Bahnverkehr

Die Bahnlinie von Rheinberg nach Moers bleibt Geschichte  

Die Gleise der alten Bahnlinie führen am Hußmannsweg in Budberg unmittelbar an den Grundstücken im Neubaugebiet vorbei.

Die Gleise der alten Bahnlinie führen am Hußmannsweg in Budberg unmittelbar an den Grundstücken im Neubaugebiet vorbei.

Foto: Ostermann, Olaf (oo)

Rheinberg.  Die Grünen hatten mit ihrer Idee, die alte Gleisstrecke von Rheinberg über Orsoy nach Moers zu reaktivieren, zahlreiche Anwohner alarmiert.

Corona hat das Theaterleben im Stadthaus keineswegs völlig zum Erliegen gebracht. Auf dem Spielplan stand die Wiederbelebung einer Toten – für das Publikum in den Logen ein Lustspiel, für die Protagonisten auf der politischen Bühne eher eine Tragödie. Aber eigentlich war’s ein unterhaltsames, durchaus bedenkenswertes Stück Basisdemokratie, für das es am Ende stehende Ovationen von den Rängen gab. Da war der grüne Traum von der Reaktivierung der Bahnlinie von Rheinberg über Budberg, Orsoy und Baerl nach Moers wohl endgültig begraben. Grünen-Sprecher Jürgen Bartsch zog nach der Beratung im Ausschuss für Stadtentwicklung den Antrag zurück, hier die klimafreundliche Verkehrswende anzustoßen.

Empörter Widerstand

Als der grüne Vorstoß am alten Schienenstrang, der noch zwischen dem Orsoyer Hafen und Moers von der Niag für Güterwaggons genutzt wird, durchsickerte, formierte sich im Eilzug-Tempo empörter Widerstand. Die Sitzung begann mit Verspätung, weil Anwohner vor der Stadthalle Schlange standen. Der Einlass der Öffentlichkeit dauert in diesen Corona-Tagen halt seine Zeit. Vorsitzender Jürgen Madry reagierte bürgerfreundlich und zog den Tagesordnungspunkt Wiederbelebung der Bahnlinie wegen erkennbaren Interesses von ganz hinten weit nach vorn.

Keine Möglichkeit außer Acht lassen

Jürgen Bartsch erklärte, dass es den Grünen nur darum gehe, die Möglichkeit zur Auferstehung der alten Bahnlinie mit einer „Machbarkeitsstudie“ in einem „sehr offenen Prozess“ untersuchen zu lassen. Man wolle sich nicht hinterher vorwerfen lassen müssen, die Chance, ein Stück weit weg zu kommen vom Individualverkehr, sträflich nicht bedacht zu haben. Der bloße Versuch aber hatte nicht nur die Anwohner alarmiert, sondern auch die politischen Mitbewerber im Fahrt aufnehmenden Wahlkampf.

Josef Devers inzsenierte sich für die CDU genüsslich als Prellbock für die grüne Idee. Da lege sich in Orsoy eine Bürgerinitiative vehement gegen Bahnlärm ins Zeug, und „jetzt sollen wir den dieselbetriebenen ,Bello’ auf den Gleisen in Wohngebiete holen“. Auf diesen tollkühnen Gedanken werde die CDU keine Zeit verwenden.

FDP-Mann Rainer Mull berichtete von „sehr emotionalen“ Reaktionen in seiner Fraktion, führte dann eine nüchterne Zahl in die Debatte ein. Allein eine Machbarkeitsstudie koste eine Viertelmillion. Auch die Genossen bezweifeln, dass es sich die Bahnlinie durch Wohngebiete sich in irgendeiner Weise rechne. „Die Machbarkeitsstudie sehen wir lange nicht“, so Peter Tullius für die SPD. Er plädierte dafür, Bahnverkehr in die Gesamtbetrachtung künftiger Mobilitätskonzepte aufzunehmen.

Eine „Schnapsidee“

Dann hatten die Zuhörer das Wort. Sie schimpften über Züge, die „im Nirgendwo losfahren und quer durch unsere Gärten im Irgendwo ankommen“. Der Appell, noch mal gründlich über die „Schnapsidee“ nachzudenken, wurde mit Beifall unterfüttert.

Technischer Beigeordneter Dieter Paus baute den Grünen eine Brücke. Die Stadt nehme eine Mobiltätstudie in Angriff, die Basisdaten für eine Verkehrswende ( „Stadtbussystem“) verspreche. Die soll man die tunlichst abwarten. Die Grünen willigten ein und kassierten ihren Antrag. Beifall von den Rängen.

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