Natur

Der Wald leidet sehr unter dem Klimawandel

Förster Christopher Koch blickt skeptisch.

Förster Christopher Koch blickt skeptisch.

Foto: Armin Fischer

Der Förster Christopher Koch betreut die Leucht bei Alpen, ein Waldgebiet von rund 1200 Hektar mit einem Bestand von mehr als einer Million Bäume

Alpen. Die Folgen des Klimawandels, sind nicht mehr von der Hand zu weisen. Neun der zehn wärmsten Jahre seit Beginn der regelmäßigen Wetteraufzeichnungen wurden im 21. Jahrhundert aufgezeichnet. Extreme Wetterereignisse wie Starkregen und Dürren kommen immer häufiger vor. Sucht man einen Beleg für die Auswirkungen des Klimawandels vor der Haustür, bietet sich ein Blick in den heimischen Wäldern an. Dem Dürresommer des vergangenen Jahres folgte ein viel zu milder Winter. Und auch die langen Trockenperioden in diesem Jahr zeigen Wirkung. „Es ist dramatisch. Auch wenn man noch versucht, es sich schönzureden“, diagnostiziert Christoph Koch. Der Förster betreut die Leucht bei Alpen, ein Waldgebiet von rund 1200 Hektar und mit einem Bestand von mehr als einer Million Bäume.

Sorgen bereitet die Population der Borkenkäfer

Ende 2017 hat Koch sein Büro im Forsthaus Huck bezogen. Seither ist, auch durch den Sturm Friederike, allein der Bestand an Fichten um zwei Drittel zurückgegangen. Das allein wäre nicht allzu tragisch, sagt Koch: „Wir hätten die Fichtenbestände ohnehin über kurz oder lang zurückgebaut, weil diese Bäume nicht mit der Trockenheit klarkommen und bei Sturm gefährdeter sind als Laubbäume.“ Viel mehr Sorgen macht dem Forstwirt die extreme Population der Borkenkäfer. Auch eine direkte Folge des Klimawandels, erklärt Julian Mauerhof, Fachgebietsleiter beim Landes-Forstbetrieb: „Durch die längeren Sommer gibt es pro Jahr drei statt der üblichen zwei Käfer-Generationen. Hinzu kommt, dass der regenerierende Faktor Wasser fehlt und so das Abwehrverhalten der Bäume geschwächt ist. Dann gibt es irgendwann keine Rettung mehr.“ Auf ein Ende der Borkenkäfer-Invasion kann Mauerhof nicht hoffen, im Gegenteil: „Die Population wird wohl erst in ein bis zwei Jahren den Höhepunkt erreichen.“ Auch auf die Alliierten im Kampf gegen den Schädling setzt der Oberförster nicht. „Die natürlichen Feinde des Borkenkäfers, Ameisenbuntkäfer und Specht, sind längst so vollgefressen, dass sie uns nicht mehr helfen.“ Schnelle Hilfe können sich die Waldhüter allenfalls von oben erhoffen. „Wir brauchen einen richtig nassen Schmuddelwinter. Dann entstehen viele Pilze im Boden, und die mag der Borkenkäfer gar nicht“, erklärt Mauerhof. Aber auch so ist die Lage nicht ganz hoffnungslos. Um den Schädling zu verbannen, will man ihm die Nahrungsgrundlage entziehen. „Es gibt Buchen-, Fichten-, oder Eichenborkenkäfer. Jeder einzelne ist auf seine Baumart spezialisiert. Deshalb wollen wir nun fremdländische Bäume wie Rot­eiche, Douglasie oder Küstentanne anpflanzen“, erläutert Koch.

Versuche mit Platanen, Zedern und Mammutbäumen

Zudem gibt’s in einem kleinen Areal der Leucht Versuche mit Platanen, Zedern und Mammutbäumen. Dabei handelt es sich um besonders schnell wachsende Arten, die für eine rasche CO2-Bindung sorgen. Bis die Maßnahmen greifen, braucht Alpens grüne Lunge nach Ansicht der Förster einen mindestens sechs Wochen langen Regen. Gelegentliche kurze Schauer werden vom Boden nicht aufgenommen. Untersuchungen haben gezeigt, dass am Niederrhein zwischen 0,25 und 1,80 Meter Tiefe absolute Dürre herrscht. Mauerhof: „Die Bäume sind hohe Grundwasserstände gewohnt. So etwas wie jetzt haben sie noch nie erlebt. Mit der Folge, dass 160 bis 200 Jahre alte Buchen rasant absterben.“

Eine weitere Folge der langen Perioden ohne Regen ist der sogenannte Grünastabwurf. Weil die Bäume nicht genügend Wasser aus dem Boden bekommen, brechen gesunde Äste voller Blätter unvermittelt ab und krachen zu Boden. Das birgt Gefahren für Besucher im Wald. „Das lässt sich nicht vorhersehen und ist ein großes Problem. Denn wir haben eine Verkehrssicherungspflicht“, sagt Koch. Trotz aller sichtbaren Missstände bleibt Alpens Förster gelassen und letztlich zuversichtlich: „Die Leucht wird bleiben, dafür werden wir alles tun. Nur das Waldbild wird sich verändern.“

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