Umweltbewusstsein

Carsharing wird in Rheinberg selten genutzt

„Du Solaris“-Inhaber Oliver Duhr (vorne), der Technische Beigeordnete Dieter Paus und Klimaschutzmanagerin Nicole Weber F. Santos bei der Eröffnung des neuen E-Auto-Angebots am Bahnhof vor eineinhalb Jahren. 

„Du Solaris“-Inhaber Oliver Duhr (vorne), der Technische Beigeordnete Dieter Paus und Klimaschutzmanagerin Nicole Weber F. Santos bei der Eröffnung des neuen E-Auto-Angebots am Bahnhof vor eineinhalb Jahren. 

Foto: Jasmin Ohneszeit

Rheinberg.  Das Angebot in Rheinberg ist wirtschaftlich kaum tragbar. Die Stadt prüft nun, ein öffentlich-privates Modell fürs Carsharing anzubieten.

Seit knapp eineinhalb Jahren bietet der Carsharing-Anbieter „Du Solaris“ aus Hamminkeln an der E-Ladesäule an der Bahnhofstraße ein Elektroauto zum Ausleihen auf Zeit an. Das Angebot war zunächst auf 17 Monate ausgelegt. In der jüngsten Sitzung des Rheinberger Stadtentwicklungs- und Umweltausschusses wurde über die Fortführung des Carsharing-Angebotes informiert. Nachdem das Fahrzeug anfänglich wöchentlich durchschnittlich nur ein bis zwei Mal ausgeliehen worden ist, habe es in den letzten Monaten an Zuspruch gewonnen, berichtete die Verwaltung. Seit Mai wurden bei der Innogy-Servicestelle im Reisebüro am Markt kostenlose Carsharing-Kundenkarten ausgegeben, bislang war das 20 Mal der Fall. Für Privatkunden gilt der Innogy-Tarif von 0,45 Cent pro gefahrenem Kilometer ohne Zeitberechnung. Durch den Wegfall der Zeitkomponente ergebe sich ein positiver Effekt für die Nutzer: Fahrten mit langer Verweildauer sind preislich attraktiv.

Geändertes Modell

„Dennoch liegt die aktuelle Nutzung des Carsharing-Angebotes noch unter einer wirtschaftlichen Betriebsweise“, heißt es in einer Stellungnahme. So gab es im August 15 Ausleihen (607 Kilometer), im September 22 Ausleihen (922 Kilometer) und in den ersten zwei Wochen im Oktober sieben Ausliehen (569 Kilometer). Ein öffentlich-privates Carsharing soll das nun ändern. Dabei teilen sich Verwaltungsmitarbeiter und Privatpersonen das Auto.

Diverse Städte und Gemeinden wie Hamminkeln, Schermbeck, Dinslaken und Xanten bieten über dieses Modell einerseits den Bürgern ein Auto zum Mieten und den Verwaltungsmitarbeitern gleichzeitig klimaverträgliche Mobilität an. „Ohne diese Kombination würde es aller Voraussicht nach in verhältnismäßig kleinen Städten, so auch in Rheinberg, kein Carsharing als Angebot geben.“ Die Zahlen würden zeigen, wie auch in allen anderen kleineren Städten mit einem Start eines Carsharings, dass die Steigerung der Nachfrage ihre Zeit brauche. Ralf Winstroth (Grüne) unterstrich dies. „Windkraft hat auch lange gebraucht. Die Akzeptanz wird kommen.“

Im Haushalt berücksichtigen

Für Rheinberg und den Klimaschutz wäre es ein deutlicher Rückschritt, wenn das Angebot nicht fortgeführt werden könnte. Für ein öffentlich-privates E-Carsharing wurden Angebote eingeholt, das von „Du Solaris“ war das günstigste: ein Renault Zoe kostet jährlich 4.783,80 Euro, das entspricht einem Kilometerpreis von 0,598 Euro. „Carsharing muss aber für alle Nutzer bezahlbar bleiben“, betonte SPD-Mann Peter Tullius. Die Kosten für das Angebot des E-Carsharings in der Stadtverwaltung werden teilweise durch das Wegfallen der Fahrtkostenvergütung für Dienstfahrten mit den privaten Fahrzeugen der Mitarbeiter kompensiert. Die zusätzlich bereitzustellende Summe beläuft sich auf 2.400 Euro. Der Betrag wurde im Haushalt 2020 berücksichtigt.

Die Grünen stellten zudem einen Antrag, weitere Standorte fürs Carsharing in verschiedenen Rheinberger Ortsteilen zu schaffen. Dies sei aufgrund der derzeitigen Nutzung jedoch nicht wirtschaftlich tragfähig. Das Klimaschutzmanagement der Stadt brachte aber ein anderes Modell ins Spiel: Das Angebot eines gemeinschaftlich genutzten Autos in der Nachbarschaft. Dies sei auch mit wenigen Nutzer tragfähig, da sich die potenziellen Interessierten zusammenschließen und, vertraglich geregelt, ein bereits bestehendes Fahrzeug gemeinschaftlich nutzen. Die Kosten für Abschreibung, Wartung und Reparaturen werden auf die Nutzer umgelegt. Das Klimaschutzmanagement will in den nächsten Monaten eine Informationsveranstaltung zu diesem Modell organisieren und die möglichen Initiativen durch Informationen und Vernetzung bei der Umsetzung von Gemeinschaftsautos unterstützen.

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