Schützenfest

Aloys Oymann: Vergängliche Kunst für die Stange

Aloys Oymann baut seit 40 Jahre detailreiche Schützenvögel für das Königsschießen der umliegenden Bruderschaften. Doch auch Kaiservögel (r.) gehören zu seinem Repertoire.

Aloys Oymann baut seit 40 Jahre detailreiche Schützenvögel für das Königsschießen der umliegenden Bruderschaften. Doch auch Kaiservögel (r.) gehören zu seinem Repertoire.

Foto: Armin Fischer

Drüpt/Borth.  Sonntag findet das Königsschießen der Drüpter Brauchtumsfreunde statt, bei dem es Aloys Oymanns Vogel an den Kragen geht

Ein Mähroboter dreht einsam seine Runden über den gepflegten Rasen, Haus und Garten sind picobello in Schuss. Damit das so bleibt, klingelt der Wecker von Aloys Oymann jeden Morgen um fünf Uhr in der Frühe. Eigentlich bräuchte er nicht so früh raus aus den Federn. Denn vor wenigen Wochen ist Oymann 90 Jahre alt geworden. Er genießt bereits seit 35 Jahren seinen Ruhestand. Doch der gelernte Schreiner hat eine Passion: Er baut hölzerne Vögel. Nicht irgendwelche: Eine seiner Adlernachbildungen ist am kommenden Sonntag die Hauptfigur beim Schützenfest in Drüpt und fällt, um jemanden zum König zu machen.

Die Arbeit des Vogelbauers aber geht weiter. Schon im September erwarten die St. Evermarus-Schützen in Borth zwei seiner Prachtstücke. „Wenn die Leute behaupten, ich habe einen Vogel, haben sie nicht ganz Unrecht“, bekennt Oymann mit einem Augenzwinkern. Aus jeweils zwei 4,20 Meter langen Holzbohlen fertigt der Vogelbauer in vier Wochen regelrechte Kunstwerke an. Die bestechen durch Details, die kaum jemand von der Schützenwiese aus erkennen dürfte.„Um das Gefieder nachzubilden, schleife ich mit einer Trennscheibe kleine Furchen in die Flügel“, erklärt Oymann. Selbst Krallen, Augen und der Schnabel sind millimetergenau ausgearbeitet und farbenfroh lackiert. Eines dieser Prachtstücke wird am Sonntag unter den Augen des Erbauers Schuss für Schuss zerstört. Dem macht das nicht viel aus: „Das ist nun mal so, dafür mache ich das ja.“ Wenn dann am Abend die Überreste in die Mülltonne wandern, darf ein Teil nicht dabei sein. „Die Krone müssen sie mir zurückgeben, die kommt im nächsten Jahr wieder drauf“, so Oymann.

Die Vorlage ist immer dieselbe

Seit vierzig Jahren beliefert er die Drüpter Bürgerschützen mit dem begehrten Zielobjekt für die Stange. Die Vorlage ist immer dieselbe. „Es müssen Adler sein, das ist Sitte.“ Eigentlich. Doch unter den bereits fertiggestellten Nachbildungen der Könige der Lüfte fällt eine weiße Gans ins Auge, die den Betrachter neckisch angrinst. „Das ist der Frauenvogel für das Borther Schützenfest, aber keine dumme Gans“, betont Oymann, um Missverständnissen vorzubeugen.

Was Form und Farbgebung betrifft, hat der Witwer freie Hand. Einzige Bedingung: Fünf Stunden sollte sich der Holzvogel wehren, bevor er sich geschlagen gibt und fällt. Das verlangt nach entsprechender Stabilität: Sechs je 40 Millimeter dicke Holzscheiben werden dafür auf eine fingerdicke Gewindestange geschraubt und bilden den Rumpf. Mit Flügeln, Füßen, Hals und Kopf summiert sich das Gewicht des hölzernen Ungetüms schon mal auf einen satten Zentner. Erweist sich der Königsvogel am Ende doch mal als zu stabil, wird nachgeholfen. „Dann werden Pfeile mit Eisenspitzen eingeschlagen, die das Holz aufreißen“, erläutert Oymann.

Schnell ein Renner - 96 Holzkameraden ausgeliefert

Vor einigen Jahren kam der ehemalige Solvay-Mitarbeiter auf die Idee, auch hölzerne Schützen mit Gewehr und Orden als Dekoration für die Schießstände anzubieten. Was als kleiner Gag gedacht war, entwickelte sich schnell zum Renner. Inzwischen hat Oymann 96 dieser Holzkameraden ausgeliefert.

Da der Vogelbauer immer dabei ist, wenn es seinen Werken an den Kragen geht, gilt er unter den Aspiranten auf die Königswürde als vermeintlicher Hinweisgeber. Bringt aber nichts, denn Oymanns Vögel haben keine Schwachstellen. „Man holt sie nur von der Stange, indem man die einzelnen Scheiben von hinten der Reihe nach wegschießt. Die vordere ist bis dahin einfach zu fest“, versichert Oymann, der selber nie Schützenkönig werden wollte. Königsmacher reicht ihm.

Kirmes wird heute offiziell eröffnet

Am heutigen Samstag wird die Kirmes offiziell eröffnet. Bei selbst gebackenen Kuchen haben zunächst die Frauen der Schützen die Möglichkeit, mit der Armbrust den Vogel zu erlegen. Zu gewinnen sind attraktive Preise, die am Sonntag bei der Preisverleihung überreicht werden.

Am morgigen Sonntag, 11. August, werden die Schützen um 6 Uhr morgens von den Klängen des Spielmannszuges Menzelnerheide geweckt. Um 10 Uhr findet der gemeinsame Marsch zum Ehrenmal statt, um der Verstorbenen zu gedenken. Im Anschluss folgt der Frühschoppen. Dabei werden auch die Preise des Vogelschießens der Frauen vom Vortag sowie die des Preisschießens des Vereins, das um Juni stattgefunden hat, verliehen. Um 14.30 Uhr treffen sich alle Schützen, um den amtierenden König, Ehrenpräsident Thomas Janßen, und seine Königin Birgit, abzuholen. Anders als in den Jahren zuvor beginnt das Preis- und Königsschießen diesmal eine Stunde früher. Der Startschuss fällt bereits um 16 Uhr. Der Vorstand will dadurch erreichen, dass auch Familien mit Kindern das spannende Finale mitbekommen können. Für die Kinder gibt es wieder eine große Zahl von Spielgeräten und eine Hüpfburg. Nun hoffen alle Schützen, dass beim Königsschießen der Appell „Königsaspiranten vortreten!“ nicht unerhört verhallt.

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