Nachruf

Trauer um einen facettenreichen Künstler mit Bodenhaftung

Fritz Beierlein ist im Alter von 91 Jahren gestorben. Am Montag wurde er in aller Stille beigesetzt.

Fritz Beierlein ist im Alter von 91 Jahren gestorben. Am Montag wurde er in aller Stille beigesetzt.

Foto: MB

Oberhausen.  Fritz Beierlein, Grafiker und Plakatgestalter, ist im Alter von 91 Jahren gestorben. In Oberhausen hat er an vielen Stellen Spuren hinterlassen.

Auf Wunsch der Familie ist am Montag in aller Stille die Asche des am 31. Mai verstorbenen Mitbürgers Fritz Beierlein beigesetzt worden. Am 14. April war er 91 Jahre alt geworden, hielt sich da schon im Haus Abendfrieden an der Dieckerstraße auf, in dem er, liebevoll betreut und gepflegt, bei wachem Geist erlebte, wie die Kräfte schwanden. Fritz Beierlein hat ein erfülltes Leben geführt: Kurz nach dem Krieg kam der Kunststudent in Düsseldorf in Kontakt mit der wiederaufkeimenden Filmindustrie und machte sich als Grafiker und Plakatgestalter rasch einen Namen. So führte ihn der Weg nach Oberhausen, wo die Pesch-Betriebe nicht nur ein kleines Kino-Imperium beherrschten, sondern auch eine Rolle im Bundesverband spielten. Die „Goldene Leinwand“ ist ebenso ein Produkt aus dem „Hause Beierlein“, wie er selbst seine „Ein-Mann-Firma“ nannte, sondern auch ungezählte (und oft ausgezeichnete) Plakat-Kampagnen etwa zu James Bond-Filmen.

Begleitung der RWO-Fußballer mit Tusche und Feder

Das große Format war nur die eine Seite des facettenreichen Künstlers: Miniaturen malte und zeichnete er in unbekannter Zahl, Karikaturen zu Sport und Zeitgeschehen (auch für diese Zeitung, unvergessen seine „Begleitung“ der RWO-Fußballer mit Tusche und Feder) machten Freude und manches klarer. Seit vielen Jahren war der nie um Ideen verlegene und stets an Gestaltung interessierte Fritz Beierlein auch im Karneval eine feste Größe. Die AOK Weiß-Rot von 1889 ließ sich Orden, Wagen, Säle, einen „ewigen Kalender“ gestalten, für den Eulenorden der närrischen Weisheit bewies er über viele Jahre närrischen Esprit.

Dabei blieb Fritz Beierlein, dessen Werk zu summieren kaum möglich ist, ein wahrhaft zugänglicher Mann, ein Mitbürger mit offenem Ohr und offenem Blick, skeptisch zwar, aber für die gute Sache immer zu begeistern, „einfach“ im besten Sinne des Wortes. „Sollen alle nicht vergessen, wo sie hergekommen sind“, war ein Ausspruch von ihm, der zu Gebundenheit und Bodenständigkeit aufforderte.

Übrigens: Wer am Friedensplatz sitzt, ein Bierchen trinkt und den Maibaum mit Oberhausens Städtepartnern sieht, darf an Fritz denken: Er ist von ihm gestaltet. Und das Bier wäre ganz in seinen Sinne.

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