Soziales in Rheinberg

Das Haus am Außenwall gibt es seit mehr als 25 Jahren

Die Bewohner der ersten Stunde mit ihren Kissen (von links): Klaus Feegers, Andreas Mattke, Nicole Götsch, Leiter Wolfgang Strubel, Marianne „Mary“ Kardung, Jürgen Hüsken, Ludger Willicks, Annemarie Kreft und Karl-Heinz Hagensen. Es fehlt Bewohnerin Annette Kaufmann.

Die Bewohner der ersten Stunde mit ihren Kissen (von links): Klaus Feegers, Andreas Mattke, Nicole Götsch, Leiter Wolfgang Strubel, Marianne „Mary“ Kardung, Jürgen Hüsken, Ludger Willicks, Annemarie Kreft und Karl-Heinz Hagensen. Es fehlt Bewohnerin Annette Kaufmann.

Foto: Armin Fischer ( arfi )

Rheinberg. Für die Caritas Wohn- und Werkstätten Niederrhein ist das innenstadtnahe Haus wie ein Sechser im Lotto. Einzug im Jahr 1995.

Rheinberg. Viele Jahre hatte die AOK ihren Sitz in dem rot verklinkerten Gebäude mit den vielen Fenstern. Doch 1995 zog die Krankenkasse in das neu gebaute, weitaus geräumigere Haus an der Bahnhofstraße. Es dauerte nicht lange, da kehrte in die Mauern am Außenwall neues Leben ein. Für die Caritas Wohn- und Werkstätten Niederrhein (CWWN) war das Haus wie ein Sechser im Lotto: innenstadtnah gelegen und Platz genug für 36 Bewohner. So viele leben seither im „Haus am Außenwall“.

Auf drei barrierefreien Etagen gibt es fünf Wohngruppen für Menschen mit geistigen Behinderungen. In jeder dieser Gruppen sind die Zimmer individuell eingerichtet. Die Bewohner können ihre Wünsche und Vorstellungen bei der Gestaltung einbringen. Inzwischen sind aus den Doppelzimmern Einzelzimmer geworden. „Bis auf eine Ausnahme“, sagt Wolfgang Strubel. „Aber auch dieser Umbau lässt nicht mehr lange auf sich warten.“ Der Sozialpädagoge ist im neunten Jahr Leiter des Caritas-Hauses. Er betont: „Wir hätten das 25-Jährige unseres Hauses im Oktober gerne gefeiert. Es war schon alles geplant, wir wollten mit 150 Gästen ins St.-Peter-Pfarrheim gehen. Aber wegen Corona war das leider nicht möglich.“ Vielleicht, so hofft Strubel und mit ihm seine Kollegen und die Bewohner, „wird es ja in diesem Jahr was“.

Buffet für die Bewohner - die Jubiläumsparty soll nachgeholt werden

Immerhin wurde ein leckeres Buffet für alle bestellt und es wurden Cocktails gemixt. Neun der 36 Bewohner durften sich über eine zusätzliche Überraschung freuen: über Kissen, auf die ihre Namen gestickt sind. Neun deshalb, weil nur sie vom ersten Tag an im Haus am Außenwall wohnen. Offiziell heißt es übrigens nicht mehr „Wohneinrichtung“, sondern „Besondere Wohnformen“.

Zwei der „Ur-Einwohner“ sind Marianne „Mary“ Kardung (63) und Annemarie Kreft (68). Die beiden kennen sich schon bald ihr Leben lang, denn sie haben vorher beide im Caritas-Haus St. Bernardin in Sonsbeck-Hamb gelebt. Marianne Kardung 28 Jahre, Annemarie Kreft 35 Jahre. Die beiden Frauen sind bereits Rentnerinnen, haben früher jahrzehntelang in der Näherei der Caritas-Werkstätten gearbeitet, die zum Schluss am Nordring war. „Wir haben Kissen genäht“, erzählt Marianne Kardung. „Für Paradies-Betten in Neukirchen-Vluyn.“

