Arbeitszeit-Befragung

Verdi fragt: Wollt ihr mehr Freizeit oder mehr Geld?

Die Gewerkschaft Verdi nimmt wahr: Die Arbeitsbelastung für Mitarbeiter im öffentlichen Dienst und in Betrieben steigt.  Deswegen gibt’s nun eine Umfrage dazu.

Die Gewerkschaft Verdi nimmt wahr: Die Arbeitsbelastung für Mitarbeiter im öffentlichen Dienst und in Betrieben steigt. Deswegen gibt’s nun eine Umfrage dazu.

Foto: Frank Rumpenhorst / dpa

Oberhausen. Einen ungewöhnlichen Schritt geht die Gewerkschaft Verdi: Für die nächsten Tarifverhandlungen im öffentlichen Dienst im nächsten Jahr möchten die Gewerkschafter wissen, was sich die Mitarbeiter wünschen - mehr Geld, mehr Freizeit oder eine Kombination aus beidem? Dazu läuft derzeit eine Umfrage unter den rund 6000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im öffentlichen Dienst in Oberhausen.

Die letzten Tarifabschlüsse zum Beispiel in der Eisenbahn-, Metall- oder Uniklinik-Branche haben das Thema Arbeitszeit bereits in den Fokus gerückt. So sind die Mitarbeiter der Unikliniken Essen und Düsseldorf im vergangenen Jahr auf die Straße gegangen, um für mehr Personal zu streiken. Das schafft Entlastung für die bereits angestellten Mitarbeiter.

Arbeitnehmer kann selbst über seine Zeit bestimmen

Auch die IG Metall hat im aktuellen Tarifvertrag ausgehandelt, dass Beschäftigte in der Metall- und Elektroindustrie ab diesem Jahr über ihre Arbeitszeit stärker selbst bestimmen können. Sie können sich zum Beispiel zusätzliche Tage im Jahr freinehmen, wenn sie Kinder erziehen, Angehörige pflegen oder Schichtdienste leisten. Und bei der Eisenbahngewerkschaft EVG können die Arbeitnehmer sogar selbst entscheiden, ob sie eine Lohnerhöhung oder lieber zusätzlichen Urlaub nehmen wollen.

„Es gibt eine steigende Arbeitsbelastung in allen Bereichen“, sagt Björn Jadzinski, Verdi-Gewerkschaftssekretär für den Bezirk Ruhr-West, zu dem Oberhausen gehört. Die Arbeitsverdichtung, dass also immer mehr Aufgaben in immer kürzerer Zeit zu erledigen sind, habe zugenommen, die Freizeit komme oft zu kurz. Über diese Themen würden die Arbeitnehmer diskutieren, stellt Jadzinsiki fest.

Daher will Verdi nun erfahren, wie die Arbeitnehmer ihre Arbeitszeit bewerten und ob sie dafür im Zweifel bereit wären, auf die Straße zu gehen.

Zwar gebe es bereits flexible Arbeitszeitmodelle oder Telearbeit, wie bei der Oberhausener Stadtverwaltung, sagt Jadzinski. Dennoch gibt es viele Bereiche, an denen Homeoffice nicht möglich ist - Gärtner, Müllabfuhr, Hausmeisterdienste. Aber auch diese Mitarbeiter sollen die Möglichkeit haben, besser über ihre Arbeitszeit zu bestimmen.

Umfrage läuft bis zum 30. Juni

Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin stellte in ihrer Arbeitszeitbefragung im vergangenen Jahr fest, dass ein großer Teil der Beschäftigten in Deutschland sich eine Veränderung - meist eine Verkürzung - seiner wöchentlichen Arbeitszeit wünscht. 49 Prozent wollen demnach ihre Arbeitszeit reduzieren, 39% wollen sie beibehalten wie sie ist und zwölf Prozent wollen sie gern verlängern.

Am 24. April ist die Umfrage gestartet, bis zum 30. Juni haben die rund 6000 Mitarbeiter im öffentlichen Dienst in Oberhausen noch die Möglichkeit, sich im Internet an der Umfrage zu beteiligen. Zeitaufwand: rund fünf bis zehn Minuten. Die Vertrauensleute haben in den Einrichtungen und Betrieben mit Postkarten und Flugblättern über die Umfrage informiert. Nach der Auswertung wird es am 14. September im Oberhausen eine „Arbeitszeitkonferenz“ mit einem Vertreter der Bundestarifkommission geben, um über das weitere Vorgehen zu diskutieren. Denn wenn die Umfrage das Ergebnis bringt, dass viele Arbeitnehmer mehr Freizeit oder flexible Arbeitszeitmodelle wünschen, soll das in die Tarifverhandlungen einfließen.

Hier geht es zu der Umfrage: https://www.verdi.de/arbeitszeitumfrage-oed

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