Rheinberger Bürgerbus

Drei Jahre, 30 000 Fahrgäste: Der Bürgerbus ist ein Erfolg

Eine der beliebtesten Haltestellen: Viele der Fahrgäste steigen am Rheinberger Rathaus ein.

Foto: Jasmin Ohneszeit

Eine der beliebtesten Haltestellen: Viele der Fahrgäste steigen am Rheinberger Rathaus ein. Foto: Jasmin Ohneszeit

Rheinberg.  2013 kam die Idee eines Bürgerbusses auf. Ein Jahr später rollte dieser erstmals über Rheinbergs Straßen und zählt jetzt seinen 30 000. Fahrgast.

Ein Bushaltestellenschild braucht nicht viele Informationen: Die Liniennummer, Haltestellenname und die Abfahrtszeit reichen oft schon aus. Dann gibt es auf Rheinberger Schildern manchmal aber doch noch einen kleinen entscheidenden Zusatz – das kleine „b“ neben den Liniennummern. Das zeigt an, dass hier auch der Bürgerbus hält. Ein Projekt, das sich in kurzer Zeit ziemlich gut etabliert hat. In den nächsten Tagen kann der dafür gegründete Bürgerbusverein seinen 30 000. Fahrgast begrüßen.

Der Start vor drei Jahren war dabei doch recht schwierig: „Die Anfänge waren holprig und wir hatten viele Leerfahrten. Das kommt jetzt aber kaum noch vor“, freute sich der Vereinsvorsitzende Karl-Heinz Lochen. Im Mai 2013 wurden die ersten Pläne geschmiedet. Die Idee eines Bürgerbusses gab es allerdings schon vorher. Erste Pläne hatte bereits die Stadt, die jedoch gescheitert waren. Bei einer Infoveranstaltung äußerten viele Bürger, dass sie mit den Busverbindungen unzufrieden seien. Lochen ergriff also die Initiative, übernahm die notwendigen Gespräche mit der Stadt und ist seitdem der Vorsitzende des Bürgerbusvereins Rheinberg. Er begeisterte weitere Mitglieder und schnell waren die potenziellen Fahrer zusammen. Die Auflagen für die Schaffung eines Bürgerbusses waren sehr hoch. „Wir dürfen den öffentlichen Nahverkehr nur ergänzen und mit unserer Linie keine Konkurrenz darstellen“, erklärte Lochen.

Bis zu ersten Fahrt dauerte es allerdings noch eine ganze Zeit. Am 10. März 2014 rollte der Bürgerbus das erste Mal auf den Straßen Rheinbergs. Halter des Fahrzeuges ist jedoch nicht der Verein, sondern die Niag, die sich auch um die verwaltungstechnischen Angelegenheiten und die Reparaturen kümmert. Lochen: „Das ist eine tolle Kooperation und kein Konkurrenzkampf.“ Insgesamt gibt es 71 Haltestellen, die der Bürgerbus anfährt. Viele von ihnen sind identisch mit den Niag-Haltestellen. Fünf Haltestellen hat der Verein zusätzlich an Orten geschaffen, die von einer Linienhaltestelle weit entfernt sind.

Einmal quer durchs Stadtgebiet

In drei Schichten wird pro Tag gefahren. Um 7.28 Uhr startet die erste Fahrt am schwarzen Weg in Wallach und dann geht es durch Borth, Millingen und Annaberg in Richtung Innenstadt und von da aus durch Budberg nach Orsoy. Eine Stunde dauert die Fahrt von der Anfangs- bis zur Endhaltestelle. Dann geht die Tour auf dem gleichen Weg wieder zurück.

Am Abend gegen halb sieben bringt der letzte Fahrer den Bus zum Platz auf dem DRK-Gelände. Siebeneinhalb Touren täglich von Montag bis Freitag. Rund 75 000 Kilometer ist der Bus letztes Jahr gefahren. Vielen ist der Bürgerbus trotzdem noch unbekannt. Anders als bei einem Taxibus, muss eine Fahrt mit dem Bürgerbus nicht vorher angemeldet werden. Wie beim normalen Linienverkehr, kann an jeder beliebigen Haltestelle aus- und eingestiegen werden. 29 Fahrer wechseln sich derzeit ab. Eine gute Zahl. Bevor es aber hinter das Steuer geht, muss jeder einen ärztlichen Gesundheitscheck bestehen und eine Schulung machen. Zudem machen alle Fahrer den Job ehrenamtlich. „Anders wäre es auch nicht finanzierbar“, so Lochen. Der Bürgerbus ist nicht an den VRR-Tarif gebunden, sondern hat einen sogenannten „Inseltarif“. Die Preise liegen so zwischen einem und zwei Euro je nach Streckenlänge. Platz bietet der sieben Meter lange Bus für acht Personen. Konflikte unter den Fahrgästen gebe es aufgrund der begrenzten Platzanzahl jedoch selten. „Wenn der Bus voll ist, ist er voll. Mehr als acht Personen dürfen wir nicht befördern. Die Leute haben das akzeptiert“, sagte Lochen.

Viele Stammgäste nutzen regelmäßig den Bus. Eine von ihnen ist Annelotte Hangert, die von der Innenstadt nach Orsoy fährt, um ihre Schwester zu besuchen. „Es ist angenehmer und persönlicher als in einem großen Linienbus und natürlich sehr komfortabel“, sagte die Rheinbergerin. Dies bestätigt auch Lochen: „Die Atmosphäre ist eine ganz andere. Wir kommen mit den Gästen ins Gespräch, kennen dadurch auch viele persönlich und wissen schon, wo sie aussteigen werden. Und: Wir helfen jedem beim Einsteigen oder auch beim Anschnallen, wenn der Bedarf da ist.“ Über die hohe Fahrgastanzahl innerhalb der drei Jahre freuen sich alle Mitglieder des Vereins besonders. Mit solch einem Erfolg habe nämlich keiner gerechnet.

Im Vergleich zu anderen Städten mit einem Bürgerbus liege Rheinberg deutlich über dem Durchschnitt. Allein letztes Jahr nahmen 10 600 Menschen den Bus in Anspruch und darunter waren nicht nur Rheinberger. Lochen: „Wir hatten auch schon Touristen, die für einen Sparziergang nach Orsoy wollten und den nächsten Bus zwei Stunden später zurückgenommen haben. Offen ist der Bus für jeden.“

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