Vereinsleben

Der Vereinsmeier aus Xanten

Volker Markus spielt Hallenfußball beim TuS Xanten, er ist Mitglied beim XCV, bei der Victor-Bruderschaft ist er Schriftführer, beim VdK sogar Vorsitzender.

Volker Markus spielt Hallenfußball beim TuS Xanten, er ist Mitglied beim XCV, bei der Victor-Bruderschaft ist er Schriftführer, beim VdK sogar Vorsitzender.

Foto: crei

Volker Markus ist der Mann der Vereine. Er ist Mitglied in einem Verband, in einer Partei, in zwei Bruderschaften und in vier Vereinen.

Xanten. Man könnte meinen, es wäre ihm unangenehm. Volker Markus, 59 Jahre alt, sitzt in seinem Büro in seinem Haus an der Straße Am Dombogen. Die Regalwände sind voller Aktenordner und auch auf dem Schreibtisch liegt jede Menge Papierkram. Er spricht an jenem Morgen über seine Vereinsarbeit als wäre sie gar nichts Besonderes. Ist sie aber. Denn Volker Markus ist in Xanten der sogenannte „Mann der Vereine“.

Verantwortung übernehmen

Genauer gesagt ist der 59-Jährige Mitglied in acht Vereinen und Verbänden im Stadtgebiet – im VdK, in der SPD, in der St. Victor Bruderschaft Xanten und in der St. Martin Schützenbruderschaft Vynen, im Xantener Carnevalsverein, bei den Turn- und Sportfreunden Xanten sowie in den Fördervereinen der Hagelkreuzschule Lüttingen und der Gesamtschule Xanten-Sonsbeck. Nicht selten übernimmt er auch Verantwortung. So ist Markus seit fast zehn Jahren Vorsitzender des VdK mit rund 700 Mitgliedern. Er ist Ratmitglied, zweiter ehrenamtlicher Stellvertreter des Bürgermeisters und Schriftführer des SPD-Ortsvereins. Dieses Amt bekleidet auch bei den Victorssen. Seit Dezember vergangenen Jahres ist er zudem Vorsitzender beim Förderverein der Gesamtschule.Das ist durchaus unüblich in der heutigen Zeit. So gibt es in Deutschland zwar immer mehr Vereine – seit 1970 hat sich die Summe sogar verfünffacht, auf mehr als 600.000 Vereine. Das sagt zumindest die Stiftung für Zukunftsfragen aus Hamburg in ihrem Newsletter „Forschung aktuell“ vom 16. April 2014. Zugrunde liegt dem Bericht eine Untersuchung, bei der mehr als 3000 Bundesbürger ab 14 Jahren repräsentativ und in persönlichen Interviews befragt wurden. Demnach sinkt seit Jahren die Anzahl der Vereinsmitglieder. Sind 1990 noch 62 Prozent der Bundesbürger Mitglied in wenigstens einem Verein gewesen, war dies im Jahr 2000 bereits nur noch eine knappe Mehrheit (53 Prozent). Aktuell, also im Jahr 2014, geben lediglich 44 Prozent der Deutschen an, eine Vereinsmitgliedschaft zu besitzen. Im zweiten Bericht über die Entwicklung des bürgerschaftlichen Engagements in Deutschland des Bundesfamilienministeriums aus dem Jahr 2017 ist zudem die Rede davon, dass es für die Vereine – vor allem Sportvereine – immer schwerer wird, Mitglieder für die ehrenamtliche Vereinsarbeit zu gewinnen. Besonders betroffen sind Vorstands- und Leitungsfunktionen, die immer seltener übernommen werden. Dabei, so das Freiwilligensurvey 2014, bilden Sportvereine gerade im ländlichen Raum Kristallisationspunkte des gesellschaftlichen Lebens. „Sie sind ein wichtiger Beitrag bei der Förderung der Gesundheit, der sozialen Integration sowie der Bildung.“

Das kann Volker Markus bestätigen. Als er vor 20 Jahren von Duisburg-Meiderich nach Xanten-Lüttingen zog, hatte er kaum Kontakte in der Stadt Mit dem Eintritt in den VdK änderte sich das schlagartig. „Damals wurden mein Vater und auch meine Schwiegereltern pflegebedürftig“, erinnert sich Markus an die Beweggründe. Das war Anfang der 2000er. Nur ein Jahr später bekleidete er bereits das Amt des Vorsitzenden. „Dadurch habe ich unglaublich viele Menschen kennengelernt“, sagt Markus. Den Vorsitzenden der SPD zum Beispiel („Als Meidericher kennt man aber auch gar keine andere Partei“), den Kapitän der Victorsse, und, und, und. Im Vordergrund seiner Vereins- und Verbandsarbeit steht für ihn der Spaß und die Geselligkeit, aber natürlich auch das Soziale und die Gesundheit. Und er macht sich nichts aus Verantwortung. „Für mich ist es einfach keine Last, ein Protokoll über die vergangene Sitzung zu schreiben. Ich mache das gerne“, sagt Markus, der auch im Verein bleibt, wenn er nicht mehr persönlich betroffen ist. Zum Beispiel im Förderverein der Hagelkreuzschule. „Damit bekunde ich meine Solidarität.“ Auch das ist unüblich.

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