Erlebnispädagogik

Den Schafen geht’s in Rheinberg an die Wolle

Auch Emma darf mal ran: Schäfer Uwe Tenbergen (rechts) zeigt ihr, wo sie beim Scheren ansetzen muss.

Auch Emma darf mal ran: Schäfer Uwe Tenbergen (rechts) zeigt ihr, wo sie beim Scheren ansetzen muss.

Foto: Daniel Tomczak / WAZ FotoPool

Rheinberg-Wallach.   Die jährliche Schafschur ist ein Erlebnis für Groß und Klein. Auf dem „Erlebnispädagogischen Hof Elverich“ bei Wallach in Rheinberg können Interessierte gerne dabei zuschauen und den Apparat auch gerne selbst zur Hand nehmen. Dabei stellen die Kinder oft Parallelen zum Frisör fest.

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„Wer kommt mit zu den Schafen?“, Maria Kleinübing hat die Frage kaum ausgesprochen, da rennen die 14 Kinder zwischen drei und sechs Jahren auch schon los. Seit fünf Jahren betreibt die Familie Kleinübing den „Erlebnispädagogischen Hof Elverich“ bei Wallach, bietet Jahreskurse für Kindergarten- und Grundschulkinder an. Einer davon ist die jährliche Schafschur, die von den Kindern hautnah begleitet werden darf.

Wohlfühlprogramm für Knut

„Tut das nicht weh?“, will Mona wissen, nachdem Schäfer Uwe Tenbergen Schafbock Knut mit einem gekonnten Griff auf die Seite gelegt hat. „Das macht den Schafen nichts aus“, beruhigt Tenbergen und schneidet Knut die Hufe. Bevor die Schur beginnt, bekommen die Tiere eine Spritze gegen Würmer und Streicheleinheiten von Maria Kleinübing. „Die Schafe bekommen hier das volle Wohlfühlprogramm“, erklärt sie. Das sieht Knut anders und schlägt mit den Hinterläufen. Der Widerstand hält allerdings nicht lange an. Kurz nachdem der Haarschneider mit monotonem Brummen das zehn Zentimeter dicke Wollkleid vom Körper schert, legt Knut den Kopf zur Seite und lässt die Prozedur zwar nicht gerne, aber doch geduldig über sich ergehen.

„Die Haut ist aber ganz schön fettig“, wundert sich Luna (5). Tenbergen dreht Knut auf den Rücken, zieht eine von zwei Hautfalten am Unterbauch auseinander und deutet auf eine kleine Drüse. „Daraus wird Fett abgesondert, das sich über den ganzen Körper verteilt. So wird bei Regen zwar die Wolle nass, aber die Haut bleibt trocken und das Schaf erkältet sich nicht“, erklärt Tenbergen, der 350 Schafe besitzt.

Ein halber Zentner Schafswolle

Jetzt dürfen die Kinder selbst die Elektroschere in die Hand nehmen. „Du musst sie steiler halten“, erklärt Tenbergen Sidney (5), die sich ganz vorsichtig herantastet. Ihr Fazit: „Das ist sehr schön, fast wie beim Friseur.“ Kurz darauf widmet sich Schafbock Kurt – um gut fünf Kilogramm Wolle erleichtert – völlig entspannt dem saftigen Gras. Rhönschaf Rosi ist von dem anstehenden Friseurbesuch überhaupt nicht begeistert und wehrt sich nach Leibeskräften. Uwe Tenbergen kennt das. „Männer liegen eigentlich immer entspannt vor mir, während die Frauen eher zimperlich sind“, schmunzelt der Schäfer.

Nach einer knappen Stunde darf sich Maria Kleinübing über einen halben Zentner Schafswolle freuen. Sie wird später gewaschen und gesponnen oder zu Filz verarbeitet, natürlich bei einem weiteren Jahreskurses und unter kräftiger Mithilfe von erlebnishungrigen Kindern.

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