Kulturprojekt

Die spinnen, die Leute

Auf dem Foto (von rechts): Heike Angermann, Petra Halbekann, Agnes Halbach und Tatjana Weber.

Auf dem Foto (von rechts): Heike Angermann, Petra Halbekann, Agnes Halbach und Tatjana Weber.

Foto: WAZ FotoPool

Xanten.   Singen, Tanzen, Spinnen – In Workshops erleben junge und ältere Menschen aus ganz Deutschland beim 5. Kulturprojekt in Xanten das Mittelalter

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Mit konzentriertem Blick dreht Saskia den braunen Faden an der Spindel. Drei Stunden macht die 15-Jährige das schon, bessert mit den Fingern nach, wenn der Wollstrang an einer Stelle zu dick geraten ist. Langeweile? Keine Spur. „Ich könnte das noch den ganzen Tag machen“, sagt sie, nur: „Langsam tut mein Arm weh.“

Mittelalterliche Workshops

Saskia ist eine von etwa 180 Teilnehmern des 5. Kulturprojekts des Landesverbands Deutsche Jugend in Europa, die aus ganz Deutschland nach Xanten gereist sind, um das Mittelalter zu erleben. Dass man die Zeit dafür nicht bis ins 5. Jahrhundert nach Christus zurückdrehen muss, glaubt Veranstalter Herbert Schnalle: „Im Mittelalter sind viele Dinge entstanden, die unser Leben noch heute beeinflussen.“ Ob Sprache oder Schrift, Tanz oder Musik – „das alles hat sich bis heute weiterentwickelt“.

In Workshops lernen die Teilnehmer nicht nur wie damals getanzt, musiziert oder Theater gespielt wurde. Sie stellen auch Filzarbeiten her und spinnen Garn aus Schafswolle. Heike Angermann vom Organisationsteam hat ihr eigenes Spinnrad mitgebracht – die Arbeit damit hat sie sich selbst beigebracht: „Wenn man sich mit mittelalterlichen Handarbeiten beschäftigt, kommt man zwangsläufig zum Spinnen.“ Mit dem Rad geht natürlich alles schneller. „Spindeln gab’s schon im frühen Mittelalter, die Spinnräder kamen erst ab dem 13. Jahrhundert. Anfangs hat darunter die Qualität der Wolle noch sehr gelitten“, erzählt die 27-Jährige den Jugendlichen.

Besonders die 15-jährige Saskia lauscht den Erzählungen gespannt. „Das Mittelalter ist für mich wie eine ganz andere, magische Welt“, sagt sie. „Die Sagen aus dieser Zeit haben mich schon immer fasziniert.“ Genau wie jetzt das Spinnen. Das braune Garn will Saskia ihrer Mutter schenken, die soll daraus etwas Stricken. Für die bunte Wolle hat die 15-Jährige keinen Blick übrig. „Ich mag Naturfarben. Die braune Wolle riecht sogar noch nach Schaf – auch wenn sie gewaschen und gekämmt ist.“

Am Tisch nebenan macht Luisa Kinzel mit einer Gruppe Jugendlicher Filztaschen – passend zum mittelalterlichen Outfit. Doch auch im 21. Jahrundert erfüllen die noch ihren Zweck, findet Luisa Kinzel: „Zum Beispiel als Handytaschen.“

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