Integration

Eine Alpener Firma für Bausanierung setzt auf Geflüchtete

Matthias Everes (M.) will seine beiden neuen Mitarbeiter Rahmin Khaliqi (l.) und Ismail Al Samaidaai auch ohne Förderung weiter beschäftigen.

Matthias Everes (M.) will seine beiden neuen Mitarbeiter Rahmin Khaliqi (l.) und Ismail Al Samaidaai auch ohne Förderung weiter beschäftigen.

Foto: Fischer, Armin

Alpen-Menzelen.  Eine Alpener Firma für Bausanierung ärgert sich über die Arbeitsagentur. Die Einarbeitung zweier geflüchteter Männer wird ihnen erschwert.

Von der Fassade der Essener Uniklinik, über den Hamburger Elbtunnel, bis zum Essener U-Bahn-System oder diversen Autobahnbrücken: An Referenzen mangelt es der Bausanierungsfirma GSG aus Menzelen-Ost nicht. Eher schon an den entsprechenden Facharbeitern. Ausgebildete Bauwerksanierer sind auf dem Arbeitsmarkt eine Seltenheit, gelernte Betonbauer, die sich umschulen ließen, ebenfalls. Deshalb hat Matthias Evers, geschäftsführender Gesellschafter von GSG auch nicht lange gezögert, als sich die vor fünf Jahren aus Syrien geflüchteten Männer Ismail Al Samaidaai und Rahmin Khaliqi bei ihm bewarben.

Da die beiden in einer Alpener Flüchtlingsunterkunft an der Ulrichstraße lebenden Männer zum einen kaum Deutsch sprechen und zum anderen völlig fremd in der Branche sind, bedarf es aber einer längeren Anlernphase bis zum Beginn einer Ausbildung.

Dafür muss Evers den neuen Mitarbeitern für einen Zeitraum von etwa einem halben Jahr einen seiner Angestellten an die Seite stellen. Diese Maßnahme wird von der Agentur für Arbeit gewöhnlich mit monatlich 600 bis 700 Euro unterstützt.

Formfehler mit fatalen Folgen

Für Matthias Evers schien die Sache klar: „Unsere Philosophie lautet: Wer bei uns anfängt, wird sofort gemeldet. Schwarzarbeit dulden wir nicht. Wir wussten allerdings nicht, dass die beiden längst bei der Arbeitsagentur gemeldet waren.“ Das hatte fatale Folgen, denn der Förderantrag muss vor der Einstellung eingereicht werden. Wer das später macht, geht leer aus. Alle Entschuldigungen, Eingeständnisse und Bitten blieben vergeblich, die Arbeitsagentur Kamp-Lintfort beharrt auf ihren Vorgaben.

Evers kann das nicht nachvollziehen, zumal er die jungen Männer vom ersten Tag an sozialversicherungspflichtig eingestellt hat: „Ich gebe ja zu, dass wir einen Fehler gemacht haben, aber sollen wir die beiden deswegen sofort wieder auf die Straße setzen?“ Nach der halbjährigen Anlernphase könnten Al Samaidaai und Khaliqi eine Ausbildung beginnen und schon ein halbes Jahr später den sogenannten Kleinen Gesellenbrief erwerben. Bereits jetzt verdienen sie genügend Geld, um sich bald eine Wohnung zu mieten und ihren Lebensunterhalt selbstständig zu bestreiten.

Die beiden neuen Mitarbeiter sind unglaublich motiviert

Für Evers ist das Ganze eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten: „Sie benötigen keine Transferleistungen mehr, sondern zahlen Steuern und Sozialversicherungsabgaben, das heißt, sie unterstützen unsere Gesellschaft. Das alles will man zunichtemachen, nur weil wir einen Formfehler begangen haben.“

Evers wird Al Samaidaai und Khaliqi auch ohne Förderung nicht vom Hof jagen, auch wenn das Verhalten der Arbeitsagentur für ihn unverständlich bleibt. Dazu sei der Bedarf an Fachkräften einfach zu groß. „Unsere Auftragsbücher sind für die nächsten beiden Jahre voll, alleine der Bedarf an energetischer Sanierung ist riesig.

Ich könnte die Zahl unserer Angestellten verdoppeln, wenn der Arbeitsmarkt das hergeben würde.“ Obendrein seien die beiden neuen Mitarbeiter unglaublich motiviert. Evers: „Wer mit einem klapprigen Fahrrad aus Alpen kommt und jeden Morgen eine Viertelstunde vor Arbeitsbeginn hier ist, der will arbeiten.“

Zuschuss ist eine Ermessensleistung

Eingliederungszuschuss: Die Arbeitsagentur unterstützt die berufliche Eingliederung von Personen, deren Vermittlung – zum Beispiel wegen sprachlicher Defizite – erschwert ist, mit einem Eingliederungszuschuss. Dieser kann bis zu 50 Prozent des Arbeitsentgelts betragen und wird für maximal zwölf Monate gezahlt. Es handelt sich dabei um eine Ermessensleistung. Ein Rechtsanspruch besteht nicht. Der Antrag muss gestellt werden, bevor der Mitarbeiter seine Stelle antritt.

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