichen Debatte – die geforderte und von der Verwaltung abgelehnte Anti-Rassismus-Klausel des Künstlertrios Technocandy – rückt dabei fast schon in den Hintergrund.

Denn das Vertrauen zur künstlerischen Leitung um Intendant Florian Fiedler, so ist aus Kreisen der Mitarbeiter zu hören, sei längst verspielt. Grund ist unter anderem ein alter Förderantrag Fiedlers an den Fonds für Kulturen der neuen Stadtgesellschaft. 360.000 Euro hat das Theater aus dem Topf erhalten – um das Haus auch für Oberhausener mit Migrationshintergrund attraktiver zu machen.

Rassismus-Vorwürfe ans eigene Team

Mit der Antragsbegründung habe Fiedler eine Grenze überschritten, heißt es von Seiten der Mitarbeiter. Denn er formuliert darin konkrete Rassismus-Vorwürfe an sein Team. Wörtlich heißt es: „Ein besonderes Hindernis bei der Öffnung des Theaters zur Stadtgesellschaft und der Gewinnung von neuem Publikum ist das rein weiße, im Umgang mit People of Colour ungeübte, Kassen- und Einlasspersonal. So ergaben sich im letzten Jahr rassistische Vorfälle.“ Ein Vorwurf, der den Betroffenen den Boden unter den Füßen weggerissen habe.

Rückendeckung bekommen die Angestellten unter anderem von Manfred Flore, kulturpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im Rat. Er begrüßt zwar, dass sich das Theater auf der Bühne dem Thema Alltagsrassismus widme, aber „im Hinblick auf das mit Menschen unterschiedlichster ethnischer Herkünfte lange erfahrene Theaterpersonal finde ich die Erwähnung von strukturellem Rassismus und angeblicher und unbewiesener Einzelvorfälle für das Betriebsklima sehr schädlich.“

Bei Betriebsversammlung soll Ärger auf den Tisch

Kulturdezernent Apostolos Tsalastras legt nun alle Hoffnungen in eine geplante, extern moderierte Betriebsversammlung, bei der alle Sorgen und aller Ärger auf den Tisch gelegt werden sollen – sachlich und in Ruhe.

Die Debatte hat längst die Oberhausener Stadtgrenzen überschritten. Überregionale Medien greifen die Diskussion auf, im WDR hat sich jüngst auch Kabarettistin Gerburg Jahnke geäußert. Sie ist gegen eine Anti-Rassismus-Klausel, denn am Theater Oberhausen gebe es Menschen, die miteinander reden, wenn es einen Konflikt gibt. Sie fürchtet, dass, „wenn dieser Intendant so weiterzieht, der Rassismus-Makel am Haus kleben bleiben wird. Und das ist sehr ungerecht dem Haus und den Menschen, die da arbeiten, gegenüber.“

>>> Finanzierung durch Zuschuss und Fördermittel

Am Theater Oberhausen sind knapp 120 Mitarbeiter beschäftigt: 36 Schauspieler samt künstlerischer Leitung, 72 Bühnentechniker, Arbeiter und Mitarbeiter in der Werkstatt sowie zehn Angestellte der Verwaltung (Stand: Geschäftsjahr 2016/17).

Für 2018/19 hat der Rat der Stadt im November 2017 einen städtischen Zuschuss von knapp 8,8 Millionen Euro beschlossen. Hinzu kommen Förderungen von Land und Bund – dazu zählt der Fonds für Kulturen aus Mitteln der Kulturstiftung des Bundes.

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