Versorgung

Das Amprion-Stromkabel unterquert die Region

So sieht eine Erdkabelbaustelle für die Gleichstromleitung A-Nord von Amprion aus.   

So sieht eine Erdkabelbaustelle für die Gleichstromleitung A-Nord von Amprion aus.   

Foto: Amprion

Rheinberg/Alpen/Xanten/Sonsbeck.   Amprion verlegt ein Gleichstromkabel zwischen Emden und Meerbusch-Osterath. Auch Rheinberg, Alpen, Xanten und Sonsbeck könnten betroffen sein.

Zwei Milliarden Euro: Der Stromnetzbetreiber Amprion nimmt eine Menge Geld in die Hand. Für diese Summe verbindet das Unternehmen mit Sitz in Dortmund die Strecke von Emden an der Nordseeküste mit dem rheinischen Meerbusch-Osterath. 400 Millionen Euro kostet der Konverter, der in Emden Wechselstrom in Gleichstrom umwandelt, die restlichen 1,6 Milliarden Euro gehen für das unter der Erde verlegte Kabel drauf, das den Strom ins Rheinland transportiert – und das möglicherweise unter Rheinberg, Alpen, Xanten und Sonsbeck hindurch, denn diese vier Kommunen liegen innerhalb der Trassenkorridore oder an deren Rand.

Derzeit gibt es in diesem Gebiet vier jeweils einen Kilometer breite Räume, teilweise wie östlich von Alpen mit leichten Varianten. Aber, so zerstreut Jonas Knoop, bei Amprion Projektsprecher für die A-Nord genannte Stromverbindung, mögliche Sorgen: „Nur eine dieser Trassen wird gebaut – und die wird nicht einen Kilometer breit sein.“ Ermittelt wurden lediglich Areale, die für Amprion in Frage kommen.

Wälder sollen umgangen werden

Von der Ursprungsplanung hat man sich dabei bereits entfernt. Knoop: „Wir wollten eine geradlinige Planung. Die wäre aber durch Holland verlaufen. Deswegen haben wir die Trasse nach Osten verschoben.“ Weitere Ausschlusskriterien: Siedlungen sollte ebenso wie Wälder möglichst vermieden werden, Naturschutzgebiete kamen nicht in Frage – bis auf eine Stelle am Rhein. Und unter dem verläuft nun einmal die Trasse, weil es anders nicht von Osterath nach Emden geht.

Amprion macht unterdessen den ersten Schritt: den Bürgerdialog genannten Prozess, die im Verlauf der Leitung wohnenden Menschen einzubeziehen, sie zu informieren. Da in Nordrhein-Westfalen derzeit Sommerferien herrschen, begann der Dialog in Niedersachsen. Termine für Nordrhein-Westfalen gibt es aber bereits – per Infomobil am Mittwoch, 20. September, ab 10 Uhr in Xanten und einen Tag später zur selben Zeit in Alpen sowie mit einer Bürgerinfomarkt genannten Veranstaltung am Donnerstag, 21. September, ab 17 Uhr in Rheinberg (Kamper Straße 8).

Der nördlichste Korridor betrifft Xanten-Obermörmter und Marienbaum, der nächste weiter südlich berührt die Bislicher Insel sowie Xanten und geht weiter in Richtung Alpen. Rheinberg-Wallach könnte es mit dem dritten Korridor zu tun bekommen, der südlichste verläuft unter Rheinberg-Eversael und -Budberg hindurch. Wie auch immer diese Informationsveranstaltungen verlaufen: Knoop geht nicht davon aus, dass „die Trassen hinterher wesentlich anders verlaufen“.

Auch betroffene Bürger können Stellung nehmen

Aber sie werden angepasst, präzisiert und hinterher bleibt nur noch einer der Trassenkorridore übrig. Dieser sogenannte Vorzugskorridor wird Anfang 2018 herausgearbeitet und im März 2018 der Bundesnetzagentur zusammen mit Alternativen eingereicht. Zu diesem Vorschlag können sich die Träger öffentlicher Belange (beispielsweise Behörden, Versorger, Feuerwehr und Rettungsdienste) ebenso äußern wie betroffene Bürger. Dazu wird es Erörterungstermine geben. Anfang 2019 legt die Bundesnetzagentur einen Korridor fest. „Ab dann beginnt innerhalb der ein Kilometer breiten Trasse die Suche nach der konkreten Verlegestelle des Erdkabels“, so Knoop. Anschließend gibt es ein Planfeststellungsverfahren, das laut Projektsprecher zwei Jahre dauert. „2021 wollen wir mit dem Bau beginnen, 2025 soll das Kabel in Betrieb gehen.“

Eine lange Zeit, aber bis dahin mus auch viel erledigt werden – zum Beispiel die Suche nach den geeigneten Grundstücken. Knoop: „Wir wollen vornehmlich landwirtschaftlich genutzte Flächen in Anspruch nehmen.“ Um das Kabel rechtssicher in den Boden bringen zu können, wird eine Grunddienstbarkeit ins Grundbuch eingetragen. „Dafür gibt es eine Entschädigung.“ Die Landwirte können nach der Kabelverlegung und der Rekultivierung des Bodens wieder ihrem normalen Geschäft nachgehen. Sollte es zu Einbußen beim Ertrag kommen, gibt es auch dafür eine Entschädigung. Aber von möglichen Einbußen geht Knoop nicht aus: „Im Münsterland haben wir positive Erfahrungen mit dem Verfahren gemacht.“

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