Römerpark

APX in Xanten: Studenten entdecken 2000 Jahre alten Deckel

Archäologie-Studenten der Uni Köln graben im Archäologischen Park Xanten.

Archäologie-Studenten der Uni Köln graben im Archäologischen Park Xanten.

Foto: Foto: Jasmin Ohneszeit / Jasmin Ohneszeit

Xanten.  15 Archäologie-Studenten haben bei einer Lehrgrabung im Archäologischen Park Xanten das Handwerk gelernt und einen seltenen Fund gemacht

Sie schaufeln und kratzen, messen und zeichnen: Mal stoßen sie auf kleine Tonscherben, mal sogar auf Knochenreste. 15 Studenten des Archäologischen Instituts der Universität Köln erlernen derzeit die Grundlagen einer Ausgrabung im Archäologischen Park Xanten (APX). Zum vierten Mal ist die Studentengruppe in der einstigen Römerstadt zu Gast. APX-Leiter Michael Müller und die Professoren der Kölner Uni, Michael Heinzelmann und Eckhard Deschler-Erb, haben die gemeinsame Zusammenarbeit 2016 ins Leben gerufen. „Wir freuen uns, das praktische Wissen des Nachwuchses fördern zu können“, sagt Bernd Liesen vom APX.

An drei großen Grabungsstätten haben die Fachleute Mauerfundamente freigelegt, die einst zu einem rund 16 mal 16 Meter großem Wohnkomplex gehört haben könnten. Mithilfe eines Bodenradargramms konnten die Überreste lokalisiert und später ausgegraben werden. Die Stärke der Grundmauern lasse vermuten, dass dort ein mehrgeschossiges Haus gestanden hat, sagen die Archäologen.

Mit Schaufeln, aber auch kleinen Kellen arbeiteten sich die Studenten Stück für Stück voran. „Wir haben Tonscherben, Eisennägel oder Keramikfragmente gefunden“, erklärt Grabungsleiter Stefan Pircher. Ebenfalls mit an Bord, oder besser gesagt mit in der Grabung ist die Universität Basel, die mit der Abteilung für Integrative Prähistorische und Naturwissenschaftliche Archäologie die Arbeit der angehenden Archäologen aus Köln begleitet.

Zehn Baseler Studenten analysieren Reste von Pflanzen und Tieren, die am Ort ausgegraben wurden. So sollen Details zu den Essgewohnheiten der damaligen Bewohner herausgefunden werden. „Knochen von Rindern, Gänsen und Hasen haben wir gefunden“, berichtet Professorin Sabine Deschler-Erb. An einer anderen Ausgrabungsstelle im Park wurden zudem Reste von Pinienzapfen nachgewiesen.

Heute endet die diesjährige Lehrgrabung. Die Ergebnisse können sich bereits sehen lassen. Ein übriggebliebener roter Ziegel, diese wurden in der Römerzeit für Fußbodenheizungen verwendet, gab Aufschluss darüber, dass es sich um ein Badegebäude gehandelt haben muss. Auch das ist eine neue Erkenntnis, die in diesem Jahr gemacht werden konnte.

Nur zehn vergleichbare Funde

Mark Brämer und Karina Schnakenberg haben wohl den nennenswertesten Fund in der vierwöchigen Ausgrabungszeit gemacht. Sie haben einen komplett erhaltenen Keramikdeckel aus den tiefen Erdschichten geholt. „Das ist eine Sensation“, betont Eckhard Deschler-Erb. Weltweit gebe es nur rund zehn vergleichbare Exponate. Am Niederrhein wurde so ein Fund erstmals gemacht. Der terracotta-farbige Deckel ist rund 2000 Jahre alt. Auch die beiden Studenten strahlen, wenn sie von diesem ganz besonderen Erlebnis erzählen. „So etwas hatten wir noch nie. Wir konnten zunächst auch nicht sehen, ob der Deckel

kaputt ist oder nicht.

Als er heil war, war das eine große Überraschung“, sagt Brämer. Der Fund wurde natürlich sofort dokumentiert. Apropos dokumentieren: Auch in der Archäologie hat die moderne Technik Einzug erhalten. Alle archäologischen Nachweise werden per App direkt in einem digitalen Feldbuch festgehalten. Die Grabungsschnitte wurden zudem mit einem Handscanner dreidimensional erfasst und dokumentiert. Zwei Informatikstudenten gehörten deshalb zum Team.

Die aktuelle Grabung wird vorerst die letzte aktive mit den Studentengruppe aus Köln gewesen sein, denn die Kooperation des APX und der Kölner Uni wurde für insgesamt fünf Jahre beschlossen. 2020 wollen die Wissenschaftler der Uni die Ergebnisse der bisherigen Grabungen für eine Publikation auswerten. „Im darauffolgenden Jahr wollen wir gerne wieder aktiv graben und an der Zusammenarbeit festhalten. Xanten bietet ideale Voraussetzungen für archäologische Lehrgrabungen“, sagt Eckhard Deschler-Erb.

>>>> Fußbodenheizung der Antike

Der rote Ziegel, der bei der Lehrgrabung gefunden wurde, war vermutlich mal ein Teil eines Hypokaustums.

Mit dieser Warmluftheizung wurden in der römischen Antike die Thermen erwärmt.

Die Konstruktion besteht aus einem Brennofen, einem unter dem Fußboden liegenden Heizraum, dem Heizraum und Abzügen für die heiße Luft und die Abgase.

Der Heizraum bestand aus aufgeschichteten Ziegeltürmchen, die eine größere Deckplatte trugen. Die heiße Luft, die durch den Raum strömte, erwärmte auch die Wände der Badeanlagen.

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