Karneval

Ein ganz musikalischer Prinz

Prinz Harald Hackstein mit Bärbel Terwiel und Andrea Pusnik (von links).

Prinz Harald Hackstein mit Bärbel Terwiel und Andrea Pusnik (von links).

Foto: arfi

Rheinberg-Ossenberg.   Harald Hackstein führt die Narren durch die kommende Session. Die Tollitäten wurden jetzt in Rheinberg-Ossenberg gewählt.

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Gewöhnungsbedürftig war das schon am Samstagnachmittag und –abend auf dem Ossenberger Dorfplatz. Karnevalistische Klänge erklangen von Weitem, ein strahlender Ossenberger, der eine Narrenkappe trug, in der Hand ein übergroßer silberner Schlüsel, die Insignien des närrischen Regenten, stand am Abend im Mittelpunkt. Wer bei strahlendem Sonnenschein Mitte August einen Rückschluss auf Karneval zog, lag nicht falsch. Um den ging es nämlich tatsächlich. Genauer gesagt: Um all jene Personen, die die Narren in der fünften Jahreszeit regieren sollen. Die wurden Samstag gewählt.

Zwei Kandidaten

Seit Jahren ist stets ein Tag im August ein Höhepunkt im karnevalistischen Leben des Ossenberger Karnevalsvereins, der KAG. Dann wird weit vor dem Beginn der närrischen Session die Tollität gewählt. Erstmals war es ein großer Kreis: Der Elferrat, das achtköpfige Damenteam, die sechs Senatoren und der Ehrensenator sowie der Vorstand der KAG waren die Wahlberechtigten. Gleich zwei Kandidaten hatten sich zur Wahl gestellt, Prinzessin Caroline (Lehmann) nach zu folgen: Marcel Neubert, ein Urgestein im Ossenberger Karneval und stets fleißige Hand, geht´s ums Handwerkliche, und Harald Hackstein, Musiker und langjährig für die guten elektronischen Töne bei Veranstaltungen verantwortlich.

KAG-Präsident Horst Neumann war sichtlich zufrieden mit dem Tag, der auch eine neue Jugendprinzessin kreierte. „Ich bin stolz, dass wir in diesem Jahr zwei Kandidaten in der engen Wahl hatten, die sich nur durch zwei Stimmen trennten.“ Beide rief er ans Mikrofon, stellte sie vor, verkündete dann den künftigen Prinzen. „Harald, der Musikalische“ heißt er. Tröstende Worte fand er für Neubert. „Ich bin beim ersten Mal auch nicht gewählt worden“, so Neumann, der gleich zweimal, 2006 und 2013 Prinz war.

Neubert zeigte sich als guter Verlierer, gratulierte mit Küsschen und netten Worten dem künftigen Prinzen. Der bekam vom Präsidenten die ersten Zeichen seiner künftigen Würde: Den übergroßen Schlüssel und eine Kappe. Aber nicht die der Ossenberger Prinzen. Die sei in die Jahre gekommen, schmunzelte Neumann. Eine Neue müsse her, doch die gebe es erst im November. So stand auf der Narrenkappe das Wort Präsident, die er dem künftigen Prinzen vorübergehend lieh. Den Beinamen fanden die Karnevalisten schnell: „Wo der rum läuft, ist eine Gitarre nicht weit“, lachte Neumann. Und bürge natürlich für ein eigenes karnevalistisches Lied.

Alia I. ist Kinderprinzessin

Fand man im vorigen Jahr keine Kindertollität, wird es in der kommenden Session sicher reizend. Alia I., die Tanzende, ist die neue Kinderprinzessin. Die neunjährige Ossenberger Grundschülerin fand sofort in die Herzen der vielen Ossenberger, die den Tag auf dem Dorfplatz zum fröhlichen Beisammensein genossen. Alia, mit bürgerlichem Namen Wormann, tanzt seit vier Jahren in der Tanzgarde La Luna, ist seit einem Jahr Ossenbergs Solomariechen. Ihr reichte „Noch“-Prinzessin Caroline I., die selbst Kinderprinzessin, dann die „große“ Prinzessin der letzten Session war und die Jugendabteilung der Karnevalisten leitet, das kleine Diadem und den Jugendschlüssel.

„Petrus ist ein Ossenberger“, fand Präsident Neumann. Denn es hatte Samstag heftig geregnet. Doch um 16.11 Uhr, als die Karnevalisten zum großen Fest rund um die Prinzenwahl einläuteten, brach die Sonne durch die Wolken. Da kamen einige sogar ins Schwitzen, wie Ulrich Glanz, der am Grill alle Hände voll zu tun hatte und mehrmals Nachschub organisieren musste, weil die Nachfrage größer als das Angebot war. Noch spät am Abend, der Prinz war bereits gekürt, strömten die Ossenberger auf den Dorfplatz, sorgten für Stimmung.

Den Prinzen sahen sie allerdings erstmal nur als Auserwählten: Erst am 15. November ist die Inthronisation des 51-jährigen Vorruheständlers, ein ehemaliger Bergmann. Dann bekommt er die neue Prinzenmütze und seine Amtskette. Die Orden sind schon fertig, verriet Präsident Neumann. „Sonst bekämen wir die nicht mehr rechtzeitig.“ Wieder trägt der Orden ein Ossenberger Motiv, was, verrät er nicht. „Jetzt muss nur noch der Name des Erwählten eingraviert werden.“

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