Diebstahl

Unbekannte stehlen zwei Ringe aus Oberhausener Leichenhalle

Aus der Leichenhalle auf dem evangelischen Friedhof an der Harkortstraße wurden einer Verstorbenen zwei Ringe gestohlen.

Aus der Leichenhalle auf dem evangelischen Friedhof an der Harkortstraße wurden einer Verstorbenen zwei Ringe gestohlen.

Foto: Kerstin Bögeholz

Oberhausen.   Dagmar Thra ist schockiert: Ihre gerade verstorbene Mutter wird zwei wichtige Andenken an die Familie wohl nicht mit ins Grab nehmen können.

Geschockt sind Dagmar Thra und ihre Familie: Ihre Mutter, die im Alter von 88 Jahren vor wenigen Tagen verstorben ist und in der Leichenhalle des Friedhofs der evangelischen Auferstehungskirchengemeinde an der Harkortstraße aufgebahrt worden ist, wurde bestohlen. Zwei Ringe sind spurlos verschwunden, sagt Dagmar Thra: „Das eine ist der Ehering, den meine Mutter 58 Jahre lang getragen hat. Den zweiten Goldring haben wir Kinder mit unseren Familien ihr vor langen Jahren geschenkt.“

Die Tochter hat direkt bei der Polizei Anzeige erstattet, aber bisher bleibt der Fall äußerst rätselhaft, wenn man alle Beteiligten befragt. Nur eines ist klar: Durch ein Foto des aufgebahrten Leichnams ist eindeutig bewiesen, dass die 88-Jährige beide Ringe in der Aufbewahrungshalle an ihren Händen trug. Doch wie die Ringe überhaupt verschwinden konnten, das weiß bislang niemand.

Thra geht es nicht um den Wert der Ringe: „Wir sind traurig, dass wir unserer Mutter nichts Schönes mehr mit auf den Weg geben können. Das ist uns wichtig gewesen. Ich glaube nicht, dass wir die Ringe zurück bekommen.“ Dennoch habe sie einen Aufruf an die Leichenhallentür gehängt mit der Bitte, das Diebesgut zurückzugeben.

Diebstahl bei öffentlicher Aufbahrung in Leichenhalle

Die Hinterbliebene möchte vor allem andere Trauernde warnen, dass man selbst bei einer öffentlichen Aufbahrung einen Diebstahl nicht ausschließen kann: „Wir hatten so etwas gar nicht auf dem Schirm.“

Wie die Ringe verschwunden sind, ist auch für Ellen Seefried vom zuständigen Bestattungsinstitut Voss unklar: „Wir haben so etwas noch nicht erlebt.“ Der Sarg habe nur etwa eineinhalb Stunden in der Kühlkammer der Leichenhalle an der Harkortstraße gestanden, bevor die Angehörigen den Verlust bemerkten. Seefried: „Unsere Mitarbeiter hatten zuvor ein Foto von der aufgebahrten Dame gemacht – als Absicherung, dass wir unsere Arbeit ordentlich gemacht haben. Darauf ist klar zu erkennen, dass sie die Ringe trägt. Ich traue so eine Tat weder unseren Leuten noch den Mitarbeitern auf dem Friedhof zu.“

Videoüberwachung angeregt

Im Fall der Leichenhalle an der Harkortstraße können sich Angehörige, deren Verstorbene dort aufgebahrt werden, den Schlüssel in der Friedhofsgärtnerei Florian, die die Lebenshilfe betreibt, abholen. Häufig komme das nicht mehr vor, sagt Ellen Seefried: „Die meisten Angehörigen wünschen heute keine Aufbahrung mehr. Die Mutter von Frau Thra war die einzige, die dort aufgebahrt worden ist.“

Auch für Markus Bensch, Leiter der Friedhofsgärtnerei Florian, ist der Vorfall ein Rätsel: „Einer unserer Mitarbeiter hat mich über die Aufbahrung informiert, ich habe dann die Dekoration gemacht, während eine Angehörige anwesend war.“ Noch nie sei so etwas vorgekommen, betont Bensch, „ich werde dem Kirchenkreis, der für unseren Friedhof zuständig ist, vorschlagen, ein Schild zu montieren, auf dem steht, dass keine Wertgegenstände in die Särge gelegt werden sollten.“

Dagmar Thra schlägt vor, ob möglicherweise eine Videoüberwachung des Eingangs der Leichenhalle Vorkommnisse wie diesen künftig zumindest erschweren könnte.

Polizei hat noch keinen Tatverdacht

Die Polizei hat die Anzeige der Angehörigen am 11. März entgegen genommen. Polizeisprecher Axel Deitermann: „Wir haben zurzeit noch keinen Tatverdacht.“

Zunächst werde geprüft, welche Straftat überhaupt vorliegt: „Es kann sich um Diebstahl oder Unterschlagung handeln. Auch spielt der Aspekt der Störung der Totenruhe eine Rolle.“ Da seien jetzt die Juristen gefragt.

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