Kampftechnik

Wie Frauen sich gegen Angriffe besser schützen können

Gummi-Mann „Kevin“ muss in der Krav-Maga-Schule in Oberhausen ganz schön einstecken.

Gummi-Mann „Kevin“ muss in der Krav-Maga-Schule in Oberhausen ganz schön einstecken.

Foto: Gerd Wallhorn

Oberhausen.   Mit der Kampftechnik Krav Maga können sich Frauen einfach selbst verteidigen. Ein Selbstversuch in einer Oberhausener Kampfsportschule.

Schon nach einer Übungseinheit fühle ich mich ein bisschen stärker und unangreifbarer. Ich bin überzeugt davon, dass ich mehr kann als ich dachte, und ich will sehen, ob da nicht noch mehr geht. Ich bin stolz auf mich, dass ich es ausprobiert habe – das Selbstverteidigungstraining speziell für Frauen, das die Krav Maga-Schule, Ebertstraße 32 in Oberhausen-Mitte, anbietet. Stefanie Kordel, die seit dreieinhalb Jahren dort trainiert, hatte es versprochen: „Wenn Sie mitmachen, werden Sie es nicht bereuen und Spaß haben. Bei uns kann jede jederzeit einsteigen.“

Angreifer unschädlich machen

Meine Probestunde im Kurs für Frauen hat mir gefallen und Lust gemacht auf eine zweite. Das Training hat mich spüren lassen, dass ich, auch wenn einer, der mir was Böses will, größer, schwerer und stärker wäre als ich, durchaus in der Lage sein könnte, die Situation zu meistern. Bei Frauen ist es ja meistens ein Mann, der sie bedrängt.

„Ich will nicht kämpfen, aber ich bin vorbereitet, wenn mich jemand angreift“, erklärt Trainer Alexander Loh worum es geht. Vorbereitet heißt, dass die Kursteilnehmerinnen lernen, Techniken zu beherrschen, die einen möglichen Angreifer unschädlich machen könnten.

Der richtige Griff, der zielgerichtete Tritt, der kräftige Handschlag, eine ruckartige Drehung, ein Ellbogen- oder Knieeinsatz – „die Grundtechniken beherrscht du in einem halben Jahr“, meint Stefanie Kordel. „Im Training wirst du nie jemanden verletzen oder von jemandem verletzt werden, aber du spürst, wie sich die ernste Situation anfühlen könnte“, sagt Sarah (44). „Du lernst, dich zu wehren, und das gibt dir mehr Sicherheit und Selbstbewusstsein.“

Sarah, die zusätzlich in der Oberhausener Krav Maga-Schule Kickboxen trainiert, verrät auch, dass sie Kampf- und Abwehrtechniken schon mal in ihrem Leben hätte gut gebrauchen können, bevor sie sich entschloss, Selbstverteidigung zu lernen.

Sarah gibt alles, wenn sie auf Pratzen (kissenartige Hand- oder Körperschützer) schlägt oder tritt, sofern sie mit der erfahrenen Stefanie übt. Bei mir, der Anfängerin, hält sie sich zurück. Ich hingegen kann bei ihr als „Gegnerin“ Vollgas geben, was sie nicht erschüttert, obwohl ich versuche, meine ganze Energie einzusetzen. Gleichzeitig bemühe ich mich, die richtige Fußstellung einzunehmen. Ich will mich unbedingt steigern und stelle fest, dass eine gewisse Kampflust in mir steckt. Ich merke aber auch, dass meine Reaktionsfähigkeit ziemlich schlecht ist im Vergleich zu Stefanie und Sarah.

Trainer Alexander, der jede Übung vorführt und erklärt, beobachtet uns Kursteilnehmerinnen sehr genau, korrigiert, gibt Tipps. Aber er lobt auch, wenn er zufrieden ist: „Frauen haben oft Angst davor, zu ruppig angegangen zu werden. Ein Kurs, in dem sie nur mit Frauen trainieren, erleichtert ihnen den Einstieg“, ist Studio-Inhaber Roland Kirchel überzeugt. Deshalb gibt es das Frauentraining seit Anfang des Jahres.

Bei Mädchen allerdings, und von ihnen trainieren sehr viele im Studio an der Ebertstraße, sei das ganz anders. „Sie sind gleichaltrigen Jungen gegenüber oft technisch überlegen“, sagt der Fachmann.

Krav Maga ist kein Sport, in dem es Wettkämpfe gibt, sondern „ein Ganzkörper-Workout mit vielen Aspekten“, sagt Kirchel. „Wir arbeiten zielorientiert, aber immer spielerisch.“ Zur Selbstkontrolle gebe es „Level-Tests“, die einem bestätigten, was man gelernt habe.

Fazit: Training wird fortgesetzt

Ich jedenfalls habe mir vorgenommen, das halbe Grundtechnik-Jahr zu testen, und ich kann auch anderen Frauen ein Probetraining empfehlen. Ohne Angst abends im Dunklen nach Hause zu gehen oder auf die Bahn zu warten, ist doch ein Ziel, das für den vergleichsweise geringen Aufwand – einmal pro Woche eine Übungsstunde – sicher entschädigt. Ganz abgesehen von dem zusätzlichen Fitnessgewinn und dem Spaß mit den sehr netten Trainingspartnerinnen.

Viele Frauen halten nicht lange durch

Krav Maga – der Name kommt aus dem Hebräischen, bedeutet „Kontaktkampf“. Es ist nicht nur ein durchdachtes und wirkungsvolles System zur Selbstverteidigung, das aus Israel stammt, sondern auch ein ideales Fitnesstraining. Kraft, Schnelligkeit, Reaktion, Ausdauer und zugleich das Selbstbewusstsein werden gestärkt.

Geeignet ist das Training für Kinder, Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen. Die Oberhausener Krav-Maga-Schule bietet täglich für verschiedene Altersgruppen Kurse an. Schon die Kleinsten lernen Körperbeherrschung, wie sie zum Beispiel fallen können, ohne sich weh zu tun. Oder auch schnell weg zu rennen, wenn etwas Unheimliches droht.

Kurse für Eltern und Kleinkinder beliebt

Kurse für Eltern und Kleinkinder werden gern besucht, ebenso wie Wochenend-Workshops für Frauen. Doch zum „Damenprogramm“ sagt Stefanie Kordel: „Die Motivation ist bei vielen Teilnehmerinnen da. Allein das Durchhalten ist die Kunst.“ Heißt, dass viele Frauen sich nicht vorstellen können, eine Zeit lang regelmäßig zum Training zu kommen. Dabei braucht es nur einmal pro Woche eine Stunde, immer mittwochs von 19 bis 20 Uhr. Probetrainings sind kostenfrei.

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