Comedy

Der Alltag inspiriert Kabarettistin Ingrid Kühne

Ingrid Kühne ist mit ihrem zweiten Programm „Okay, mein Fehler!“ im Schützenhaus aufgetreten.

Ingrid Kühne ist mit ihrem zweiten Programm „Okay, mein Fehler!“ im Schützenhaus aufgetreten.

Foto: oo

Im Xantener Schützenhaus hatte Kabarettistin Ingrid Kühne mit ihrem zweiten Programm ein Heimspiel. Dabei verriet sie auch, wer ihr Vorbild ist.

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Xanten. Es dauerte keine Sekunde, da hatte Ingrid Kühne das Publikum im mit 300 Plätzen ausverkauften Schützenhaus am Haken: Die Kabarettistin aus Lüttingen hatte Heimspiel mit ihrem zweiten Programm „Okay, mein Fehler!“, mit dem sie noch bis Herbst 2021 auf Tour ist und in dem sie aus dem eigenen Nähkästchen plaudert.

Woher sie ihre Geschichten nimmt? „Ich hab zwei Männer zu Hause, da brauchste doch nur mit zu schreiben, was die so tun und den ganzen Tage von sich geben. Und an jeder Straßenecke, in der Arzt-Praxis, Apotheke, im Supermarkt, an der Tanke, da erlebst du Situationen und hörst Sachen, aus denen du eine lustige Nummer machen kannst.“

Nervös sei sie nicht, bereite sich auch nicht auf einen Auftritt vor. „Ich fahr dahin und fertig. Manchmal ticker ich auch bis zwei Minuten vorher noch auf meinem Handy rum.“ Und sie müsse auch nicht auf Knopfdruck lustig sein. „Ich mach mein Programm, und wenn das lustig ist, umso besser. Es gibt doch nichts Schöneres als Menschen zum Lachen zu bringen, sie zwei Stunden ihre Sorgen vergessen zu lassen.“ Politisches Kabarett würde sie nicht machen wollen, das überlässt sie gerne denen, die es können. „Ich bin ein politischer Blindgänger.

Vorbild kommt aus der Familie

Um auf diesem Gebiet witzig sein zu können, müsste ich die Politik erstmal verstehen.“ Oft werde sie gefragt, warum sie nicht singe. „Weil ich verhindern will, dass das Publikum aufsteht und den Saal verlässt,“ antwortet sie dann. Seit 2014 ist sie kabarettistisch unterwegs. Dass sie so erfolgreich ist, liegt vielleicht auch daran, dass sie „nicht obszön oder billig, nicht primitiv“ sei und nicht unter die Gürtellinie gehe. Comedy, das ist für sie etwas, „wo man drüber lacht, wo man Spaß dran hat, sich wiedererkennt“.

Ihr Vorbild sei ihre 80-jährige Mutter. „Die war Büttenrednerin, hat sich mit meinem Onkel im Karneval immer köstliche Duelle geliefert. Sie ist mächtig stolz auf mich. Vor dem Fernseher harrt sie immer bis zum bitteren Ende aus, weil ich oft die letzte Nummer im Programm bin.“ Dieter Nuhr, Wolfgang Trepper, Mario Barth: „Ich mag solche Leute, aber ich würde sie nie kopieren. Ich spiele Ingrid Kühne, nur so kann ich überzeugen. Ich bin auf der Bühne genauso wie ich zu Hause bin. Und ich habe nie aufgehört, mich selber in Frage zu stellen.“ Den Anspruch, ein Stadion zu füllen, den habe sie nicht. „Höchstens vielleicht die Arena in Gelsenkirchen oder das Stadion in Köln.“

Man kann ihr auch ruhig ins Programm reinquatschen. „Das finde ich sogar gut. Ich beziehe das Publikum auch immer ein. Aber ich würde nie jemanden vorführen. Man muss ein Gespür dafür haben, wenn Leute das nicht wollen, das merkt man sehr schnell. Und wenn ich sehe, dass in der ersten Reihe nur Menschen über 70 sitzen, dann switch ich auch um, haue zum Beispiel die Geschichte mit der Schwiegermutter nicht raus. Ich habe Nummern für vier Stunden Programm im Repertoire, die kann ich abrufen. Die Leute in der letzten Reihe sollten sich übrigens nicht zu sicher sein, dass die Frau Kühne sie in Ruhe lässt…“

Hobby zum Beruf gemacht

Bis Ende Mai reiht sich auch bei Ingrid Kühne ein Auftritt an den anderen. „Das sind die Kabarett-Monate schlechthin. Im Sommer ist Pause: Bei 40 Grad setzt sich doch keiner in eine Halle und will lachen.“

Sie ist längst in der Kabarett-Bundesliga angekommen. Wie lange sie noch da oben mitspielt? „Keine Ahnung. Es dauert so lange wie es dauert. Wenn der Erfolg morgen vorbei ist, dann ist das so. Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht. Aber ich weiß auch, dass nichts so vergänglich ist wie Erfolg. Sicher wäre ich traurig. Aber ich glaube, ich kann auch aufhören. Mich muss man nicht von der Bühne prügeln.“

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