Sterben

20 Jahre St. Josef-Hospiz: Ein Jubiläum zum Anecken

Das St. Josef-Hospiz in Rheinberg wird 20 Jahre alt: Das Programm im Peschkenhaus stellten vor (v.l.): Cristel Maas-Bessard, Beate Bergmann, Ralf H. Nennhaus, Ulrike Wellner und Monika Jaklic.

Das St. Josef-Hospiz in Rheinberg wird 20 Jahre alt: Das Programm im Peschkenhaus stellten vor (v.l.): Cristel Maas-Bessard, Beate Bergmann, Ralf H. Nennhaus, Ulrike Wellner und Monika Jaklic.

Foto: Norbert Prümen

Rheinberg/Moers.   Das Hospiz des St. Josef Rheinberg feiert sein 20-jähriges Bestehen mit einer Ausstellung im Peschkenhaus. Sie zeigt Menschen im „letzten Hemd“.

Ein leichter Start war es damals vor 20 Jahren bestimmt nicht: Das Hospiz des St. Josef im ehemaligen Schwesternwohnheim an der Orsoyer Straße in Rheinberg wurde von den Anwohnern das „Siechenhaus“ genannt, und mit dem Gedanken, dass dort ausschließlich todkranke Menschen betreut werden, mochte sich der eine oder andere wohl auch nicht anfreunden. Doch das hat sich geändert: „Die Rheinberger mögen das Hospiz“, erklärt dessen Leiterin Beate Bergmann. Das Jubiläum wird indes mit einer Ausstellung im Moerser Peschkenhaus gefeiert. Man wolle die Menschen einladen, sich mit dem Thema zu beschäftigen, so Ralf H. Nennhaus, Geschäftsführer des St. Josef-Krankenhauses.

Die Ausstellung, betitelt „Im letzten Hemd“, zeigt Menschen, die sich mit dem Sterben auseinandergesetzt haben und sich dem Fotografen in dem „letzten Hemd“ stellen, in dem sie bestattet werden wollen. „Wir wissen, dass man damit auch anecken kann“, so Nennhaus, aber „das steht einem katholischen Träger gut zu Gesicht.“

Die Ausstellung hat eine gewisse Leichtigkeit

Ulrike Wellner, die Vorsitzende des Hospiz-Fördervereins, formuliert es so: „Wir wollen dem Thema die Schwere nehmen, die Ausstellung hat eine gewisse Leichtigkeit.“ Und vor allem ist sie öffentlich: Man habe anlässlich des Jubiläums „nicht nur ein Angebot für Großkopferte“ machen wollen, so Nennhaus.

Und so ist die Austellung, ein Projekt des Bestattungshauses Pütz-Roth in Bergisch-Gladbach, nur ein Teil des Festprogramms. Einerseits wird Franz Müntefering, ehemaliger Vizekanzler und SPD-Vorsitzender, im Peschkenhaus am 20. März über das Älter werden und das Sterben sprechen, andererseits wird die Band „Der Herrensalon“ drei Tage später mit Pop und Rock Stimmung in das alte Bürgerhaus bringen. Den Abschluss macht Kabarettist Stefan Verhasselt am 2. April; zuvor spricht Monika Müller am 13. März über „das Märchen von der Trauerverarbeitung“, am 16. März liest Judith Jakob Texte der Dichterin Mascha Kaléko.

1700 Menschen auf ihrem letzten Weg begleitet

Ein bunter Reigen von Veranstaltungen also, mit dem das Rheinberger Hospiz sein Jubiläum feiert. 15 Angestellte und etwa ebenso viele ehrenamtliche Mitarbeiter haben in diesen 20 Jahren rund 1700 Menschen auf ihrem letzten Weg begleitet, ihnen oft genug ihre letzten Wünsche erfüllt. „Die Leute wissen, dass das Hospiz ihr letzter Aufenthaltsort auf Erden ist“, sagt Beate Bergmann und erinnert sich gut an einen großen, stattlichen Mann, der zum Sterben in das Hospiz kam und die Schützenuniform mitbrachte, in der er beerdigt werden wollte. Für ihn war es wichtig, diesen letzten Gang in seinem eigenen „letzten Hemd“ zu machen.

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Das Hospiz verfügt über acht Plätze, die durchschnittliche Verweildauer der Bewohner liegt bei rund einem Monat. Zwei Drittel der Bewohner sind weiblich.

Zur Finanzierung sind – gesetzlich festgelegt – 5 % der Kosten durch Spenden oder ähnliche Zuwendungen zu decken. Das sind jährlich rund 35 000 Euro.

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