Projekt

Blaue Engel in der Nachbarschaft

An den blauen T-Shirts sind die Nachbarschaftshelfer zu erkennen.

An den blauen T-Shirts sind die Nachbarschaftshelfer zu erkennen.

Foto: Alexander Florie

Rheinberg.   Mit dem vom Jobcenter des Kreises finanzierten Nachbarschaftshilfe-Projekt sollen von der Reichelsiedlung aus Menschen den Weg zurück in die Berufswelt finden.

Fast weihnachtlich wirkte gestern die Zusammenkunft im Rheinberger Quartiersbüro an der Buchenstraße mit Waffeln, heißen Kirschen und Kaffee. „Das hier ist aber kein Café“, machte die Gastgeberin Anke Sczesny aber deutlich. Der Geschäftsführer des Jobcenters des Kreises Wesel, Michael Müller, machte sich vor Ort gemeinsam mit seinen Bereichs- und Teamleiterinnen und dem Träger, der Moerser „FachWerk.Kreis Wesel gGmbH“ ein Bild über die Entwicklung des seit Juli laufenden Projekts. Grundidee ist, Arbeitsgelegenheiten zur Nachbarschaftshilfe zu schaffen – für Arbeitslose, die schon seit längerem den Anschluss an den ersten Arbeitsmarkt verloren haben. Das Jobcenter finanziert das Projekt, „Fachwerk“ lieferte die Konzeption und leistet die Betreuung vor Ort. „Und wir bieten die Räume und das Netzwerk“, so Sczesny.

Ein Projekt zur Aktivierung

Die Arbeit könnten die Teilnehmer – aktuell sind es zehn Personen – in der Regel ein halbes Jahr ausüben, erläuterte Angela Preuß, Bereichsleiterin des Jobcenters. Dabei werden sie von einem Anleiter und Arbeitspädagogen unterstützt. „Das ist ein Projekt zur Aktivierung und Stabilisierung“, sagte Fachwerk-Betriebsleiterin Beate Schnitzler. Normale Tagesabläufe würden so wieder erlernt, Kontakte zu Mitmenschen geschaffen. „Je nachdem, wie sie sich entwickeln, versuchen wir dann weitere Qualifikationen zu schaffen“, erklärte Angela Preuß den Brückeneffekt, den das Projekt haben soll. Mindestens die Hälfte von ihnen sei auf diesem Weg bislang weitergekommen.

Die Personen arbeiten bis zu 30 Stunden im Monat. „Das umfasst die Hilfe beim Einkaufen oder das Hochschleppen von Kohle aus dem Keller“, so Schnitzler. Die Nachbarschaftshelfer sehen nach dem Rechten, sprechen mit den Menschen, spielen mit ihnen, spenden Trost, wenn sie traurig sind. Oder sie helfen auch bei Projektes des Quartiersbüros mit – wie einem ab Januar laufenden „Urban Gardening“-Projekt eines Studenten der Hochschule Rhein-Waal. „Das Hilfsangebot richtet sich an Menschen in ganz Rheinberg“, so Sczesny. Und die Dankbarkeit der Menschen, denen geholfen wird, sei eine Motivation für alle.

Momentan sind es 30 bis 40 Menschen, die regelmäßige Anfragen stellen. „Das deckt aber keinen Pflegedienst ab“, unterstrich Fachwerk-Projektleiterin Stefanie Metzner. „Aber der hört auch nicht drei Stunden zu und kauft ein.“

Wichtig sei auch der Stellenwert, den Menschen für sich über so ein Projekt wiederfänden, lobte Michael Müller die Arbeit vor Ort. „Dass die Leute fernab vom sozialversicherungspflichtigem Stress einer Tätigkeit nachgehen und stolz darauf sind.“ Das Jobcenter hat die Gelder für 2018 für die Fortsetzung des Projekts bereits fest eingeplant.

Die Orsoyerin Brigitte Rolke war über die Arbeitsagentur in das Projekt vermittelt worden. „Ich betreue eine Frau, gehe mit deren Hund spazieren, helfe ihr in der Wohnung“, erzählte die 54-jährige frühere Hausfrau, die sich nach der Trennung vom Ehemann neu orientieren musste. „Es macht mir hier Spaß, älteren Leuten zu helfen.“ Detlef Dittrich kommt sogar regelmäßig aus Scherpenberg, um an der Maßnahme teilzunehmen. „Wir hoffen, dass daraus was Festes entsteht, vielleicht im sozialen Bereich“, erklärte der gelernte Betriebsschlosser und Industriekaufmann, der mit 52 Jahren seit zwei Jahren ohne Job ist.

Und der 28-jährige Marcel Urselmann, der seit dem Start mit von der Partie ist und vor Ort lebt, sieht für sich schon eine klare Perspektive. „Ich möchte gerne Altenpfleger werden.“

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