WAZ-Serie Alte Bücher

Viele Bücher-Schätze schlummern auf Oberhausener Dachböden

„Die Praxis des Maschinenbauers“ hat Leser Bernd Losemann einst von seinem Großvater erhalten.

Foto: Joachim Schultheis

„Die Praxis des Maschinenbauers“ hat Leser Bernd Losemann einst von seinem Großvater erhalten.

oberhausen.   Die WAZ Oberhausen sucht nach dem ältesten Buch von Oberhausen. Viele Einsendungen haben die Redaktion erreicht – lauter Erinnerungsstücke.

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Es war nicht die Liebe zu alten Büchern, die Horst Wieshoff zum Besitzer selbiger gemacht hat, sondern die Suche nach den eigenen Wurzeln. Sein Vater ist im Krieg gefallen, konnte ihm also nichts erzählen. In alten Büchern aus und über Ostpreußen – der Heimat der Urgroßeltern – sucht er nun nach Antworten.

Mit seinen Büchern, Karten und Atlanten hat Horst Wieshoff uns in der Redaktion besucht – als Teilnehmer unserer Suche nach dem ältesten Buch Oberhausens im Rahmen der WAZ-Serie „Wer bietet mehr?“. Auf der Suche nach dem Sieger haben wir spannende Geschichten gehört, die wir ab sofort an dieser Stelle vorstellen.

Viele Antiquariate hat Horst Wieshoff im Laufe der Jahre „geplündert“, wie er sagt: Geschichtsbücher, Reiseführer, Landkarten. Die Recherchen haben ihn auch schon selbst nach Polen und Russland geführt – obwohl Reisen nach Osteuropa Mitte der 1980er Jahre nicht einfach waren. Der Anlass für eine Reise 2014 war ein ganz besonderer: Er hat ein Holzkreuz auf dem Grab seines Vaters aufgestellt. Lange hatte er nach der letzten Ruhestätte gesucht.

Auf dem Speicher wiederentdeckt

Und jetzt? Ist die Reise abgeschlossen? Nein. Das Schicksal des Vaters ist geklärt, jetzt ist Horst Wieshoff auf den Spuren des Großvaters unterwegs, der im Ersten Weltkrieg bei Verdun gekämpft hatte. Ende September fährt er dorthin. Ein Grab muss er allerdings nicht suchen: Der Großvater kehrte 1916 nach Hause zurück. Bei der GHH in Sterkrade habe er wohl Granaten gedreht statt sie in Verdun zu transportieren.

Es bleibt technisch: „Die Geschichte des Maschinenbauers“ ist Bernd Losemann besonders ans Herz gewachsen. Der Großvater hat ihm das Buch um 1960 geschenkt – und der Oberhausener hat es in seiner Ausbildung rege genutzt. Das gute Stück erinnere ihn heute nicht nur an seine Arbeit, sondern auch an den Großvater.

Mit Büchern reich beschenkt

Losemann wurde mit Büchern reich beschenkt: Von der Großmutter hat er einst eine Bibel aus dem Jahr 1900 bekommen. Der Patenonkel schenkte ihm ein Märchenbuch der Brüder Grimm. Auch Gebetbücher aus dem 19. Jahrhundert nennt er sein Eigen. Seine Frau Dagmar sammelt Bücher auf Reisen – auch diese seien einmalige Erinnerungsstücke.

Mit einer alten Luther-Bibel aus dem Jahr 1885 hat uns Hildegard Zentzis besucht. Die Heilige Schrift stammt vom Ur-ur-Großvater aus der Schweiz, der Einband ist aus Leder und Holz. Lange lag das alte Buch auf dem Speicher, doch einmal wiederentdeckt, hegt die Oberhausenerin das Buch sehr. Als Hildegard Zentzis vor einiger Zeit in ein Seniorenheim gezogen ist, „konnte ich es nicht übers Herz bringen und das Buch weggeben“. Viel Platz habe sie in ihrem neuen Zuhause nicht, erzählt Zentzis. Aber ein Plätzchen für das alte Buch werde es immer geben.

>>>> Vom Dekostück zur Herzensangelegenheit

Die Resonanz auf unseren Aufruf war riesig. Bei vielen Oberhausenern stehen echte Schätze in den heimischen Regalen – Bibeln, Koch- und Geschichtsbücher, Romane, Gedichtbände, Gebetsbüchlein, Alben und vieles mehr.

Als reine Dekostücke dienen sie manchen Lesern, gekauft auf dem Trödelmarkt. Andere verbinden mit den Büchern prägende Erinnerungen. Eine Auswahl an persönlichen Geschichten unserer Leser werden wir an dieser Stelle in kommenden Ausgaben vorstellen.

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