Lebensmittelverschwendung

Viele Backwaren bleiben in Oberhausen in den Regalen liegen

In Oberhausens Bäckereien bleiben jeden Tag Backwaren in den Regalen liegen. Vor allem bei großen Lebensmitteldiscountern werde ein riesiger Überschuss produziert, sagt Backkönig-Filialleiter Hans-Joachim Fötisch

In Oberhausens Bäckereien bleiben jeden Tag Backwaren in den Regalen liegen. Vor allem bei großen Lebensmitteldiscountern werde ein riesiger Überschuss produziert, sagt Backkönig-Filialleiter Hans-Joachim Fötisch

Foto: dpa / Marcel Kusch

OBERHAUSEN.   In Bäckereien von Lebensmitteldiscountern werde ein riesiger Überschuss produziert. Slow Food-Sprecherin sieht auch Verbraucher in der Pflicht.

Jeden Tag bleiben in Oberhausens Bäckereien und Discountern große Mengen an Backwaren in den Regalen liegen. Genaue Zahlen werden zwar nicht erfasst, bundesweit beläuft sich die Überproduktion laut der Umweltorganisation WWF jedoch auf etwa 1,7 Millionen Tonnen pro Jahr. Die Menge der nicht verkauften Backwaren ist auch in Oberhausen so hoch, dass selbst die Tafel einen Teil der gespendeten Brote wegwerfen muss. „So leid uns das auch tut, aber uns bleibt an manchen Tagen gar nichts anderes übrig“, sagt Schatzmeisterin Anja Käuler.

Die Oberhausener Tafel arbeitet mit mehreren Bäckereien zusammen und versorgt täglich rund 140 Bedürftige. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter sammeln Backwaren ein, die abends oder am Vortag nicht verkauft wurden und andernfalls im Müll gelandet wären. Während es bei einigen Teilchen gelegentlich zu Engpässen komme, würden vor allem Brote und Brötchen in großer Zahl abgegeben werden. „Wir haben unsere Reste eine Zeit lang an den Kaisergarten weitergeleitet“, sagt Schatzmeisterin Käuler. Diese Kooperation habe die Tafel jedoch vor ein paar Wochen beenden müssen.

Der Grund: Auch der Kaisergarten kämpft mit einem Überangebot an gespendeten Broten. „Die Menge, die wir von Privathaushalten erhalten, überschreitet bei Weitem unsere Kapazitäten“, sagt Anette Perrey, Leiterin des Tiergeheges. Da immer mehr Besucher ihre übrig gebliebenen Brote anbieten würden, habe der Kaisergarten in der vergangenen Woche zum ersten Mal seine Sammeltonnen abgebaut.

Sharon Sheets, Sprecherin von Slow Food, sieht deshalb neben den Bäckereien auch die Verbraucher in der Pflicht: „Man muss die Leute dafür sensibilisieren, dass nur das eingekauft wird, was auch gegessen wird“, so Sheets. Die nicht auf Profit ausgerichtete Organisation wirbt in Oberhausen und anderen Städten unter dem Motto „Teller statt Tonne“ für einen bewussteren Umgang mit Lebensmitteln. „Da muss noch viel passieren“, so Sheets.

Hans-Joachim Fötisch, Leiter der Backkönig-Filiale an der Wörthstraße, kritisiert hingegen vor allem die großen Lebensmitteldiscounter. Die Konzerne würden ihre Bäckereien dazu verpflichten, den Kunden auch kurz vor Ladenschluss noch ein breites Sortiment anzubieten. „Dementsprechend wird ein riesiger Überschuss produziert“, erklärt Fötisch. Eine solche Praxis sei für kleinere Bäckereien überhaupt nicht finanzierbar. „Wir backen bei uns bis 13 Uhr. Danach wird nur noch das verkauft, was wir vorrätig haben.“

In der Backwerk-Filiale an der Marktstraße bleiben laut Leiter Frank Siebert täglich Waren im Wert von 50 bis 150 Euro in den Regalen liegen. „Wir versuchen, die Abschriften schon allein aus wirtschaftlichen Gründen gering zu halten“, sagt er. Dennoch müsse sich der Back-Gastronom auch den Bedürfnissen seiner Kunden anpassen: „Wir können um 18 Uhr keine leere Theke haben, wenn der Laden erst um 19 Uhr schließt.“ Aus diesem Grund sei es unvermeidbar, dass am Ende des Tages ein Teil der produzierten Backwaren nicht mehr verkauft werde.

>>> OBERHAUSENER TAFEL KOOPERIERT MIT MEHREREN BÄCKEREIEN

Die Backwerk-Filiale an der Marktstraße spendet ihre Restbestände. „80 Prozent gehen an die Oberhausener Tafel“, sagt Siebert. Pizzen und einige andere Teilchen seien jedoch nicht lang genug haltbar und müssten deshalb entsorgt werden.


Auch die Backkönig-Filiale an der Wörthstraße schmeißt ihre Backwaren nicht einfach in den Müll. Das habe laut Fötisch auch einen finanziellen Vorteil für seine Bäckerei: „Ich kann Waren, die ich der Tafel gebe, steuerlich geltend machen.“

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