Static Roots Festival

Wenn amerikanische Klänge auf irische Kontaktfreude treffen

Die „Dawn Brothers" aus den Niederlanden standen beim Static Roots Festival im Zentrum Altenberg in Oberhausen auf der Bühne.

Die „Dawn Brothers" aus den Niederlanden standen beim Static Roots Festival im Zentrum Altenberg in Oberhausen auf der Bühne.

Foto: Sven Thielmann

Oberhausen.  Das „Static Roots Festival“ bringt Americana-Fans aus ganz Europa nach Oberhausen. Die vierte Auflage im Zentrum Altenberg ist ein voller Erfolg.

Was für ein Kompliment! Denn alles Bitten und Betteln hartgesottener, aber verpennter Americana-Fans half nichts: „We are sold out!“, jubelte das fabelhafte „Static Roots Festival“ bereits eine Woche vor dem musikalischen Familientreffen im Zentrum Altenberg auf seiner Website. Waren im vergangenen Jahr noch klar die irischen, schottischen und niederländischen Besucher in der Überzahl, konnte sich Mastermind Dietmar Leibecke diesmal über zahlreiche heimische Gäste freuen – selbst wenn die Oberhausener immer noch an wenigen Händen abzuzählen sind.

Auch die vierte Auflage des „Static Roots Festival“ stand wieder unter dem Motto „Peace, Love, Rock’n’Roll“ – in dieser Reihenfolge, wie Leibecke betont, der sich 2016 aus Anlass diverser Jubiliäen (u.a. seiner Silberhochzeit) das rein privat organisierte Großereignis als Alternative zu sonst üblichen Feierlichkeiten gegönnt hatte. Und dies mit derart beachtlichem Erfolg, dass es prompt als eines der drei besten Americana-Festivals weltweit ausgezeichnet wurde.

Muss-Treffen für europäische Genießer

Seither ist das „Static Roots“ ein Muss-Treffen für europäische Genießer jener originär amerikanischen Musik, die höchst unterhaltsam zwischen Folk, Bluegrass und Rock’n’Roll schillert. Was diesmal opulent von 13 Acts nicht allein aus der „Americana“-Hauptstadt Nashville, sondern auch aus Kanada, Großbritannien und den Niederlanden genüsslich zelebriert wurde.

Doch das Erfolgs-Geheimnis von „Static Roots“ ist nicht allein das mit Liebhaber-Kenntnis konzipierte Programm, sondern auch die entspannt-familiäre Atmosphäre im Saal und unter den lauschigen Bäumen der ehemaligen Zinkhütte. Sind doch Dietmar Leibeckes zahlreichen Freunde, die er etwa vom irischen „Kilkenny Festival“ kennt, von erfrischender Kontaktfreude. „Hi, I’m Stuart! What’s your name?“ stellte sich etwa ein älterer Schotte aus Perth lässig vor, um gleich darauf mit einem über Gott und die Welt, und ganz aktuell: Boris Johnson, zu plaudern. Noch lockerer waren nur die Irish Ladies – erst Ringelpiez mit Anfassen zu den tanzbaren Modern Country-Sounds etwa der Combo „The Hanging Stars“, dann ein satter Schmatzer und ein fröhliches „I am Paula!“, gefolgt von der nächsten Kontaktaufnahme drei Zuhörer weiter.

Eindringliche Stimme und astreine Lead-Gitarre

Nur auf die angelsächsische Modenshow mit variantenreichen, farbenfrohen Blumenkleidern, die beim dritten Festival so amüsierte, musste man diesmal verzichten – aber letztes Jahr war es auch viel heißer. Ob dies auch für die Musik galt, war vielleicht sogar Gesprächsthema bei der mitternächtlichen After-Festival-Party vor dem Zentrum Altenberg. Der dreiteilige Samstagabend jedenfalls ließ keine Wünsche offen und zeigte schön die ganze Bandbreite dessen, was eine berühmte Szene aus dem Film „Blues Brothers“ einst so auf den Punkt brachte: „We play both kinds of music: Country and Western …“ Ah näh, da gab es schon mehr Abwechslung nicht nur im Repertoire des in Kennerkreisen hochgeschätzten Singer-Songwriters Don Gallardo, der „Diamonds & Gold“ mit eindringlicher Stimme und astreiner Lead-Gitarre servierte.

Packende Folk-Balladen trafen da auf den guten alten Blues, und groovige Hoppel-Beats bekamen mächtig Dampf durch die flirrenden Pedal-Steel-Sounds des englischen Kollegen Joe Harvey-White als begeistert gefeiertem Gast, der auch einen Neil-Young-Song mit dem passenden Titel „Out On A Weekend“ hinreißend bereicherte.

Messlatte hängt verdammt hoch

Was der natürlich in seiner eigenen Combo „The Hanging Stars“ genüsslich fortsetzte, die samt dem mit großer Pop-Stimme singenden Frontman Richard Olson an der zwölfsaitigen E-Gitarre „On A Sweet Summers Day“ eine wunderliche Mischung aus kalifornisch lässigem Folk, Mississippi-Delta-Blues und britischen Psychedelia-Sounds klanggewaltig brodeln ließ. Paula tanzte ekstatisch, der Rest der Zuhörer jubelte ebenso.

Und dann legten die „Dawn Brothers“, die keine sind, sondern vier fabelhafte Rocker aus Rotterdam, noch eine gewaltige Schüppe drauf, was die prallvolle Altenberg-Halle endgültig in einen Tanzpalast verwandelte und das „Static Roots Festival 2019“ mit dynamisch wie melodisch schillernden Keyboard-Guitar-Exzessen grandios krönte. Dietmar Leibecke kann auf sein „Americana“-Familientreffen, das ihm so schnell keiner nachmacht, echt stolz sein. Die Messlatte für „No. 5“ hängt nun allerdings verdammt hoch.

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