Handwerk

Als Tischlerin allein unter Männern

Wanda Seegers begeistert ihre männlichen Kollegen mit ihrem Können in der Tischlerei „Holz Art“. Sie hat ihren Gesellenbrief mit Bravur geschafft, Lehrmeister Andre Rennings

Wanda Seegers begeistert ihre männlichen Kollegen mit ihrem Können in der Tischlerei „Holz Art“. Sie hat ihren Gesellenbrief mit Bravur geschafft, Lehrmeister Andre Rennings

Foto: arfi

Wanda Seegers ist die erste und einzige Frau in der Werkstatt „Holz Art“ am Maulbeerkamp. Dass sie in eine reine Männerwelt einbrach, störte sie nicht

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Wanda Seegers fügt sich nahtlos ein in die kleine Galerie an der Wand im Büro der Xantener Tischlerei „Holz Art“. Ihre Siegerurkunde im Wettbewerb „Die Gute Form“ ist bereits die vierte ihrer Art, mit der Auszubildende des Betriebes für ihr Gesellenstück ausgezeichnet worden sind. Das erfüllt Meister André Rennings mit Stolz.

Wanda Seegers, die erste und bislang einzige Frau in der Werkstatt am Maulbeerkamp, hat einen Tisch gebaut, der sowohl als Schreib- als auch als Schminktisch gute Dienste tun könnte. Noch hat die Erschafferin kein Plätzchen für ihr Werk auserkoren. „Aber das wird sich schon finden“, sagt die junge Frau . Es gab zwar schon interessierte Nachfragen. „Aber der Tisch ist unverkäuflich“, sagt die Jung-Gesellin bestimmt.

Eigentlich hatte sie lange Zeit die Idee im Kopf, einen Weinschrank zu bauen, um damit in den Wettstreit um die beste Form zu gehen. „Doch das hatte sich schnell erledigt“, sagte sie. Nach Gesprächen mit Meister André Rennings brachte sie erste Skizzen aufs Papier. Der Stoff aus dem die „schöne Idee“ Gestalt annahm: Zebrano, ein dunkles Holz mit auffälliger Maserung, das aber nur an den Seiten der Platte sichtbar wird, die ansonsten mit silbergrauem HPL (High Pressure Laminate) beschichtet ist – eine samtige Oberfläche. Meister Rennings ist beeindruckt von der „besonderen Haptik“.

Faible für Technik

Wanda Seegers, die in Menzelen-Ost aufgewachsen ist, hat ihrem Vater gern zugeschaut, wenn der was im Hause gewerkelt hat. Und als Hauptschülerin in Alpen mit einem ausgeprägten Faible für Technik hatte sie in der Werkstatt des Schul-Partners Lemken damals kleine Roboter zum Leben erweckt. Dennoch kam sie nach dem Fachabitur am Hermann-Gmeiner-Berufskolleg in Moers erst über Umwege zum Tischlerhandwerk.

Versuche als Tourismuskauffrau in Freiburg und als Denkmalschützerin in Kevelaer erwiesen sich als untauglich. Als sie über einen Mitarbeiter zur Lehre bei „Holz Art“ kam, war ihr schnell klar, „dass das passt“. Dass sie dabei in eine bis dahin reine Männerwelt einbrach, störte sie und ihre Kollegen nicht. Dabei sei’s anfangs schon manchmal nicht ganz leicht gewesen. „Wir schrauben schließlich keine Streichhölzer zusammen“, sagt André Rennings. Es müssen schon massive Dinge – manchmal in engen Treppenhäusern – mit Muskelkraft bewegt werden.

Die ehemalige Fußballerin hat im Fitnessstudio nicht nur zum Spaß „eine Schüppe drauf gelegt“, wie ihr ihr Meister bescheinigt. Überhaupt findet Rennings nur lobende Worte für die junge Frau. „Aufgeschlossen“, „lernwillig“, „ruhig“ lauten die Attribute.

An die Meisterschule denkt sie jedoch nicht. Vielleicht, so sagt sie, zieht sie es in absehbarer Zeit einmal ins Ausland: „Um auch mal zu sehen, wie anderswo gearbeitet wird.“ Aber so weit ist es noch nicht.

Was sie nicht will, das weiß sie ebenfalls ganz genau: Die Walz kommt nicht infrage. „Drei Jahre von zu Hause weg sein, das möchte ich nicht.“

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