Politik

Der Anti-Brexit-Marsch der Claudia Zeiske durch Alpen

Claudia Zeiske und Ehemann Nick May schreiben von jeder Station  ihrer Reise eine Postkarte an Zeikes Mutter in Bayern. Dieses Mal ist es eine ais Xanten.

Claudia Zeiske und Ehemann Nick May schreiben von jeder Station ihrer Reise eine Postkarte an Zeikes Mutter in Bayern. Dieses Mal ist es eine ais Xanten.

Foto: David Bieber

Alpen.  Claudia Zeiske und ihr schottischer Mann Nick May wandern 1800 Kilometer durch den Nordwesten Europas und durch Alpen, um für die EU zu werben.

Was hat das beschauliche Menzelen mit dem Brexit oder gar mit Schottland zu tun? Sind es die Schafe oder der vergleichbar ländliche Charakter von Schottland und dem Niederrhein? „Nichts dergleichen“, sagen die gebürtige Münchenerin Claudia Zeiske und ihr schottischer Ehemann Nick May. Beide laufen, nur mit einem Rucksack, einer Karte und einem Kompass ausgestattet, seit dem 3. Juli rund 1800 Kilometer quer durch den Nordwesten Europas (von Schottland nach München), um für Europa und die europäische Idee zu werben. Am Donnerstag vergangener Woche landeten die beiden „Pilgerer“, wie sie sich selbst bezeichnen, in Menzelen und durchstreiften den kleinen Ort. Die Hälfte der Strecke liegt jetzt schon hinter ihnen.

Claudia Zeiske, die es vor Jahren beruflich nach Schottland zog, ergänzt leise: „Es ist vielleicht auch ein persönlicher Protestmarsch gegen den bevorstehenden Brexit, dessen Folgen wir nur schwer absehen können.“ Zeiske sagt, sie könne die Leute, die für den Brexit votierten, nicht verstehen. „Es ist schade, dass so viele für den Brexit stimmten. Aus meinem Bekanntenkreis kenne ich keine Brexit-Befürworter.“

Dennoch wollen Claudia und Nick die lange Wanderung, die etwa 90 Tage – am 30. September werden sie bei Zeiskes Mutter in der Nähe von München erwartet – in Anspruch nimmt und für die beide bei ihren Arbeitgebern freigestellt wurden, eher als persönliche Pilgerreise denn als mediale Protestaktion verstanden wissen. Es geht auf der Reise darum, sich unbeschwert Gedanken über ihre Heimat, ihre Zukunft und eben das Leben nach den Brexit-Verhandlungen machen zu können. Und, auch über das Leben, wenn der Brexit dann tatsächlich irgendwann Realität wird. „Ich wünsche mir, dass der Brexit nie kommen wird“, hofft Ehemann Nick noch. Er weiß aber, dass das kaum realistisch ist.

Was hätten die Beiden zu befürchten, wenn der Brexit mit Brüssel ausverhandelt ist und Realität wird? „Alles wird bürokratischer: Arbeitserlaubnis, Reisen, Handel wird komplizierter. Der Status der Briten in Europa ist nicht mehr der gleiche wie heutzutage und der Austausch wird undurchlässiger“, erwartet der 60 Jahre alte Nick May, der im nordschottischen Aberdeen als IT-Experte arbeitet.

Dem stressigen Alltag entfliehen

Trotz Brexit wollen die „Abenteurer“, die zusammen drei erwachsene Kinder haben, eigentlich in Schottland bleiben. Denn die Mehrzahl der Schotten hat gegen den Brexit gestimmt. Dennoch machen sie sich freilich Gedanken. „Die Pilgerreise bietet hierfür genug Zeit, sich zu überlegen, wo wir unsere Zukunft verleben werden. Primär ist es aber eine Auszeit vom stressigen Alltag“, sagt Claudia Zeiske, die eine leitende Funktion in einer großen Künstlerorganisation in dem kleinen Ort Huntly, nahe Aberdeen, hat. Ihre Organisation arbeitet mit bekannten Künstlern wie beispielsweise dem Deutsch-Syrer Manaf Halbouni zusammen, der vor einigen Monaten mit einer Kunstaktion mit drei umgekippten Bussen vor der Dresdener Frauenkirche für viele Diskussionen in Deutschland gesorgt hat. Man merkt der 57-jährigen Claudia Zeiske, die vor mehr als 30 Jahren aus Deutschland ausgewandert ist, schon in den Niederlanden und England lebte und dort Anthropologie studierte, aber an, dass sie die Vorteile Deutschlands ein wenig vermisst. „Die guten Bäckereien und die zuverlässigen Handwerker vermisse ich in Schottland. In Deutschland funktioniert alles. Dafür ist der Stress höher und die Menschen regen sich schneller auf.“

Übrigens: Auf ihrer langen und zum Teil einsamen Pilgerreise – pro Tag laufen sie rund 25 Kilometer – nächtigen Claudia und Nick bei Freunden oder in Pensionen.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben