Jubiläum

Ein Jungbrunnen für die Bönninghardt

 Johannes Chang Schmitz ist da ein wichtiger Zeitzeuge.

Johannes Chang Schmitz ist da ein wichtiger Zeitzeuge.

Foto: Fischer, Armin (arfi)

Bönninghardt.  Vor 50 Jahren wurde die Jugendgruppe JuBo aus der Taufe gehoben. Vor allem das Spielplatz-Projekt ließ die Hei zusammen rücken.

Es klingt ein wenig paradox: Die Jugend der Bönninghardt (JuBo) ist in die Jahre gekommen, aber sie ist so jung und quicklebendig wie zu ihren Anfängen. Die liegen inzwischen ein halbes Jahrhundert zurück. Inzwischen kommen die Enkel der ersten JuBo-Generation ins großzügige Jugendheim gegenüber der Kirche St. Vinzenz. Nebenan wohnt Johannes Schmitz, den alle nur „Chang“ nennen. Er erinnert sich noch gut an den Start damals. Er war 35 Jahre alt und einer der Gründerväter der offenen Jugendarbeit op der Hei, die weit mehr werden sollte als ein sinnvoller Zeitvertreib für Kinder und Jugendliche aus dem Dorf.

Die JuBo, das lässt sich im Rückblick sagen, wurde zur Keimzelle der dörflichen Gemeinschaft, ohne die es vieles, was den Ort zusammenhält, so nicht geben würde. Das ist ein Grund zu feiern.

Und das tut die JuBo auf trendige Art und Weise. Am Samstag, 14. September, steigt die große „JuBo-läumsparty“ als zünftiges Oktoberfest im Dirndl und in Krachlederner. Mit Bier, Brez’n und Hendl. Eine Mordsgaudi soll’s werden. Los geht’s auf der Wiesn am JuBo-Heim um 15 Uhr. Die grauen Filzhüte für die Tiger, Löwen, Delphine, Spinnen oder Sonnenblumen – so heißen die JuBo-Gruppen der unterschiedlichen Altersgruppen – sind gebastelt. Aber auch wer nicht in bajuwarischer Tracht kommen mag, darf mitfeiern. Ausgegrenzt wird keiner. Das hat Tradition auf dem Höhenzug.

Der Kaplan Kaisers, so Chang Schmitz, habe damals den Gründervätern und -müttern den Rat gegeben, ein konfessionsfreies Angebot für die Jugend aus der Taufe zu heben. Dabei war die Idee, eine Jugendgruppe zu gründen, in der Katholischen Pfarrgemeinde St. Vinzenz geboren worden. „Aber die Bönninghardt ist nun mal konfessionell geteilt, zur Hälfte katholisch und zur anderen Hälfte evangelisch“, so Schmitz, der Ende der bewegten 60er Jahre Leiter der Grundschule und Vorsitzender des Pfarrgemeinderates war.

Der heute 85-Jährige wurde für gut ein Jahrzehnt erster JuBo-Vorsitzender und Hüter von rund 25 Kindern und Jugendlichen sowie deren Betreuern. Das erste, bis heute unvergessene Event war das Zeltlager am Eyler See bei Aldekerk. Das große Ziel, so der pensionierte Pädagoge, sei’s von jeher gewesen, über den Nachwuchs das langgezogene Straßendorf zu einen, zu einer Gemeinschaft zusammenzubinden.

Vor allem ein großes Selbsthilfeprojekt, das heute weit in die Region aus­strahlt, hat dafür gesorgt, dass dieses ehrgeizige Ziel auf nahezu einmalige Weise erreicht wurde: der Waldspielplatz, für den die Solvay die Fläche zur Verfügung gestellt hat. Für die Realisierung der Spielplatzpläne haben die Bönnighardter selbst gesorgt. Leitmotiv: „Datt mak weij eiges.“ Bauern, Handwerker, Männer und Frauen schmiedeten Pläne, holten sich Anregungen und legten los. Das ganze Dorf packte an und kam sich näher.

Das Wäldchen musste von gefährlichen Munitionsresten aus dem Zweiten Weltkrieg gesäubert werden. Es wurde Erde verschoben. In der Schreinerei Tönnis und in der Schmiede Brünken entstanden – heute undenkbar – selbst entworfene Spielgeräte wie Sprossenwand, Riesenrutsche, Dreifachschaukel oder der wippende Achtsitzer. Später ging gar ein Zweimaster vor Anker. Und dass zum Spielplatz auch eine Toilettenanlage sowie ein Kiosk gehörten, war das Tüpfelchen auf dem i.

Die JuBo aber hat ihr großzügiges Zuhause bis heute im Altbau der früheren Schule mit attraktiven Gemeinschafts- und Gruppenräumen. Eine Grillhütte gehört dazu und Spielgeräte, die auch mal an andere Jugendeinrichtungen ausgeliehen werden. Und damit die JoBo mobil ist, steht sogar ein eigener Bus in der Garage. Dass im JuBo-Heim auch nach einem halben Jahrhundert das Leben pulsiert, hört Gründervater „Chang“ Schmitz nebenan jeden Tag. Und es erfüllt ihn mit Stolz.

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