Kriminalität

Trickdiebstahl-Opfer bleibt auf seinem Schaden sitzen

Abgelenkt mit dem Stadtkarten-Trick: Eine Frau stiehlt unbemerkt die Geldbörse (Symbolfoto).

Foto: Thomas Schmidtke

Abgelenkt mit dem Stadtkarten-Trick: Eine Frau stiehlt unbemerkt die Geldbörse (Symbolfoto). Foto: Thomas Schmidtke

Eine Oberhausener Rentnerin wurde durch Trickbetrüger bestohlen. Die normale Hausrat-Versicherung zahlt nicht – eine besondere Police ist nötig.

Magdalene Schrör ist aufgebracht. Sie wurde Mitte Mai von Trickbetrügern in der eigenen Wohnung bestohlen. Wertvolle Schmuckstücke entwendeten die Diebe.

Doch der eigentliche Fall ist: Die Versicherung übernimmt die Schäden nicht, da Magdalene Schrör in ihrer Hausratpolice keine zusätzliche Trickdiebstahlversicherung abgeschlossen hat. „Ich wusste doch überhaupt nicht, dass es so etwas gibt“, ist die Rentnerin entrüstet. „So was hat doch bestimmt kaum jemand.“

„Dienstausweise“ und Firmenlogo

Rückblick: Es ist der 24. Mai, gegen 13 Uhr. Zwei Personen klingeln an ihrer Haustür. Die Oberhausenerin schaut aus dem Fenster und sieht gepflegte und vornehm gekleidete Mitarbeiter des Kabelnetzbetreibers Unitymedia. Sie geben an, wegen der damals bevorstehenden Umstellung des Kabelempfangs in mehreren Häusern der Straße Arbeiten durchführen zu müssen.

Die ältere Dame bleibt skeptisch, lässt sich die Dienstausweise zeigen. Sie sehen echt aus, dazu das aufgestickte Firmenlogo am Anzug. Sie lässt die beiden Personen herein und entschuldigt sich noch für ihre Sorgfalt. „Das waren nette Diebe - leider.“ Als sie kurz von einem Langfinger abgelenkt wird, findet einer der Betrüger ein Fach mit Schmuck, welches sich nicht mal – wie häufig – im Schlafzimmer befindet.

„Danach telefonierte ich noch mit meiner Schwägerin und erzählte ihr, dass die Mitarbeiter gleich zu ihr kommen. Sie scherzte noch: Aber du bist nicht bestohlen worden?“, erzählt die 82-jährige Rentnerin. Danach hat sie erst den Diebstahl bemerkt und eine Anzeige bei der Polizei gemacht.

Dort wird bei Anzeigen jedoch nicht unterschieden, ob es sich wie hier um Trickdiebstahl handelt. Daher kann Polizeisprecher Axel Deitermann keine genauen Zahlen zur Häufigkeit nennen.

Unitymedia bedauert die Tat

Verena Weiden, Pressesprecherin bei Unitymedia, bedauert die Tat und bestätigt, dass zum Tatzeitpunkt keine Mitarbeiter in diesem Gebiet unterwegs waren. Servicetechnikerbesuche werden angekündigt, Handelsvertreter dagegen nicht. Diese benötigen aber auch keinen Zutritt zur Wohnung. „Die Leserin hat mit der Überprüfung des Ausweises richtig gehandelt, wir können nur raten, zusätzlich einen Personalausweis vorlegen zu lassen oder bei der Hotline nachzufragen.“

Als Magdalene Schrör den Schaden der Provinzial meldet, folgt der nächste Tiefschlag: Sie erfährt, dass die Trickdiebstahlversicherung fehlt und sie nur mit einem „Trostpflaster“ rechnen kann. Das fehlt bis heute. Auf Nachfrage bei der Provinzial Rheinland bestätigt Pressesprecher Volker Hartmann, dass der Rentnerin im Rahmen ihrer Hausrat-Versicherung der Extraschutz gegen Trickdiebstahl fehlt. Auch der Zusatzbaustein „DiebstahlPlus“, bei dem neben Trickdiebstahl auch beispielsweise eigene Kinderwagen und Rollatoren abgesichert wären, fehle. „Leider ist daher eine Regulierung nicht möglich“, sagt Hartmann.

Bei Versicherungen persönlich beraten lassen

Versicherungsexperte Ingo Aulbach, Sprecher vom Bundesverband deutscher Versicherungskaufleute für den Bezirk Rhein-Ruhr, empfiehlt regelmäßig die eigenen Policen zu überprüfen. Außerdem rät er, einen persönlichen Ansprechpartner zur Beratung in einer Geschäftsstelle aufzusuchen. Von Vergleichsportalen wie Check24 hält er nicht viel, da dort die Beratung nicht umfassend gewährleistet sei. Der Versicherungsmarkt sei „nicht mehr einfach zu überblicken“. Eine Hausrat-Police im normalen Umfang würde nur Bereiche wie Sturm, Feuer und Vandalismus abdecken.

Eine Trickdiebstahlversicherung ist dagegen eher unbekannt, meint Ingo Aulbach. Die enthaltenden Leistungen unterscheiden sich zudem bei verschiedenen Anbietern. Eine Nachfrage hilft hier dem Kunden weiter. So wäre ein Diebstahl im Gedränge auf dem Weihnachtsmarkt nicht im Versicherungsschutz enthalten.

Magdalene Schrör bleibt damit auf ihrem Schaden sitzen – ins Haus lässt sie seitdem keine Fremden mehr.

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