Tafel

Armut kennt kein Alter

Gerd Gersch , Achim Martinitz , Tanja Braun und  Rolf Lange von der Rheinberger Tafel.

Gerd Gersch , Achim Martinitz , Tanja Braun und Rolf Lange von der Rheinberger Tafel.

Foto: crei

Rheinberg.   Tanja Braun und Rolf Lange von der Rheinberger Tafel berichteten im Ausschuss über ihre Arbeit.

Die Zahlen sind bedrückend, auch in Rheinberg. Rund 400 Personen steuern jeden Dienstag das Pfarrheim St. Anna an, um sich bei der Tafel das Nötigste zum Überleben abzuholen. Hochgerechnet auf die Familien sind in Rheinberg rund 800 bis 1000 Bürger bedürftig und somit auf die Lebensmittel der Tafel angewiesen. Die Koordinatorin Tanja Braun und Rolf Lange, zwei der rund 65 ehrenamtlichen Mitarbeiter, stellten den Mitgliedern im Sozialausschuss jetzt die Arbeit vor. Und schilderten eindrucksvoll, wie der Ablauf einer „Tafelwoche“ und des Ausgabetages am Dienstag aussieht.

Seit November 2003 versorgt die Rheinberger Tafel – getragen von Caritasverband Moers-Xanten, Diakonischem Werk und der Kirchengemeinde St. Anna – Bedürftige in der Stadt, eine weitere Ausgabestelle gibt es in Alpen, während die in Xanten seit einiger Zeit privat weitergeführt wird. Zu den Kunden, die ins Anna-Pfarrheim kommen, gehören rund 50 Menschen mit Behinderungen (ab 12 Uhr), 80 Senioren (13 Uhr) und etwa 250 weitere Bedürftige (ab 14.30 Uhr). Wobei die Armut kein Alter kennt. „Vor kurzem kam eine 25-Jährige zu uns“, erzählte Rolf Lange, „die arbeitslos geworden ist. Als wir ihr einiges zum Essen mitgeben konnten, hat sie vor Freude geweint.“ Gerade auch die „Altersarmut hat massiv zugenommen“, berichtete Tanja Braun. Während Anfang des Monats noch weniger Kunden kommen, nimmt die Nachfrage am Monatsende, wenn weniger Geld da ist, stark zu. Die Tafel hat eine zeitdifferenzierte Ausgabe nach einem rollierenden Nummernsystem entwickelt, damit die Schlangen nicht zu groß werden und jeder auch mal früher an der Reihe ist. „Allerdings kann es auch mal zu einer Wartezeit von zwei Stunden kommen“, weiß Rolf Lange.

Mittwochs holen Fahrer Säfte bei einer Firma in Kapellen ab, donnerstags wird ein Discounter in Kamp-Lintfort angefahren, freitags werden Molkereiprodukte angeliefert, während samstags die Fahrer in Rheinberg verschiedene Discounter und Supermärkte ansteuern. Weitere Touren durch Rheinberg, nach Sonsbeck und Xanten schließen sich am Montag an. Die Waren werden anschließend im Kühlhaus und in der Garage eingelagert.

Am Dienstag ist dann Hauptarbeitstag für die ehrenamtlichen Tafel-Mitarbeiter: Zunächst werden die Bäckereien angefahren, danach wird die Ausgabe-Nebenstelle in Alpen versorgt. Bei einer Firma in Duisburg holen Fahrer Obst und Gemüse ab, hinzu kommen noch regelmäßige Fahrten zur Tafel nach Duisburg, die eventuell etwas abgeben kann. Danach erfolgt der Aufbau im Pfarrsaal, die Sortierung von Obst, Gemüse und Backwaren. Um 12 Uhr startet die Warenausgabe – bis gegen 16.30 Uhr ein langer Tafeltag zu Ende geht. Drumherum gibt es aber immer Kaffee und Kuchen sowie Spielangebote für die Kinder.

Groß war die Freude bei Braun und Lange über den vom Rat abgesegneten Zuschuss in Höhe von 35.000 Euro für das dringend nötige neue Kühlfahrzeug. In naher Zukunft muss auch die Kühlkammer erneuert werden. Abschließend appellierte das Tafel-Duo auch an die Bürger. „Spenden an Weihnachten sind schön, aber das Jahr hat 365 Tage.“ Spenden sind also immer willkommen – wie die Grundnahrungsmittel Reis, Nudeln, Tee, H-Milch oder Mehl.

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