Stadtentwicklung

Das Haus „Im roten Pferd“ in Rheinberg ist saniert

Heiner Berg hat sein altes Haus in Rheinberg saniert und auch das Rote Pferd schmückt wieder die Fassade.

Heiner Berg hat sein altes Haus in Rheinberg saniert und auch das Rote Pferd schmückt wieder die Fassade.

Foto: Fischer

Rheinberg .  Das Herrschaftszeichen des Kriegswesens schmückt wieder das Haus an der Rheinstraße 7 in Rheinberg. Es markiert den Abschluss der Sanierung.

Vor rund 200 Jahren hätte jeder Rheinberger mit der Ortsangabe „Zum Kölner Dom“ oder „Im reisenden Mann“ sofort was anzufangen gewusst. Vermutlich 370 Häuser in der Stadt trugen individuelle Namen, die Fassaden waren mit entsprechenden Bildmotiven geschmückt. „Damals konnte ja kaum einer lesen oder schreiben. Also mussten Bilder her“, sagt Heiner Berg, dessen Haus an der Rheinstraße 7 nun ebenfalls seine historische Gebäudebezeichnung zurück bekam: Auf der Fassade in gedecktem Gelb galoppiert zwischen zwei Fenstern im ersten Obergeschoss ein dunkelrotes Pferd. Darunter steht in Frakturschrift „Im roten Pferd“.

„Im roten Pferd“ war der ursprüngliche Name des Hauses

Diese Bezeichnung gilt in der Literatur als Herrschaftszeichen des Kriegswesens. Da Heerführer verschiedener Nationen sich in Rheinberg über Jahrhunderte die Klinke in die Hand gaben, liegt die Vermutung nahe, dass das Haus Wohnstatt eines Obristen gewesen ist. So hat es Hobby-Stadthistoriker Werner Kehrmann für sein Buch „Geschichten hinter den Fassaden – Historische Häusernamen in Rheinbergs Innenstadt“ recherchiert. Er hatte Heiner Berg angeschrieben und angeregt, dem Haus seinen ursprünglichen Namen zurückzugeben.

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„Meine Frau und ich sind in Rheinberg verwurzelt und überzeugt, dass dieses i-Tüpfelchen dazu beiträgt, die Stadt zu beleben“, sagt der 61-Jährige. Die Abbildung beruht allerdings nicht auf historischer Vorlage. Die Rheinberger Malerin Jo Volkmann hatte zwei Entwürfe erarbeitet. Für einen haben sich die Bergs mit Zustimmung von Werner Kehrmann entschieden.

Die „Markenzeichnung“ stammt aus dem Jahre 1794

Mit der individuellen „Markenkennzeichnung“ des Gebäudes anno 1794 markiert das Ehepaar Berg den Abschluss der rund zweijährigen Sanierungsarbeiten im Erdgeschoss. In dem rund 55 Quadratmeter großen Ladenlokal, früher Salon Weyers, wird voraussichtlich ab Ende April/Anfang Mai wieder ein Friseur eröffnen. „Im Laden selbst sind noch ein paar Arbeiten zu erledigen“, sagt der 61-Jährige. Unter anderem muss noch eine Lichtschiene installiert werden.

Doch die aufwändige Sanierung im Erdgeschoss ist abgeschlossen. Im Kern war das eine Stahlkonstruktion, die aus brandschutztechnischen Gründen in die Decke eingezogen werden musste. „Das wird sich im Obergeschoss entsprechend fortsetzen“, erläutert Berg.

Im hinteren Teil des Ladenlokals ist ein alter Brunnen

Zudem halten Arbeiten in historischen Gebäuden meist Überraschungen bereit. So fand sich im hinteren Teil des Ladenlokals ein alter Brunnen. „Ein echter Brunnen, keine Fäkaliengrube“, sagt der kaufmännische Mitarbeiter schmunzelnd. Der rund ein Meter tief ausgeschachtete Wasserspeicher wird künftig unter einer begehbaren Glasplatte illuminierter Blickfang im Salon sein. „Es ist für Lüftung gesorgt, so dass eventuelle Feuchtigkeit aus dem Boden abgeleitet wird“, erklärt Berg.

Er möchte an zwei weiteren Häusern den historischen Namen wieder sichtbar machen. Das Haus Rheinstraße 9 wird künftig wieder „Im goldenen Apfel“, das Gebäude Großer Markt 17 „Zur Krone“ heißen. Darüber hinaus werde auch an den Gebäuden Orsoyer Straße 25 und Gelder Straße 17 die historische Bezeichnung wiederbelebt, bestätigt Werner Kehrmann. „Das Haus Orsoyer Straße 25 war unter dem Namen „Im Adler“ bekannt, das Haus Gelderstraße 17 habe früher die Bezeichnung „Im Lindenbaum“ getragen.

Von 111 alten Häusern in Rheinberg sind die alten Bezeichnungen bekannt

Von 111 Rheinberger Gebäuden sind die alten Bezeichnungen bekannt und könnten auf den Fassaden aufgebracht werden. „Bislang ist das aber erst bei etwa 15 Häusern geschehen“, so Hobby-Historiker Kehrmann. Dabei sei dies ein Alleinstellungsmerkmal der Stadt. „Sogar große Immobilienfirmen entdecken die alten Häuser- oder Quartiersbezeichnungen für sich, wenn sie neue Bau-Areale erschließen“, wundert sich Kehrmann über die Zurückhaltung der Rheinberger.

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