Soziales

Ein „Omagarten“ zum Wohlfühlen in Alpen

Im Alpener Marienstift wird ein enger Kontakt gepflegt. Da gibt es auch schon mal ein Küsschen für die Gäste. Im Bild: Leiterin Doris Hönning, die 90-jährige Johanna Tooten und Heilpädagogin Nici Schumacher-Guyens.

Im Alpener Marienstift wird ein enger Kontakt gepflegt. Da gibt es auch schon mal ein Küsschen für die Gäste. Im Bild: Leiterin Doris Hönning, die 90-jährige Johanna Tooten und Heilpädagogin Nici Schumacher-Guyens.

Foto: Fischer, Armin (arfi)

Alpen  Seit zehn Jahren bietet der Alpener Marienstift eine Tagespflege für ältere Menschen an, die ansonsten zuhause von Angehörigen gepflegt werden.

Als das Marienstift anfing, auch Tagespflege anzubieten, betrat das Altenpflegeheim Neuland. Das ist jetzt zehn Jahre her. Am 27. Juli 2009 ging das neue Angebot mit zwölf Plätzen für Menschen an den Start, die weiter zu Hause gepflegt werden, aber zwischendurch immer mal wieder für einen Tag ins Stift kommen. Ein wichtiges Angebot zur Entlastung von pflegenden Angehörigen. Sie erhalten so mal eine Auszeit und haben Zeit für sich. Schon bald zeichnete sich ab, dass der Bedarf noch nicht gedeckt war. Nicht mal zwei Jahre später kamen fünf Plätze hinzu, gefolgt von Plänen, ein zweites Gebäude zu bauen. Im Advent 2015 wurde der Neubau eingeweiht. Seither werden täglich bis zu 24 Gäste betreut. Jetzt wurde bei einer kleinen Feier auf das zurückliegende Jahrzehnt geblickt.

Mit einer Andacht auf der Terrasse, da wo alles angefangen hatte, blickten Tagesgäste, Pflege-Team und Verantwortliche des Pflegezentrums mit Pastor Dietmar Heshe dankbar zurück. Das Wetter meinte es gut mit der Festgesellschaft, die bei Sonnenschein die Aussicht auf den schönen großen Garten hinter dem Marienstift genießen konnte. „Dankbarkeit ist etwas Wesentliches“, sagte Pastor Heshe in seiner kurzen Ansprache. Er erinnerte daran, dass die Verantwortlichen damals „eine mutige wie im Rückblick richtige Entscheidung getroffen haben“, als sie das Marienstift um die Tagespflege erweitert haben.

"Ich geh in den Kindergarten, du gehst in den Omagarten"

Das war anfangs noch längst nicht etabliert, gerade im ländlichen Raum, wo Pflege häufig in der Familie organisiert wurde. „Es war damals nicht so klar absehbar, ob und wie gut das neue Angebot angenommen werden würde“, erinnert sich Pflegedienstleiterin Agnes Heßeling. Die anfängliche Skepsis legte sich alsbald. Die Menschen fassten schnell Vertrauen.

Wie Irma Steinhorst (78) aus Menzelen, die von Anfang an mehrmals in der Woche kommt. Als „Gast der ersten Stunde“ gratulierte ihr bei der Feier Geschäftsführer Andreas Heßeling mit einem Blumenstrauß. Blumen bekam auch Günter Tost, ebenfalls von Anfang an regelmäßiger Besucher der Einrichtung. Dabei wollte Irma Steinhorst zunächst „nur mal gucken“, wie Tochter Anita Hoersen erzählt. Sie ist immer wieder gekommen. Für Enkel Elias war’s selbstverständlich, dass die Oma wie er morgens das Haus verließ. „Ich geh’ in den Kindergarten, Du in den Omagarten“, habe der Knirps gesagt, der inzwischen schon 13 Jahre alt ist.

Das Konzept geht auf

In der Tagespflege erleben die Gäste feste Strukturen. Frühstück, Mittagessen und ein Nickerchen sowie die Kaffeerunde mit selbst gebackenem Kuchen setzen den Rahmen. Dazwischen liegen teils individuell abgestimmte Angebote. Besonders beliebt ist neben den regelmäßigen Ausflügen der Besuch des Tiertherapeuten, der Hund oder Katze, mal Hase oder Huhn mitbringt.

Die Gäste werden mit Bussen des Marienstifts zu Hause abgeholt und auch wieder heimgebracht. Das sichert den wichtigen Kontakt zum häuslichen Umfeld und zu den Angehörigen. Ein Konzept, das aufgeht, wie die zurückliegenden zehn Jahre gezeigt haben.

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