Stadtgeschichte

Wählen durften in Oberhausen 1862 nur die wenigsten

Die Straße, an der das Oberhausener Rathaus  ist  noch heute nach dem ersten Bürgermeister der Gemeinde Oberhausen benannt: Schwartzstraße

Foto: Hans Blossey

Die Straße, an der das Oberhausener Rathaus ist noch heute nach dem ersten Bürgermeister der Gemeinde Oberhausen benannt: Schwartzstraße Foto: Hans Blossey

oberhausen.   Am 20. März 1862 wurde der erste Gemeinderat Oberhausens gewählt. Erster Bürgermeister der blutjungen Gemeinde wurde Friedrich August Schwartz.

Für die Anfänge unserer heutigen Stadt Oberhausen ist der 20. März, exakt der 20. März 1862, ein wichtiges Datum. An diesem Tag vor nunmehr 155 Jahren wurde der erste Gemeinderat der noch blutjungen Gemeinde Oberhausen gewählt. Das hört sich gut an: „Gemeinderat“, „gewählt“. Das klingt so, als könne sich daraus eine Tradition ableiten lassen.

Aber es war ganz anders, denn wie die Gemeindegründung selbst hatte auch die „Wahl“ wenig mit dem zu tun, was man heute unter demokratischen Gepflogenheiten verstehen möchte. Der Blick in die Geschichte lohnt mal wieder, weil er bei genauerem Hinsehen einiges verstehen lässt.

Jahrelanges Hin und Her um Gebietsansprüche

Nach jahrelangem Hin und Her um Gebietsansprüche vor allem der Industrie, aber auch um Ordnungsansprüche der preußischen Obrigkeit rund und längs der neuen Eisenbahnen, hatte sich der Landrat des Kreises Duisburg, Anton Kessler, so durchgesetzt, dass ein königlicher Erlass am 18. November 1861 die Gemeindegründung markierte.

Der 1. Februar 1862 gilt immer als „Geburtsstunde“ der Gemeinde, das war aber lediglich das Datum des Antritts von Friedrich August Schwartz, der zunächst kommissarisch die mehr oder minder aus ihm bestehende Gemeindeverwaltung anführte, ehe er am 8. Mai 1862 vom Königlichen Landrat Keßler vereidigt und als Bürgermeister eingesetzt wurde.

„Allerhöchste Cabinetts-Ordre“

Die Bürgermeisterei Oberhausen (heute der Stadtbezirk Alt-Oberhausen) bestand aus lauter „Gebietstheilen“, wie die „Allerhöchste Cabinetts-Ordre“ (siehe Infobox) es klar formulierte. Das ergab kartographisch ein ziemlich merkwürdiges Gebilde und sah beinahe aus wie ein auf die Seite gelegtes dickes Ei.

Für die keimende Industrie, vor allem die Hüttengewerkschaft Jacoby, Haniel und Huyssen (JHH, später: GHH) und diverse andere Unternehmen war der Zuschnitt allerdings perfekt. Umschloss er doch die eigenen Areale, den direkten Zugang zum Bahnhof und bot Chancen auf Flächenzuwachs – für Industrieausdehnung und Wohnungsbau. Im Gemeindegebiet lebten zwar zunächst nur 6000 Menschen, aber den Industrieverantwortlichen war klar, dass die Zahl schnell wachsen würde. Was ja auch geschah.

Großbauern wurden zu Immobilien-Unternehmern

Dass der Prozess des kommunalen Wachstums fast so reibungslos gesteuert werden konnte wie der der industriellen Ausbreitung, das sicherte der Gemeinderat bestens ab. Die „Wahl“ der 18 Gemeindeverordneten erfolgte nach den Bedingungen des Dreiklassenwahlrechts, was bedeutete, dass vermutlich nicht mehr als knapp tausend Oberhausener (Frauen durften sowieso nicht wählen) wahlberechtigt waren – mindestens 24 Jahre alt und Zahler von Steuern in einer Höhe, die der normale Industriearbeiter jener Zeit kaum erreichen konnte.

Entsprechend setzte sich der Rat zusammen. Die Namen Grillo, Lueg, Sellerbeck und Wilms sind heute noch aus der Industriegeschichte bestens bekannt, Großbauern wie Stöckmann entwickelten sich zu Immobilien-Unternehmern, der Apotheker Friedrich Bellingrodt vertrat sowas wie liberales Bürgertum.

Und gemeinsam bastelten sie an Oberhausen.

>>>>> Aus Abtretungen diverser Gemeinden geformt

Diverse Gemeinden mussten Gebiete abtreten: So wurde Oberhausen geformt aus den Bauerschaften Lippern und Lirich (aus der Bürgermeisterei Borbeck), aus den nördlichen Teilen von Dümpten, Styrum und Alstaden (Landbürgermeisterei Mülheim), aus der östlichen Spitze der Gemeinde Meiderich (Landbürgermeisterei Ruhrort), aus einem Teil der Gemeinde Beeck (Bürgermeisterei Holten).


Als Beigeordnete arbeiteten dem ersten Gemeinderat der Unternehmer Wilhelm Grillo und Friedrich Blumberg unentgeltlich zu. Die in Duisburg erscheinende „Rhein- und Ruhrzeitung“ hat sicher über die Ereignisse berichtet, aber in den Archiven fehlen leider Jahrgänge zwischen 1858 und 1862.

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