Hilfe zur Selbsthilfe

Eine tragische Geschichte

Das Schicksal der Familie Bosnjak (hier ein Ausriss aus der NRZ/WAZ aus dem Jahr 2006) hat Heribert Hölz tief berührt. Foto: Ulla Michels

Das Schicksal der Familie Bosnjak (hier ein Ausriss aus der NRZ/WAZ aus dem Jahr 2006) hat Heribert Hölz tief berührt. Foto: Ulla Michels

Foto: WAZ FotoPool

Rheinberg/Novi Travnik.   2006 haben Leser für einen bosnischen Jungen gespendet. Jetzt ist auch sein kleiner Bruder unheilbar erkrankt.

Vielleicht erinnern Sie sich noch: Im Jahr 2006 bat die NRZ/WAZ zum „Tag der Begegnung“ um Hilfe für einen bosnischen Jungen, der an Muskelschwund leidet. Marijan, damals 19 Jahre alt, lebte auf dem Land im immer noch kriegszerstörten Bosnien-Herzegowina, sein Vater war arbeitslos, ohne Perspektive, überhaupt wieder einen Job zu bekommen. Ärztliche Versorgung? Fehlanzeige. Von den mehreren tausend Euro, die damals zusammenkamen, konnte Physiotherapie für Marijan bezahlt werden, außerdem konnten die Eltern ihm seinen größten Wunsch, eine Playstation, erfüllen.

Zustand verschlechtert sich dramatisch

Wenn Heribert Hölz, der Chef der Bosnienhilfe der Caritas, der die Redaktion damals auf das Schicksal des jungen Mannes aufmerksam machte, nach Bosnien fährt, schaut er auch regelmäßig in Novi Travnik vorbei. Dort lebt Marijans Familie, Hölz’ hat enge Kontakte zum hiesigen Pfarrer, der die Spenden verwaltet hatte. Jetzt war Hölz wieder vor Ort und kam mit einer schlechten Nachricht zurück.

Marijans 14 Jahre jüngerer Bruder David ist ebenfalls an Muskelschwund erkrankt. Das war immer die große Angst von Mutter Andje. „Immer wenn ich ihn ansehe“, hat sie einmal gesagt, „dann ist die Angst da, dass David auch erkrankt.“ Weil die Krankheit in der Familie verbreitet ist. Ein Neffe leidet auch an Muskeldystrophie. Was müssen die Eltern durchmachen, was die bereits großen und verheirateten Töchter, die selbst Kinder haben und vielleicht auch noch haben wollen?

Und das ist nicht das einzige, was die Familie ertragen muss. Marijans Zustand hat sich dramatisch verschlechtert. Mittlerweile kann der junge Mann niemanden mehr die Hand geben und auch die geliebte Playstation nicht bewegen.

Heribert Hölz hat - wie immer - geholfen und fürs erste 500 Euro an den Pfarrer gegeben. Er wird Familie Bosjnak beratschlagen, was jetzt am dringendsten gebraucht wird.

Immer wieder nimmt sich Heribert Hölz vor, in Bosnien keine neuen Projekte zu beginnen. Doch dann stößt er wieder auf etwas und sagt sich, „das lohnt sich“. Schwerpunkt für ihn ist Hilfe zur Selbsthilfe.

Hilfe zur Selbsthilfe

Wie die Obstplantage in Nordostbosnien. In einem kleinen Ort in der Nähe von Derwenta leben die Menschen von dem, was der Acker hergibt. Geld haben sie seit vielen Jahren nicht, sie versorgen sich selbst. Dort ist jetzt ein junger Pfarrer hingekommen, der sich bewusst für das Leben als Seelsorger in einer kleinen Gemeinde entschieden hat. Gemeinsam mit Hölz hat er die Idee ausgebrütet, aus dem vielen Obst eine Einnahmequelle zu machen. „Hörte sich gut an, aber ich habe mich gefragt, wer kauft das denn“, so Hölz. Die Antwort auf diese Frage fand er durch Zufall: Aus diesem Ort stammen zwei Brüder, die den Krieg auf dem Balkan in der Schweiz überlebt haben und jetzt die größte Konservenfabrik Bosnien-Herzegowinas betreiben. Sie sind bereit, das Obst abzunehmen.

Heribert Hölz’ Part: Er hat für die künftige Obstplantage in der Schweiz einen Traktor für 9000 Euro angeschafft, jetzt werden Obstbäume gepflanzt. Bis die Früchte tragen, vergehen allerdings rund drei Jahre. Damit die Menschen in der Zwischenzeit aber Geld verdienen können, werden für den Übergang Chrysanthemen gepflanzt. Chrysanthemen sind in Bosnien die beliebtesten Friedhofsblumen, allein bei bestimmten Prozessionen im Herbst finden sie reißenden Absatz.

Wer mehr über Heribert Hölz und sein Engagement in Bosnien-Herzegowina wissen oder ihm helfen will, kann sich hier melden: 0203/44985916 oder 02845/5686.

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