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Den Schulbusverkehr auch in Rheinberg entzerren

Das Konzept zur Optimierung des Schülerverkehrs unter Berücksichtigung gestaffelter Schulanfangszeiten könnte auch den Verkehr im Rheinberger Schulzentrum entzerren.

Foto: Jasmin Ohneszeit

Das Konzept zur Optimierung des Schülerverkehrs unter Berücksichtigung gestaffelter Schulanfangszeiten könnte auch den Verkehr im Rheinberger Schulzentrum entzerren. Foto: Jasmin Ohneszeit

Rheinberg.   Durch eine Staffelung der Unterrichtszeiten könnten Busse effizienter genutzt werden. Für Rheinberg wäre diese Optimierung eine Herausforderung.

Es ist 13.15 Uhr im Rheinberger Schulzentrum: Viele Kinder des Amplonius-Gymnasiums und der Europaschule haben Schulschluss, warten auf ihren Bus, wollen nach Hause. Ein Bild, das sich täglich – auch morgens – wiederholt.

Die normalen Linienbusse schaffen es kaum, die Schülermengen zu befördern, daher werden zu den Stoßzeiten zusätzliche Busse eingesetzt. Grund dafür ist, dass fast alle Schulen im Kreis Wesel gleichzeitig mit dem Unterricht beginnen und aufhören. Das bedeutet für die Verkehrsbetriebe: Mehr Busse, mehr Personal und dadurch auch mehr Kosten.

Mögliche Zusammenlegung einiger Linien geprüft

Ein Hildener Planungsbüro hat im Auftrag des Kreises Wesel eine Voruntersuchung organisiert, wie die Lage kreisweit ausschaut und wie man die Situation eventuell entspannen kann. Dieses Konzept war nun auch Thema im jüngsten Rheinberger Schulausschuss.

Die Optimierung beinhaltet die Prüfung der möglichen Zusammenlegung einiger Schulanfahrtswege bei einer Staffelung der Schulzeiten, so dass der in den Spitzenstunden benötigte zusätzliche Fahrzeugeinsatz reduziert werden kann.

Gestaffelte Unterrichtszeiten

Das Konzept zur Optimierung des Schülerverkehrs im Kreis Wesel, wie es ganz offiziell heißt, sieht vor, die Anfangszeiten der einzelnen Schulen zu entzerren, damit weniger Busse gleichzeitig im Einsatz sein müssen. „Alle Schüler müssen morgens gleichzeitig zu ihren Schulen gebracht werden. Das bedeutet, dass deutlich mehr Busse und Personal in diesem Zeitraum benötigt werden. Nach Schulbeginn geht der Busbedarf dann schlagartig zurück. Die Busunternehmen müssen also nur für einen kurzen Zeitraum mehr Personal und Busse aufbringen, was natürlich mit hohen Kosten verbunden ist“, erklärte Helga Karl, Sachgebietsleiterin Schule und Sport, das Problem.

So setzt die Niag zum Beispiel zur Spitzenzeit zwischen 7.15 und 7.30 Uhr kreisweit 145 Busse ein. Eineinhalb Stunden später, zwischen 8.45 Uhr und 9 Uhr sind es dagegen nur noch 86 Busse.

Vier Lösungsstrategien

Im ersten Schritt der Voruntersuchung wurden die Schülerverkehrsströme untersucht. Eines der Ergebnisse: Die Beförderung zum Rheinberger Schulzentrum ist einer der Linienabschnitte mit der höchsten ÖPNV-Belastung. Das Planungsbüro entwickelte vier Lösungsmöglichkeiten.

Erstens: Die Reduzierung von Direktfahrten zu den jeweiligen Schulen durch Umsteigen an zentralen Umsteigeorten. Zweitens: Schulzeitstaffelung. Mehrere Schulen könnten durch ein Fahrzeug nacheinander befördert werden.

Bündelung und Individualverkehr

Eine weitere Möglichkeit wäre die Bündelung der Fahrten am Nachmittag. Dieser bedarfsorientierte Schulbusverkehr sieht vor, dass die Schüler eine persönliche Chipkarte, auf der die jeweilige heimische Haltestelle gespeichert ist, bekommen und diese beim Einsteigen in den Bus vor ein Lesegerät halten.

Eine Software berechnet dann die kürzeste Route, wobei nur die notwendigen Haltestellen angefahren werden. Diese Idee schließt die Nutzung für die Alltagsfahrer aus. Eine vierte Lösung sei die Nutzung örtlicher Bürgerbusse als Zubringer zu den nachfragestärkeren Linien.

Keine gute Lösung für Rheinberg

Die Untersuchung ergab, dass in Rheinberg, Sonsbeck, Xanten, Wesel und Kamp-Lintfort hohes Einsparpotenzial vorhanden sei. Alpen gehöre hingegen zu den Kommunen, in denen es kaum Einsparpotenzial gebe. „Für Rheinberg ist so eine Staffelung der Unterrichtszeiten keine gute Lösung“, sagt Helga Karl.

Die Sachgebietsleiterin betonte, dass dieses Problem aber nicht unlösbar sei. Ob, wann und in welcher Form die Fahrpläne optimiert werden, ist aber noch unklar. Erst müssen weitere Untersuchungen über die Realisierbarkeit angestoßen werden...


>>>Kritik vom Amplonius-Leiter Marcus Padtberg

Marcus Padtberg, Leiter des Amplonius-Gymnasiums, hält eine Veränderung der Schulanfangszeiten für sehr problematisch. „Wir teilen uns mit der Europaschule die Turnhalle und das Schwimmbad – dadurch ist das fast unmöglich.“

Frühere Anfangszeiten seien wegen der gesellschaftlichen Veränderungen nicht drin, weil Kollegen ihre Kinder zur Betreuung brächten, spätere ebenfalls nicht. „Das kollidiert dann zum Beispiel mit Sportvereinen. Es geht ja nicht nur allein um die Schule!“

Mit dem Problem Schulbusverkehr beschäftige man sich jetzt bereits seit drei Jahren. Alle anderen Lösungsvorschläge seien nicht zielführend gewesen, bei den gestaffelten Anfangszeiten hätten die Schulen erklärt, warum das nicht gehe. Dennoch sei dieser Ansatz verfolgt worden. „Wir wurden gelockt damit, dass die Schulen die Einsparungen bekommen – ein komisches Lockangebot. Ökonomisch und ökologisch ist die Fragestellung okay. Aber unser System muss auch funktionieren!“

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