Stadtarchiv

Digitale und analoge Vergangenheit in Rheinberg und Xanten

Lukas Petzolt kümmert sich in Xanten um das Stadtarchiv.

Lukas Petzolt kümmert sich in Xanten um das Stadtarchiv.

Foto: arfi

Rheinberg/Xanten.   Unterlagen der Stadtarchive werden elektronisch erfasst. Für die Stadtgeschichte sind jedoch auch Originaldokumente wichtig.

2003 feierte Budberg das 1000-jährige Bestehen. Eine Urkunde, in der Budberg das erste Mal erwähnt wurde, stammt aus dem Jahr 1003 n. Chr. und war lange verschollen.

Urkunde ist über 1000 Jahre alt

Was niemand wusste: das historische Dokument lagerte lange im Kölner Stadtarchiv. Durch zufällige Recherchearbeit und einen nicht geringen Geldbetrag landete das Dokument 2002 wieder in Rheinberg. Nicht viel später kam es zur Katastrophe. Das Kölner Stadtarchiv stürzte ein – unzählige historische Dokumente sind verloren gegangen. Nur durch diesen Zufall konnte Rheinbergs Stadtarchivarin, Sabine Sweetsir, die Budberger Urkunde retten. Nicht nur, aber auch deswegen, versuchen Städte und Kommunen ihre Archive zu digitalisieren und elektronisch zu erfassen. „Wir konnten jetzt den Kollegen aus Köln eine Kopie der Urkunde zusenden“, sagt Sweetsir. „Darauf waren die Kollegen aus Köln angewiesen – also dass andere Archive etwas zurückgeben oder datieren können.“ Auch das Rheinberger Bürgereidbuch aus dem 17. Jahrhundert wurde zufällig in einem Antiquariat in Köln entdeckt und konnte letztendlich wieder dem Rheinberger Archiv zugeführt werden. Im Bürgereidbuch wurden die Namen der Bürger der Jahre 1659 bis 1791 eingeschrieben, denen nach dem Schwur des Bürgereids und dem Zahlen einer Gebühr das Bürgerrecht neu verliehen wurde. „Großstädte wie Köln oder Berlin haben personell und finanziell natürlich andere Möglichkeiten mit einem Stadtarchiv umzugehen, als kleinere Kommunen“, sagt Sweetsir, „Kleine Archive können das gar nicht packen, all die alten Urkunden oder Bücher einzuscannen und digital zu erfassen.“ So seien Maßnahmen, den Originalbestand zu pflegen, schon teuer. Historische Zeitungsbestände aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert würden entsäuert und damit konserviert.

„Originaldokumente sind sehr wichtig, um ein Gefühl für Geschichte zu haben und zu erhalten“, ist Sweetsir überzeugt. „Dennoch ist es personell einfach nicht zu stemmen, dass wir alle historischen Unterlagen in einer Datenbank mal eben so erfassen.“

Um alte Unterlagen, Register und andere wichtigen historischen Schriftstücke zu erhalten, hat die Stadt Xanten bereits im letzten Jahr, einen hauptamtlichen Archivar eingestellt. Lukas Petzolt kümmert sich in einer halben Stelle seit September unter anderem um die Personenstandsregister mit den Geburts-, Heirats- und Sterbeeinträgen ab 1798. Denn das Zivilstandsregister wurde erst durch Napoleon eingeführt.

Davor galt in den meisten Gegenden Kirchenrecht und somit sind die Kirchenbücher die besten Zeitzeugen des Mittelalters. „Ein Bildarchiv hingegen reicht bis in die Zeiten des Zweiten Weltkriegs zurück“, so Petzolt. Das Digitalisieren der gesamten Schätze sei jedoch, wie Rheinbergs Stadtarchivarin Sabine Sweetsir schon sagt, nicht wirklich möglich. „Das Equipment ist sehr teuer – daher beauftragen wir dann Fremdfirmen damit, die historischen Dokumente elektronisch und digital zu erfassen.“

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