Und Annemarie Kreft ergänzt: „In allen möglichen Größen.“ Sie gehören der Gruppe „Tagesstruktur“ an. „Intern sagen wir Rentnergruppe“, so Wolfgang Strubel. Wichtig sei, dass die Bewohner einen festen Tagesablauf haben. Morgens wird die Zeitung gelesen, es wird Aktuelles besprochen, es gibt gemeinsame Essens- und Ruhezeiten. „Ich muss immer viel an die frische Luft“, berichtet Marianne Kardung, die mit Pünktchen und Anton zwei Wellensittiche in ihrem Zimmer versorgt. Das liebste Ziel der Spaziergängerin: die Baustellen in der Innenstadt. „Im Moment ist die Fußgängerzone dran“, sagt die freundliche Frau.

Die Bewohner bemalten 150 Karten pro Jahr

Sechs Bewohner und zwei Betreuer gehören zur Rentnergruppe. Hin und wieder nähen und malen die Bewohner auch Karten. 150 Stück im Jahr. Die verschickt Wolfgang Strubel dann vor Weihnachten mit adventlichen Grüßen an Freunde des Hauses.

Die beiden Langzeitbewohnerinnen fühlen sich wohl in ihrer „besonderen Wohnform“ – es ist ihr Zuhause geworden. Die 31 Beschäftigten – Küchenpersonal, Verwaltungsmitarbeiter, Hausmeister, Gärtner, Nachtwachen und Gruppendienstler –, sie alle gehören dazu. Nicht zu vergessen: Koko, der Hauspapagei.

Highlight sind die Ausflüge nach Kevelaer oder an die Nordsee

Zum Angebot gehören auch Ausflüge. Annemarie Kreft und Marianne Kardung etwa lieben es, sich nach Kevelaer fahren zu lassen und dort in der Gnadenkapelle eine Kerze anzuzünden, bevor sie sich eine Tasse Kaffee genehmigen. Auch eine Wandergruppe gibt es und Urlaub. Ziele sind Rheinbergs Partnerstadt Hohenstein-Ernstthal in Sachsen oder die Nordsee. „Wir haben auch schon mal eine Kreuzfahrt mit der Aida nach Norwegen gemacht“, erinnert sich Marianne Kardung. Einige Bewohner genießen auch die Disco-Abende des CVJM im Haus der Generationen am Annaberg, die derzeit nicht stattfinden. „Manchmal stehen auch besondere Restaurantbesuche auf dem Programm“, so Leiter Strubel.

Nun muss nur noch Corona verschwinden, damit das Leben im Haus am Außenwall wieder etwas lebendiger wird. Denn so wie derzeit ist es langweilig – da sind sich die meisten Bewohner einig. Sie hoffen auf einen unbeschwerten Sommer mit dem einen oder anderen Grillabend auf der Terrasse. up

Offene Wohn-, Ess- und Küchenbereiche

Im Haus am Außenwall leben 36 Frauen und Männer mit geistigen Behinderungen. Viele von ihnen sind in den Caritas-Werkstätten am Nordring in Rheinberg beschäftigt.

Die Wohneinrichtung verfügt über mehrere rollstuhlgerechte Zimmer. Jede der fünf Wohngruppen ist so angelegt, dass es einen offenen Wohn-, Ess- und Küchenbereich gibt. Dort treffen sich die Bewohner beispielsweise zum Fernsehen oder Kochen. Im Souterrain kann ein Mehrzweckraum als Speiseraum oder für allerlei Freizeitaktivitäten genutzt werden.

31 Frauen und Männer arbeiten im Haus am Außenwall der Caritas Wohn- und Werkstätten Niederrhein. Leiter ist Sozialpädagoge Wolfgang Strubel. Eine fachlich fundierte Begleitung in den verschiedensten Lebensbereichen soll zu einem Maximum an Selbstentfaltung, Selbstständigkeit und Lebensqualität der Bewohner beitragen.

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