STADTGESCHICHTE

Viel Interesse am neuen Stadtarchiv in Oberhausen

Foto: Kerstin Bögeholz

Erstmals nach über zehn Jahren nahm die Stadt wieder am bundesweiten „Tag der Archive“ teil.

Geschichte fasziniert. Und so war die Resonanz beachtlich, als das Stadtarchiv an der Eschenstraße in Lirich am Samstag erstmals nach über zehn Jahren zum „Tag der Archive“ für ein breites Publikum wieder seine Tore öffnete. Ausstellungen, Führungen und Vorträge rund um die Stadtgeschichte Oberhausens wurden geboten.

Möglich wurde das, weil das Ar­chiv unter der neuen Leitung von Magnus Dellwig seit dem vorigen Jahr um zwei Ar­chivare verstärkt wurde: Michaela Schmitz und Christoph Spilling sollen nicht nur den Rückstau bei der Aufarbeitung des Aktenmaterials beseitigen, sondern auch die Arbeit des Ar­chivs bekannter machen.

Licht und Staub die größten Feinde

Von Michaela Schmitz erfuhren Teilnehmer einer Führung am Nachmittag, dass Licht und Staub die größten Feinde der Archivare sind. Sie vernahmen auch, dass das Geburts- und Sterberegister sowie alte Tageszeitungen die gefragtesten Quellen beim Publikum sind. Denn jedem Bürger steht das Studium der Bestände im Lesesaal der Archivs zu, soweit sie schon freigegeben sind. Dann führte Schmitz eine etwa 15-köpfige Besuchergruppe ins Magazin, wo die Archivalien geschützt verwahrt werden.

Der Historiker Peter Langer entführte einen Kreis von 30 Zuhörern in seinem Vortrag in das Oberhausen vor 100 Jahren, in die Situation bei Kriegsende 1918. Nach dem Abtritt des alten kaiserlichen Regimes in Berlin hatten überall Arbeiter- und Soldatenräte die Macht übernommen, so auch in Oberhausen. Im Unterschied zu anderen Städten hätten hier aber gemäßigte Kräfte den Ton angegeben, Sozialdemokraten und christliche Gewerkschafter. Jedenfalls solange, wie die von Berlin ausgehenden Wirren viele Bergarbeiter in der Stadt nicht zunehmend unter den Einfluss von Kommunisten aus Hamborn gebracht hätten.

Paul Reusch, Direktor der Gutehoffnungshütte und damals führender Industrieller, habe das durch sein Verhalten noch geschürt. Am Ende beauftragte die SPD-geführte Regierung in Berlin rechtsgerichtetes Militär damit, ge­gen die Arbeiterproteste gewaltsam vorzugehen. „Große Teile der Arbeiterschaft waren dadurch schon damals für die SPD verloren“, zeigte er anhand von Wahlergebnissen. Mehr als die Hälfte ihrer anfänglichen Un­terstützung hätten die Sozialdemokraten während der Weimarer Republik eingebüßt. Nur die katholische Zentrumspartei habe bis zuletzt dem Rechtsruck standgehalten. An die heutige Zerrissenheit der SPD mussten jedenfalls zwei Männer denken, als sie sich im Treppenhaus die Ausstellung zu Wahlen in Oberhausen ansahen.

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