Geld-Museum

Dieses Museum ist einzigartig in Nordrhein-Westfalen

Norbert Müller (links), Gründer des neuen Wardter Geldmuseums, und Xantens Bürgermeister Thomas Görtz präsentieren den Flyer.

Norbert Müller (links), Gründer des neuen Wardter Geldmuseums, und Xantens Bürgermeister Thomas Görtz präsentieren den Flyer.

Foto: Peter Bußmann

Xanten-Wardt.   Norbert Müller, Münz- und Banknotenfachmann, machte seinen Lebenstraum wahr. Er richtete ein Geldmuseum ein. Neues Leben für „Villa Kunterbunt“.

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„Pekunia non olet“ (übersetzt „Geld stinkt nicht!“), „Wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nicht wert“ oder „Geld alleine macht nicht glücklich“: Sprüche, die sich ums Geld drehen. Keiner kennt sie besser als der Neukirchener Werklehrer, Heilpädagoge und Erzieher Norbert Müller. Seit kurzem ist er Wardter, brachte sein Hobby mit, gründete ein eigenes Museum, das im gesamten Rheinland und Westfalen seinesgleichen sucht. Das wurde im kleinen Dörfchen Wardt, sonst eher durch sein früheres Nibelungenbad und das riesige Oktoberfest bekannt, am Samstag feierlich eröffnet: das Geldmuseum.

Müller ist Numismatiker (Münzfachmann) und Notaphilist (Fachmann für Banknoten). Er machte seinen Lebenstraum wahr, füllt jetzt die alte Wardter „Villa Kunterbunt“, fast im Schatten des ehrwürdigen Kirchleins, mit neuem Leben. Früher war sie ein Haus der katholischen Jugend, inzwischen wurde das Selbstversorgerhaus, in dem Generationen von Kindern tobten, tolle Freizeiten erlebten, aufgegebenen. Dort fand er eine neue Heimat. Rund um seine jahrzehntelang gesammelten Schätze, alles dreht sich um das Geld, machte er in harter Eigenarbeit den 110 Jahre alten Hof zum Museum. Von stinkendem Geld ist hier keine Rede, es riecht wirklich nicht, sondern macht Müller glücklich – und auch Xantens Bürgermeister Thomas Görtz. Die Stadt hat ein Museum mehr, worauf er Samstag sichtlich stolz war.

Die Sammlung von Müller ist einzigartig in Nordrhein-Westfalen. Natürlich sind da Münzen, Geldscheine, alte Tauschmittel wie die Kauri-Muscheln, alle in vielfältigster Art. Einen Tag nach dem Weltspartag natürlich auch Spardosen, von einfach bis kunterbunt, dem alten Namen des Hauses getreu. Aber auch große Sachen gab’s zu bestaunen wie Münzprägemaschinen. Der Soester Dirk Hülsemann führte Sonntag Hammerprägungen des 14. und 15. Jahrhunderts vor. Münzmeister Hans Bruker aus Dinslaken schlug Samstag Gedenkmünzen, zeigte den Werdegang vom Rohmaterial bis zur fertigen Münze.

Ein Geldmuseum ohne die von vielen wieder herbeigesehnte D-Mark? Nicht in Wardt. Da rückt die wechselvolle Geschichte, 130 Jahre Mark in Ost und West, wieder in den Fokus, ihre Einführung 1871 bis zu ihrem Ende im Jahre 2001, die Einführung des Euro 2002.

Ob das Geld in der Münz- und Scheinform noch Zukunft hat? Kredit- und EC-Karte, PayPal, das Handy als Geldspeicher werden es möglicherweise weitestgehend ersetzen. Da könnten die klingenden Münzen und die raschelnden Scheine schnell aus dem Rennen sein – Fragen, die sich hier aber nicht stellten.

Lange nach geeigneten Räumlichkeiten gesucht

Schon länger suchte der 58-Jährige Müller, der sich seit 20 Jahren mit der Numismatik (Münzkunde) beschäftigt, nach geeigneten Räumlichkeiten, um all das zu präsentieren, was er in 20 Jahren zusammengesammelt hat: Spardosen aller Herren Länder, eine Münzprägemaschine, Münzen, Scheine, einen Kassenschalter, vormünzliche Zahlungsmittel, Fachbücher und vieles mehr. Die fand er bei einer Fahrradtour an der Villa Kunterbunt, die er noch aus seiner Jugend kannte. Er renovierte sie in jeder freien Minute, in jedem Urlaub und am Wochenende. Jetzt ist das Haus, in dem er auch wohnt, ein Museum der Kulturgeschichte des Geldes. Das soll sich wieder mit Leben füllen. Müller denkt an Schulklassen, die er einladen wird, plant Wechselausstellungen zu geldgeschichtlichen Themen, Künstlern aus der Region will er in seinem Museum eine Plattform für Ausstellungen geben.

Nur lobende Worte fielen zur Eröffnung am Samstag. Das größte Lob fand Müller selbst: „Wardt ist einfach ein supergeiles Dorf.“ In Superlativen schwärmte Görtz. „Ganz NRW schaut heute nach Xanten, wo das erste Geldmuseum des Landes eröffnet wird.“ Görtz weiter: „Das Museum ist eine Bereicherung, ein neues Aushängeschild für Wardt.“ Er bewunderte Müller: „Er hat mit wenig Geld ein Geldmuseum geschaffen.“

Sonntag war bereits erster Museumstag. Der Xantener Pfadfinderstamm St. Georg buk Waffeln, Aloys Cremers aus Rheinberg bemalte mit Kindern Sitzhocker für das Museum und die Band Xanthiadoo begeisterte mit Musik.

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